
Antisemitische und rassistische Übergriffe: London und Delhi im Zeichen eskalierender Hasskriminalität
In London werden mehrere Jüdinnen und ein jüdischer Schüler attackiert, in Delhi zwei Frauen aus dem Nordosten rassistisch misshandelt. Die Serie wirft Fragen nach dem Umgang mit Hassverbrechen auf.
Eine Serie gewalttätiger Übergriffe hat am vergangenen Wochenende die Hauptstädte Großbritanniens und Indiens erschüttert: In London wurden an nur einem Tag mindestens drei antisemitisch motivierte Angriffe verübt, während in Delhi zwei Frauen aus dem Nordosten des Landes rassistisch beleidigt, sexuell belästigt und geschlagen wurden. Die Vorfälle könnten auf den ersten Blick regional getrennt wirken, sie sind jedoch Symptome einer globalen Zunahme von Hasskriminalität, die auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufmerksam verfolgt wird.
Aus Londoner Sicht besonders alarmierend ist die zeitliche und räumliche Ballung der Taten. In Enfield im Norden der Stadt wurden drei jüdische Menschen – zwei Männer und eine Frau – von einem 34-Jährigen attackiert und erlitten leichte Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft legte dem Beschuldigten unter anderem religiös motivierte Körperverletzung und Belästigung zur Last. Nur wenige Stunden später, am Sonntagnachmittag, zog ein Mann im Stadtteil Stamford Hill mit einem Gürtel um sich und schlug damit auf mehrere ultraorthodoxe Jüdinnen ein, während er antisemitische Beschimpfungen ausstieß. Freiwillige der jüdischen Sicherheitsorganisation Shomrim konnten den Täter bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Ein dritter Fall ereignete sich in Hackney, wo eine 39-jährige Frau einen 15-jährigen jüdischen Schüler sowie einen 35-jährigen Mann schlug und beleidigte. Die Metropolitan Police stufte alle Vorfälle als antisemitische Hassverbrechen ein – eine Kategorie, die in Großbritannien nach dem 7. Oktober und den folgenden Nahostkonflikten drastisch zugenommen hat.
Ganz anders gelagert, aber nicht weniger erschreckend ist der Fall aus Neu-Delhi. Zwei Frauen aus dem Nordosten Indiens, die sich in der Früh an einem Teestand im Viertel Nehru Place aufhielten, wurden von einer Gruppe Männer umzingelt, rassistisch beschimpft, ihrer Kleidung beraubt und körperlich angegriffen. Die Polizei hat vier Tatverdächtige identifiziert und Durchsuchungen eingeleitet. In indischen Medien wird der Vorfall als weiterer Beleg für die anhaltende Diskriminierung von Menschen aus den nordöstlichen Bundesstaaten gewertet, die in der Hauptstadtregion immer wieder Opfer von Rassismus werden. Während die Behörden in Delhi betonen, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen, bleibt die Frage, ob die Taten strukturell bekämpft werden – ähnlich wie in London, wo die Polizei zwar schnelle Ermittlungen verspricht, die gesellschaftlichen Spannungen aber weiter zunehmen.
Beobachter in Berlin, Wien und Zürich sehen in diesen Vorfällen ein warnendes Signal. Die antisemitischen Übergriffe in London erinnern an die zunehmenden Anfeindungen gegenüber jüdischen Einrichtungen und Personen im deutschsprachigen Raum, die seit dem Gaza-Krieg ebenfalls stark angestiegen sind. Zugleich verdeutlicht der Fall aus Delhi, dass ethnische und rassistische Gewalt kein isoliertes Phänomen ist, sondern überall dort gedeiht, wo gesellschaftliche Konflikte ungelöst bleiben. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Justiz in beiden Ländern mit der nötigen Härte reagiert – und ob die Politik über symbolisches Entsetzen hinaus zu präventiven Maßnahmen findet. In London etwa fordern jüdische Organisationen bereits eine verstärkte Präsenz von Sicherheitskräften an Schulen und religiösen Stätten. Ohne ein entschlossenes Vorgehen droht die Spirale der Gewalt weiter zu eskalieren.
Erweitere deinen Horizont
Washington entzieht brasilianischer Botschafterin das Visum
3 Sprachen · 43 Quellen
Aus Economy & MarketsSteigende Kreditvorsorgen belasten Bankbilanzen in Schwellenländern
2 Sprachen · 6 Quellen
Aus TechnologyWeißes Haus schließt offene KI-Modelle von Sicherheitstests aus
3 Sprachen · 11 Quellen