
Bewaffnete Maskierte stürmen Bürogebäude mit Redaktion der „Moskowski Komsomolez“ – Ziel war offenbar eine Firma mit Putin-Nähe
Maskierte Männer mit Vorschlaghämmern drangen in ein Moskauer Bürohaus ein. Die Redaktion der regierungsnahen Zeitung „MK“ ist betroffen, die Eindringlinge suchten aber eine andere Firma auf.
Am Dienstag drangen neun maskierte Männer in das Bürogebäude der Moskauer Zeitung „Moskowski Komsomolez“ (MK) ein. Bewaffnet mit Vorschlaghämmern und Schusswaffen überwältigten sie die Sicherheitskräfte im Erdgeschoss, weigerten sich, Ausweise vorzuzeigen, und drohten, Türen und Drehkreuze zu zertrümmern. Anschließend verschanzten sie sich im Fahrstuhlvorraum des dritten Stocks und verweigerten der herbeigerufenen Polizei den Zutritt. MK-Chefredakteur Pawel Gussew bezeichnete die Lage als „seltsam und unverständlich“; die Behörden hätten die Journalisten nicht informiert.
Die Eindringlinge suchten nicht die Redaktion selbst, sondern die Büros der „ANO Konsortium Medizintechnik“, einer auf dem dritten Stock ansässigen Organisation. Nach Recherchen des Nachrichtenportals Meduza arbeitete diese Firma im Jahr 2025 mit Strukturen zusammen, die der Tochter von Präsident Wladimir Putin nahestehen. Weder die Polizei noch der Inlandsgeheimdienst FSB bestätigten, dass es sich um eine offizielle Aktion handelte. Die Sicherheitskräfte vor Ort äußerten sich nicht zu ihrem Auftrag; MK-Journalisten wurde geraten, sich an die Polizei, das Untersuchungskomitee oder den FSB zu wenden – doch alle zuständigen Stellen dementierten eine Beteiligung.
Aus Moskauer Sicht bleibt der Vorfall rätselhaft: Während die regierungsnahe MK sonst durchaus Zugang zu offiziellen Informationen hat, tappen Redaktion und Öffentlichkeit hier im Dunkeln. Westliche Beobachter – etwa die Moscow Times – heben hervor, dass die Maskierten mit Vorschlaghämmern und Schusswaffen agierten, was auf paramilitärische Methoden hindeutet. Für das deutschsprachige Publikum wirft der Vorgang Fragen nach der Rechtsstaatlichkeit in Russland auf: Selbst ein regierungsnahes Medium kann nicht verhindern, dass sein Gebäude von Bewaffneten gestürmt wird, ohne dass staatliche Stellen Rechenschaft ablegen.
Die Zukunft des Falles bleibt ungewiss. Weder die betroffene Firma noch die Behörden haben die Hintergründe offengelegt. Möglich ist eine wirtschaftliche Auseinandersetzung oder eine verdeckte Repressionsmaßnahme gegen Personen mit Putin-Nähe. Fest steht, dass die intransparente Machtausübung in Russland auch vor den Toren loyaler Medien nicht Halt macht. Die Redaktion von MK hat angekündigt, rechtliche Schritte zu prüfen, doch ob sie Aufklärung erhält, ist zweifelhaft.
| Russische & GUS-Presse | −0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.40 | critical |
Russian press reports focus on the confusion and lack of clarity surrounding the masked intruders who stormed the building housing Moskovsky Komsomolets. They emphasize that the target was a third-party company on the third floor, not the newspaper itself, and note that security forces arrived but the intruders remained locked inside the elevator lobby. The tone is factual but conveys a sense of alarming uncertainty.
Continental European media frame the incident with an emphasis on the pro-Kremlin stance of the targeted tabloid and the unprecedented nature of the raid. They highlight the weapons and masks, and suggest possible political motives or intimidation. The reporting combines factual details with implicit criticism of the Kremlin's handling of such events, pointing to a broader context of press freedom concerns.
Erweitere deinen Horizont
US-Senat verabschiedet Sanktionspaket mit Zolldrohung gegen Russland-Energiekäufer
2 Sprachen · 40 Quellen
Aus Economy & MarketsSteigende Kreditvorsorgen belasten Bankbilanzen in Schwellenländern
2 Sprachen · 6 Quellen
Aus TechnologyMoskau will SMS-Autorisierung für Kinder nur mit elterlicher Zustimmung sperren
1 Sprache · 13 Quellen