
Argentinien: Blauer Dollar stabil bei 1420 Pesos – offizielle und informelle Kurse nähern sich an
Der argentinische Parallelmarkt für Devisen zeigt sich unerwartet ruhig. Am Freitag notierte der sogenannte blaue Dollar bei 1420 Pesos pro Einheit, während der offizielle Kurs des Banco Nación bei 1415 Pesos lag. Die Spanne zwischen beiden Kursen beträgt damit lediglich drei Prozent – ein Wert, der in den vergangenen Jahren seltener geworden war.
Aus Buenos Aireser Perspektive deutet dies auf eine vorübergehende Atempause hin, nachdem der informelle Dollar seit Jahresbeginn um 16 Prozent zugelegt hatte. Die Regierung unter Javier Milei hatte die Kapitalverkehrskontrollen zwar gelockert, aber nicht abgeschafft; der blaue Dollar bleibt ein Gradmesser für das Vertrauen in die Währung. Beobachter in der Schweiz und in Deutschland verfolgen diese Entwicklung mit besonderem Interesse, da zahlreiche Unternehmen aus dem DACH-Raum in Argentinien engagiert sind – etwa in der Automobilindustrie oder im Agrarhandel.
Die enge Annäherung von offiziellem und parallelem Kurs signalisiert aus ihrer Sicht eine gewisse Stabilisierung, die kurzfristige Planungssicherheit bietet. Allerdings zeigt der Dollar CCL, der für Kapitaltransfers ins Ausland genutzt wird, ein anderes Bild: Mit 1477,70 Pesos liegt er noch immer deutlich über den beiden anderen Kursen. Im Vergleich zum Vorjahr ist der CCL um 23 Prozent gestiegen, was auf anhaltende Abflüsse und begrenzte Devisenreserven hindeutet.
Die Differenz zum blauen Dollar beträgt rund 57 Pesos, also knapp vier Prozent. Aus makroökonomischer Sicht bleibt die Lage angespannt: Die Inflation ist trotz eines leichten Rückgangs hoch, und die Reserven der Zentralbank sind dünn. Analysten erwarten in den kommenden Monaten eine allmähliche, aber ungleichmäßige Konvergenz der Kurse, sollten die Reformen der Regierung anhalten und die Lohnverhandlungen nicht erneut die Preisspirale antreiben.
Für deutschsprachige Investoren bedeutet dies, dass Argentinien weiterhin ein Markt mit hohem Renditepotenzial, aber auch erheblichem Währungsrisiko bleibt – die große Koexistenz von offiziellem und informellem Markt wird wohl noch länger bestehen.
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