
Antisemitische Messerattacke erschüttert London – und alarmiert die jüdischen Gemeinden Europas
Eine Messerattacke im Londoner Stadtteil Golders Green, die sich gezielt gegen jüdische Passanten richtete, hat am Mittwochabend zwei Menschen schwer verletzt und die britische Hauptstadt in tiefe Unruhe versetzt. Ein Mann war nach Zeugenberichten die Golders Green Road entlanggerannt, mit einem Messer bewaffnet, und versuchte, gezielt Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu attackieren. Ehrenamtliche Sicherheitskräfte der Organisation Shomrim – einer jüdischen Nachbarschaftswache – griffen unverzüglich ein, überwältigten den Angreifer und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Die Beamten setzten einen Taser ein und nahmen den Verdächtigen fest. Die beiden Opfer wurden vom jüdischen Rettungsdienst Hatzola versorgt; über ihren Gesundheitszustand herrschte zunächst Ungewissheit.
Das Viertel Golders Green im Norden Londons beherbergt eine der größten jüdischen Gemeinden Großbritanniens. In den vergangenen Wochen war es dort zu einer Serie von antisemitischen Vorfällen gekommen, die von Brandanschlägen auf Fahrzeuge der Hatzola bis hin zu einem Feuer an einer Gedenkmauer reichen. Letzteren untersucht die Londoner Polizei mittlerweile unter Führung der Anti-Terror-Einheit, auch wenn er offiziell nicht als terroristischer Akt eingestuft wird. Bereits zuvor hatten die Behörden im Rahmen ihrer Ermittlungen zu Angriffen auf jüdische Einrichtungen mehr als zwei Dutzend Personen festgenommen.
Der britische Premierminister Keir Starmer bezeichnete den Vorfall noch im Unterhaus als „äußerst besorgniserregend“ und kündigte eine umfassende polizeiliche Aufklärung an. Londons Bürgermeister Sadiq Khan verurteilte die „schockierende Serie antisemitischer Übergriffe“ und ließ die Patrouillen im betroffenen Bezirk verstärken. Aus Washingtoner Sicht unterstreicht die Entwicklung die Dringlichkeit transatlantischer Anstrengungen gegen Antisemitismus. Beobachter in Brüssel wiederum sehen darin ein weiteres Warnsignal für ein Europa, in dem jüdische Gemeinden zunehmend unter Druck geraten.
Für Berlin, Wien und Bern ist der Vorfall nicht nur ein Nachrichtenereignis im Nachbarland. In Deutschland hat die Zahl antisemitischer Straftaten seit dem Hamas-Angriff auf Israel im Herbst 2023 drastisch zugenommen; in Österreich und der Schweiz melden die Kultusgemeinden einen ähnlich besorgniserregenden Trend. Die Sicherheitsvorkehrungen vor Synagogen, Schulen und jüdischen Kultureinrichtungen wurden vielerorts hochgefahren – nicht selten in enger Abstimmung mit den lokalen Sicherheitsdiensten. Die Londoner Ereignisse bestärken die Erkenntnis, dass weder der Ärmelkanal noch nationale Grenzen dieses Phänomen aufhalten. Sie zeigen vielmehr, wie schnell die Stimmung in vermeintlich integrierten Vierteln umschlagen kann.
Blickt man nach vorn, so wird der politische Handlungsdruck auf die britische Regierung ebenso wachsen wie die Erwartungshaltung der europäischen Partner. Die Art und Weise, wie London den Schutz jüdischen Lebens gewährleistet und Straftäter zur Rechenschaft zieht, wird in den Hauptstädten des Kontinents genau beobachtet. Die Messerattacke von Golders Green könnte sich als ein weiterer Wendepunkt erweisen – einer, der die Debatte über Radikalisierung, Integration und die Verteidigung liberaler Grundwerte in ganz Europa neu befeuert.
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