
Afrika und Mexiko stützen Infantino – UEFA hält an Boykottdrohung fest
Nach dem gescheiterten Privatisierungsvorstoß für die WM zeigt sich die Fußballwelt tief gespalten: Während Europa und Teile Amerikas den FIFA-Präsidenten attackieren, formiert sich eine Allianz der Unterstützer.
Gianni Infantino hat in der schwersten Krise seiner Amtszeit eine überraschend stabile Unterstützerbasis behauptet. Die afrikanische Konföderation CAF, der mexikanische Verband und Argentinien stellten sich in den vergangenen Tagen demonstrativ hinter den FIFA-Präsidenten, während die UEFA und mehrere europäische Nationen ihre Opposition verschärften und mit einem Boykott von Weltmeisterschaften drohen. Die Spaltung der globalen Fußballgemeinschaft ist damit wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl im März 2027 zementiert.
Auslöser der Kontroverse war der Ende Juli bekannt gewordene Plan, über die neu zu gründende Tochtergesellschaft FIFA Forward Enterprise Anteile an künftigen WM-Einnahmen an private Investoren zu verkaufen. Das Vorhaben, das unter anderem mit der Bank JP Morgan und der Firma Thrive Eternal aus dem Umfeld der Kushner-Familie vorangetrieben wurde, stieß auf breite Ablehnung. Nationale Verbände beklagten, vom Entscheidungsprozess ausgeschlossen worden zu sein. Infantino zog den Vorstoß zurück und entschuldigte sich in einer gemeinsamen Erklärung mit Generalsekretär Mattias Grafström. Die FIFA räumte Fehler in der Kommunikation und im Verfahren ein, betonte jedoch, alle Schritte hätten den eigenen Regularien entsprochen.
Die Reaktionen folgen weitgehend kontinentalen Linien. Die UEFA, die 55 europäische Mitgliedsverbände vertritt, erklärte das Vertrauen in Infantino für verloren und knüpft eine Rückkehr zur Zusammenarbeit an zwei Bedingungen: den vollständigen Rückzug des Privatisierungsplans und Garantien, dass derartige Versuche, das Spiel zu „entstellen“, nie wieder unternommen werden. Beides sei nicht erfüllt, so der Verband. Auch der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF forderte eine umfassende Aufarbeitung der Vorgänge. Mehrere europäische Nationen – darunter England, Wales, Schweden, Kroatien und Serbien – zogen ihre Unterstützung für eine Wiederwahl Infantinos offiziell zurück. Die Spielergewerkschaft FIFPRO sprach von einem „tiefgreifenden Missbrauch präsidialer Macht“.
Dem steht ein Block von Unterstützern gegenüber, der Infantino das politische Überleben sichert. Die afrikanische Konföderation CAF mit ihren 54 Mitgliedern – mehr als ein Viertel aller FIFA-Stimmen – bekräftigte einstimmig ihr Vertrauen. CAF-Präsident Patrice Motsepe dankte Infantino für dessen langjähriges Engagement für den afrikanischen Fußball und betonte, die Einhaltung von Governance und Transparenz sei unverhandelbar. Mexiko, einer der Co-Gastgeber der WM 2026, scherte aus der kritischen Linie der CONCACAF aus und erklärte, man werde keinen Prozess außerhalb der institutionellen Rahmenordnung anerkennen. Auch der argentinische Verband AFA würdigte die Arbeit der FIFA in den vergangenen zehn Jahren und sprach sich trotz eingeräumter Fehler für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit unter Infantinos Führung aus.
Die Kontroverse überschattet die für März 2027 in Marokko angesetzte Wahl, bei der Infantino eine vierte Amtszeit anstrebt. Ein Gegenkandidat ist bislang nicht hervorgetreten; die Nominierungsfrist endet am 18. November. Die UEFA und ihre Verbündeten erwägen, den Druck durch fortgesetzte Boykotte und die Verweigerung der Mitarbeit in zentralen FIFA-Gremien zu erhöhen, um die Organisation „unregierbar“ zu machen. Ob dieser Konfrontationskurs die nötige Mehrheit für einen Machtwechsel mobilisieren kann, bleibt angesichts der geschlossenen Unterstützung aus Afrika und Teilen Amerikas offen.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.50 | critical |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | +0.60 | aligned |
| Subsaharisch-afrikanische Presse | +0.30 | aligned |
Europa fordert einen Wechsel in der FIFA-Führung und sieht Infantino als Bedrohung für Transparenz.
Indem Europa den Konflikt als rechtliches und ethisches Thema darstellt, positioniert es seine Opposition als universellen Standard und delegitimiert so Infantinos Unterstützung.
Erwähnt nicht die einstimmige Unterstützung der CAF für Infantino, was die Erzählung seiner Isolation untergräbt.
Lateinamerika verteidigt Infantinos Kontinuität und sieht in seiner Präsidentschaft eine Garantie für die globale Entwicklung des Fußballs.
Indem Lateinamerika seine eigene positive Führungserfahrung auf die FIFA projiziert, reproduziert es sein Vertrauen in den Führer und macht die Unterstützung zu einer Frage des institutionellen Respekts.
Afrika unterstützt Infantino als Vertreter einer globalen Mehrheit und stellt sich gegen europäische Kritik.
Indem Afrika die afrikanische und mexikanische Unterstützung universalisiert, präsentiert es seine Unterstützung als Beweis für einen weltweiten Willen und isoliert die europäische Opposition.
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