
Afrikas Fußball am Scheideweg: AFCON 2027 in Ostafrika wackelt – Marokko als Maßstab und Mahnung
Die Zukunft des Afrika-Cup der Nationen 2027, der erstmals von drei ostafrikanischen Ländern ausgerichtet werden soll, steht auf der Kippe. Aus Sicht der Kontinentalführung in Kairo mehren sich die Zweifel, ob Kenia, Uganda und Tansania die gewaltige logistische Herausforderung bis zum geplanten Start im Juni 2027 bewältigen können. Ein vertraulicher Inspektionsbericht der Confédération Africaine de Football (CAF), auf den sich auch europäische Medien wie Le Monde berufen, zeichnet ein düsteres Bild: Die Bauarbeiten an Stadien und notwendigen Infrastrukturen hinken massiv hinterher, insbesondere in Uganda fehlt es an einem einzigen Stadion der erforderlichen Kategorie. Die CAF prüft daher ernsthaft Alternativen, wobei Südafrika als möglicher Ersatzgastgeber im Raum steht.
Diese Entwicklung stellt die Glaubwürdigkeit des afrikanischen Fußballs infrage, der mit der Vergabe an die ostafrikanische Gemeinschaft eigentlich einen Schritt in Richtung Dezentralisierung und Entwicklung gehen wollte. Aus Washingtoner oder europäischer Sicht untergräbt das drogende Debakel zudem das Vertrauen internationaler Sponsoren und Partner. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, wo eine große Community fußballbegeisterter Afrikaner lebt, ist der AFCON ein zentrales Sportereignis; organisatorische Misserfolge schaden der Wahrnehmung des Kontinentsports nachhaltig.
Gleichzeitig lastet auf dem derzeitigen Benchmark des afrikanischen Fußballs, Marokko, ein anderer Druck. Wie aus Kreisen des Königreichs zu vernehmen ist, überschatten schwere Ausschreitungen bei jüngsten Clubspielen und bereits beim AFCON-Finale 2024 die Vorbereitungen auf die gemeinsam mit Spanien und Portugal auszurichtende WM 2030. Analytiker vor Ort sehen in den Vorfällen ein Symptom für systemische Versäumnisse im Spielmanagement, für die sie auch die CAF mitverantwortlich machen. Marokko, das mit der vorbildlichen Ausrichtung des letzten Afrika-Cup den Maßstab deutlich angehoben hat, sieht sich nun paradoxerweise selbst mit Sicherheitsproblemen konfrontiert, die dringend gelöst werden müssen, um den globalen Ambitionen gerecht zu werden.
Beobachter in Peking und anderen aufstrebenden Sportnationen dürften diese doppelte Krise – mangelnde Infrastruktur im Osten, Sicherheitsfragen im Norden – mit Argusaugen verfolgen. Sie offenbart die tiefen strukturellen Gräben innerhalb des afrikanischen Fußballs. Die CAF unter Patrice Motsepe steht am Scheideweg: Sie muss nicht nur eine pragmatische Entscheidung über den Austragungsort 2027 treffen, sondern auch durch schärfere Regularien und deren strikte Durchsetzung Vertrauen zurückgewinnen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Kontinentverband in der Lage ist, aus der Krise eine Konsolidierung zu formen, oder ob der afrikanische Fußball weiterhin zwischen ambitionierten Zielen und harter Realität hin- und hergerissen bleibt.
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