
Libanesischer Präsident fordert US-Druck auf Israel vor dritter Verhandlungsrunde
Kurz vor der dritten Verhandlungsrunde in Washington appelliert Joseph Aoun an die USA, Israel zu einem sofortigen Stopp seiner Militäroperationen zu bewegen.
Kurz vor der dritten Gesprächsrunde zwischen Libanon und Israel in Washington hat der libanesische Präsident Joseph Aoun den amerikanischen Botschafter Michel Issa empfangen und dabei nachdrücklich gefordert, die USA müssten auf Israel einwirken, um die anhaltenden Kampfhandlungen im Süden des Landes zu beenden. Aus Beiruter Sicht ist der Zeitpunkt für diesen Vorstoß bewusst gewählt: Am Donnerstag und Freitag sollen in der amerikanischen Hauptstadt die Verhandlungen zwischen den beiden Nachbarstaaten fortgesetzt werden, die als der bedeutendste diplomatische Kontakt seit Jahrzehnten gelten. Aoun, der erst im März eine Friedensinitiative lanciert hatte, verlangt nicht nur eine vollständige Waffenruhe, sondern auch ein Ende der Zerstörung von Wohnhäusern und der militärischen Operationen, die das israelische Militär nach libanesischen Angaben immer wieder auch gegen zivile Ziele führt.
Die Dringlichkeit der Botschaft aus Beirut unterstreichen die jüngsten Ereignisse im Grenzgebiet. Erst am Montag meldeten örtliche Korrespondenten einen israelischen Drohnenangriff auf ein Fahrzeug in der südlibanesischen Ortschaft Haris, bei dem ein Mensch aus der nordlibanesischen Region Akkar getötet und sein Bruder verletzt wurde. Zudem wurde ein Rettungsteam der Gesundheitsbehörde im Dorf Tul beschossen, während es nach einem Luftangriff Hilfe leistete. Solche Vorfälle, so die libanesische Führung, machten deutlich, dass die bisherigen amerikanisch vermittelten Vereinbarungen nicht eingehalten würden. Aus Washingtoner Perspektive hingegen sind die Gespräche ein wichtiges Instrument, um eine weitere Eskalation an der israelisch-libanesischen Grenze zu verhindern. Die amerikanische Regierung hat die Runde für diese Woche bestätigt und betont die Bereitschaft, beide Seiten an den Verhandlungstisch zu bringen. Dass der libanesischen Delegation in Washington erstmals auch Vertreter des Militärs und der ehemalige Botschafter Simon Karam angehören, werten Beobachter als Zeichen für eine Professionalisierung der Verhandlungen.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz ist die Entwicklung am östlichen Mittelmeer von unmittelbarem Interesse. Ein erneuter Krieg zwischen Israel und der Hisbollah würde nicht nur eine neue Flüchtlingswelle nach Europa auslösen, sondern auch die ohnehin fragilen politischen Verhältnisse im Libanon vollends destabilisieren. Deutsche Diplomaten in New York verfolgen die Lage aufmerksam, da die Bundesrepublik an der UNIFIL-Mission im Südlibanon beteiligt ist. Die kommenden Tage in Washington werden zeigen, ob die amerikanische Vermittlung tatsächlich substanzielle Fortschritte erzielen kann oder ob die Kluft zwischen den Positionen – hier die Forderung nach einem sofortigen Waffenstillstand, dort das Beharren auf militärischer Handlungsfreiheit – unüberbrückbar bleibt. Aoun hat seine Karten auf den Tisch gelegt; ob die USA sie nutzen, um Druck auf Israel auszuüben, ist die entscheidende Frage.
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