
Ayusos Mexiko-Reise spaltet die spanische Volkspartei – und entfacht einen Historikerstreit
Mit Äußerungen zur spanischen Kolonialgeschichte sorgt die Madrider Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso für Empörung in Mexiko und Unruhe im eigenen Lager.
Isabel Díaz Ayusos zehntägige Reise nach Mexiko hat die spanische Volkspartei (PP) in eine schwierige Lage gebracht. Ausgerechnet in der Schlussphase des andalusischen Wahlkampfs, in dem Parteichef Alberto Núñez Feijóo auf einen gemäßigten Kurs setzt, überschattet die als provokativ empfundene Mission der Madrider Regionalpräsidentin die Strategie der Partei. Feijóo hatte sich in den vergangenen Wochen bewusst von kulturellen Konflikten ferngehalten und stattdessen die psychische Gesundheit zum Thema gemacht. Nun sehen sich führende Barone des PP genötigt, die Dauer des Aufenthalts und die Art der Diskussion als „ungeheure Show, die Ayuso selbst entwerten wird“, zu kritisieren, wie aus Madrid verlautet.
Ayuso selbst hatte die Reise mit einer Verteidigung der spanischen Eroberung begründet. Ihre Äußerung, „Mexiko hat nicht existiert, bis die Spanier kamen“, ignorierte die präkolumbische Geschichte des Landes, das von Hochkulturen wie den Maya und Azteken geprägt war. Aus der Ferne forderte die konservative Politikerin die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum auf, die „Wahrheit über den Huei Tzompantli zu sagen“ – einen aztekischen Schädeltempel, der an der Adresse Guatemala 24 im historischen Zentrum von Mexiko-Stadt ausgegraben wurde. Sheinbaum nutzte die Debatte, um auf die lange Besiedlungsgeschichte ihres Landes hinzuweisen; mexikanische Historiker warfen Ayuso vor, koloniales Unrechtsbewusstsein zu verharmlosen.
Der Skandal um die Reise setzte sich auch nach Ayusos Rückkehr fort. Bei den Feierlichkeiten zu San Isidro, dem Schutzpatron Madrids, zog die Opposition über die Regionalpräsidentin her. Die Madrider Gesundheitsministerin Mónica García (Más Madrid) spottete, man habe „das Gefühl, sie sei eher in Cancún als in Madrid“ – eine Anspielung auf den vorzeitigen Abbruch der Reise, den Ayusos Team mit angeblichem politischen Druck rechtfertigte. Die mediale Dauerschleife aus Kulturkampf und Reiseaffäre macht Feijóos Mitte-rechts-Kurs zunehmend schwerer.
Aus strategischer Perspektive droht der Vorfall die innerparteiliche Geschlossenheit des PP zu gefährden. Während Ayuso mit ihrer Basis in Madrid auf eine konservative Wählerschaft setzt, die eine klare Kante gegen linke und indigenistische Narrative erwartet, bemüht sich Feijóo um eine breitere Anschlussfähigkeit. Beobachter in Madrid erwarten, dass die Regionalpräsidentin diese Rolle trotz der Querelen beibehalten wird – doch das Risiko, dass solche Alleingänge den Wahlkampf des Parteichefs torpedieren, ist größer geworden. Die Beziehung zwischen Feijóo und Ayuso dürfte sich nach dieser Episode spürbar abkühlen.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.50 | critical |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | −0.80 | critical |
Die Mexiko-Reise wird als politischer Fehltritt dargestellt, der die Volkspartei gespalten hat, wobei viele interne Stimmen die zehntägige Reise als unhaltbar und nur für Ayusos persönliche Show bezeichnen. Die Opposition spottet über ihre Abwesenheit bei lokalen Festen und stellt ihre Vorliebe für Cancún den Madrider Traditionen gegenüber. Die Berichterstattung konzentriert sich auf die unmittelbaren Wahlauswirkungen und interne Unzufriedenheit.
Ayusos Behauptung, dass 'Mexiko nicht existierte, bis die Spanier kamen', wird scharf verurteilt als Leugnung fortgeschrittener präkolumbischer Zivilisationen wie der Maya und Azteken. Ihr wird vorgeworfen, koloniale Narrative wiederzubeleben, indem sie von der mexikanischen Präsidentin verlangt, archäologische Geheimnisse unter einer Straße in Mexiko-Stadt preiszugeben. Die Berichterstattung stellt dies als einen Historikerstreit dar, der in revanchistischer Rhetorik verwurzelt ist und die Grundlagen der mexikanischen Identität angreift.
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