
Proteste gegen Bezos, Bollywood-Hochzeit und Ambanis Modestatement: Die Met Gala 2026 im Spannungsfeld
Die diesjährige Met Gala, die am 4. Mai im Metropolitan Museum of Art in New York stattfindet, ist noch vor dem ersten roten Teppich von Kontroversen überschattet. Im Zentrum der Kritik steht der Amazon-Gründer Jeff Bezos, der gemeinsam mit seiner Frau Lauren Sánchez als Ehrenvorsitzender und Hauptsponsor des Modeevents fungiert.
Aus New Yorker und Washingtoner Sicht haben Aktivisten eine Plakatkampagne gestartet, die zum Boykott aufruft. Die Bilder zeigen unter anderem eine Urinflasche auf einem roten Teppich als Anspielung auf Berichte über fehlende Toilettenpausen für Amazon-Fahrer. Dies geschieht in einer Zeit, in der die Met Gala ohnehin als Symbol für Exklusivität und Macht gilt – eine Bühne, die nun direkt mit den Arbeitsbedingungen eines Tech-Konzerns verknüpft wird.
Die Entscheidung von Anna Wintour, die das Event kuratiert, ist umso bemerkenswerter, als die „Vogue“-Chefin gleichzeitig als strenge Gatekeeperin des Promi-Universums bekannt ist. So bleibt etwa Herzogin Meghan, die einst als Stilikone gefeiert wurde, auch in diesem Jahr ohne Einladung – ein Zeichen ihres schwindenden Einflusses in Hollywood, wie Beobachter in London und Berlin konstatieren. Aus deutscher und schweizerischer Perspektive mag die Met Gala zwar fern wirken, doch die Modewelt ist global vernetzt: Die Bekanntgabe, dass Beyoncé nach einem Jahrzehnt als Co-Gastgeberin zurückkehrt, unterstreicht die strategische Bedeutung des Anlasses.
Zugleich sorgt in Indien eine andere New Yorker Inszenierung für Aufsehen. Das indischstämmige Paar Pankti Doshi und Avish Jain hatte mit einer Bollywood-Hochzeitsprozession auf der Fifth Avenue den Verkehr lahmgelegt. Die seltenen Genehmigungen und die prächtige Baraat-Zeremonie, die auf sozialen Medien viral ging, zeigen, wie kulturelle Traditionen den urbanen Raum erobern – ein Kontrast zur streng reglementierten Met Gala.
Auch Isha Ambani, die Tochter des indischen Milliardärs Mukesh Ambani, nutzte das Pre-Party-Wochenende als Plattform. Ihr Kleid, ein handgefertigtes Bandage-Dress von Manish Malhotra und Swadesh, trug 26 Stickereiborten, die die Grenzen Indiens abbildeten. Es war ein politisches Modestatement, das die indische Handwerkskunst in den Mittelpunkt rückte, während die Kritik an Bezos’ globaler Wirtschaftsmacht lauter wird.
Die Met Gala 2026 mit dem Thema „Costume Art“ verspricht also nicht nur glamouröse Roben, sondern auch eine Projektionsfläche für gesellschaftliche Konflikte. Wie sich die Boykottaufrufe auf die Spendeneinnahmen für das Costume Institute auswirken, wird im Nachgang zu beobachten sein – ebenso wie die Frage, ob die Modewelt ihre Abhängigkeit von Tech-Milliardären neu zu justieren beginnt.
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