
100. Kriegstag: USA schießen iranische Drohnen über Hormus ab, Pakistan setzt Vermittlung fort
Am 100. Tag des Krieges zwischen den USA und Iran haben amerikanische Streitkräfte zwei iranische Kampfdrohnen über der Straße von Hormus abgeschossen. Unterdessen setzt Pakistan seine Vermittlungsmission fort: Innenminister Mohsin Naqvi überbrachte in Teheran ein Schreiben an Revolutionsführer Khamenei.
Genau einhundert Tage nach Beginn der bewaffneten Auseinandersetzungen ist die Lage in der Golfregion erneut eskaliert. Am Sonntag gab das US-Zentralkommando (CENTCOM) bekannt, amerikanische Kräfte hätten zwei iranische Angriffsdrohnen abgefangen und zerstört, die eine Bedrohung für den internationalen Schiffsverkehr in der strategisch wichtigen Straße von Hormus dargestellt hätten. Aus Washingtoner Sicht unterstreicht dieser Schritt die Entschlossenheit, die freie Seefahrt – und damit die globalen Energielieferwege – zu schützen. Teheran hingegen wies die Darstellung zurück und warnte in einer ersten Stellungnahme, die USA würden für alle Konsequenzen ihres „rechtswidrigen“ Handelns verantwortlich gemacht.
Die Gefechte reihen sich ein in eine Abfolge von Störfeuern, die das am 8. April vereinbarte Waffenstillstandsabkommen zunehmend aushöhlen. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor in markigen Worten behauptet, das iranische Militär sei nach drei Monaten Krieg „völlig zerstört“, während Teheran seinerseits Angriffe auf US-Stützpunkte in Kuwait und die 5. Flotte in Bahrain bestätigte. Die wirtschaftlichen Verwerfungen wirken längst weit über die Region hinaus: Gestörte Lieferketten und explodierende Ölpreise setzen auch die deutsche und europäische Industrie unter Druck, während Beobachter in den Vereinten Nationen vor einer Hungerkrise in verwundbaren Ländern warnen. Im Inneren Irans, wo die Inflation grassiert und tägliche Versorgungsengpässe zunehmen, schilderte die Fitnesstrainerin Elaheh aus Ahwas der Nachrichtenagentur AFP ihre Gefühlslage mit den Worten: „Ich bin wirklich abgestumpft.“
In diese verfahrene Situation hinein unternimmt Pakistan einen neuen diplomatischen Vorstoß. Innenminister Mohsin Naqvi traf am Samstag in Teheran ein und übergab am Sonntag ein offizielles Schreiben von Armeechef Feldmarschall Asim Munir und Premierminister Shehbaz Sharif an Irans Revolutionsführer Seyyed Mojtaba Khamenei. In Gesprächen mit seinem Amtskollegen Eskandar Momeni und Außenminister Abbas Araghchi betonte Naqvi, es handele sich um eine „wichtige Botschaft“, von der er sich einen positiven Ausgang erhoffe. Pakistan vermittelt dabei nicht allein; nach Angaben pakistanischer Regierungsstellen wird die Initiative von Katar, der Türkei und Ägypten unterstützt. Die genauen Inhalte des Briefs sind nicht öffentlich, doch ist bekannt, dass Islamabad eine direkte Kommunikationsbrücke zwischen Washington und Teheran schlagen will. Aus pakistanischer Sicht geht es dabei um existenzielle Stabilität an der eigenen Grenze – und um die Verhinderung eines Flächenbrandes, der auch die Atommacht Pakistan unmittelbar tangieren könnte.
Für die internationale Gemeinschaft rückt damit die Frage in den Mittelpunkt, ob und zu welchem Preis sich der Konflikt eindämmen lässt. Während US-Finanzminister Scott Bessent Pläne prüft, eingefrorene iranische Vermögenswerte zugänglich zu machen, bleiben die Kernforderungen beider Seiten unvereinbar. Europäische Diplomaten mahnen zur Deeskalation, denn eine Blockade der Straße von Hormus würde rund ein Fünftel des weltweiten Öltransports betreffen – mit schweren Folgen für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ob das pakistanische Schreiben einen Wendepunkt markiert oder in der Serie gescheiterter Vermittlungsversuche verpufft, hängt nicht zuletzt von der innenpolitischen Dynamik in den USA ab, wo die Midterm-Wahlen näher rücken und der Handlungsdruck auf Präsident Trump wächst.
| Iranische & verwandte Presse | −0.40 | critical |
|---|---|---|
| Atlantische / angloamerikanische Presse | +0.20 | neutral |
| Chinesische Presse | 0.00 | neutral |
| Subsaharisch-afrikanische Presse | −0.10 | neutral |
Iranische Medien betonen die pakistanische Vermittlung und die Übergabe eines Sonderschreibens an den Obersten Führer als positiven diplomatischen Schritt, während sie den Abschuss der Drohnen als Routinevorfall herunterspielen.
Die atlantischen Medien stellen den Abschuss iranischer Drohnen als notwendige Verteidigungsmaßnahme zum Schutz der Schifffahrt dar, während sie auch betonen, dass der 100-tägige Krieg eskaliert und den US-Präsidenten politisch unter Druck setzt.
Chinesische Medien berichten sowohl über den Abschuss der Drohnen durch die USA als auch über die pakistanische Vermittlung in neutralem, sachlichem Ton und konzentrieren sich auf die diplomatischen Bemühungen, ohne Partei zu ergreifen.
Die subsaharischen afrikanischen Medien heben den 100-Tage-Meilenstein des Krieges und das Fehlen einer Lösung hervor, während sie auch die Vermittlungsbemühungen Pakistans als möglichen Weg zur Deeskalation abdecken.
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