
Blockade ohne Ende: Trumps Iran-Strategie und die globale Ölpreis-Spirale
Die Aussicht auf ein rasches Ende des Nahost-Konflikts schwindet. US-Präsident Donald Trump hat seine Berater angewiesen, sich auf eine langfristige Seeblockade gegen Iran einzustellen, wie das Wall Street Journal unter Berufung auf Regierungskreise berichtet. In den Abwägungen des Weißen Hauses gilt das Andauern der wirtschaftlichen Strangulierung Irans als das geringere Übel gegenüber einer Wiederaufnahme der Bombardierungen oder einem vollständigen Rückzug aus der Region. Die Konsequenz dieser Entscheidung lässt sich unmittelbar an den Rohstoffmärkten ablesen: Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent durchbrach am Mittwoch die Marke von 114 Dollar und notiert damit rund 60 Prozent höher als zu Beginn der Kampfhandlungen Ende Februar. Zeitweise wurden Preise nahe 115 Dollar erreicht – ein Niveau, das zuletzt vor Jahrzehnten in Krisenzeiten gemessen wurde.
Die geopolitische Verwerfung beschränkt sich indes nicht auf den Persischen Golf. Aus Abu Dhabi kam die Nachricht, dass die Vereinigten Arabischen Emirate zum 1. Mai aus der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) austreten werden. Der Schritt, Resultat jahrelanger Spannungen mit Saudi-Arabien über Förderquoten, beraubt das Kartell eines seiner gewichtigsten Mitglieder und illustriert, wie tief der Krieg die traditionellen Allianzen in der Region zerrüttet. Während Riad härtere Maßnahmen gegen Teheran befürwortet, sieht sich das Emirat, auf dessen Boden sich eine bedeutende amerikanische Militärbasis befindet, zunehmend zwischen den Fronten. Beobachter in Peking und Neu-Delhi registrieren diese Entwicklung mit wachsender Sorge, da eine Entkopplung der Golfstaaten von der OPEC-Disziplin die ohnehin extreme Preisvolatilität weiter befeuert.
Für Europa, insbesondere für Deutschland, Österreich und die Schweiz, summieren sich die Kosten der Energieimporte unterdessen zu einer schleichenden wirtschaftlichen Belastung. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezifferte die täglichen Mehrkosten allein für fossile Brennstoffe auf annähernd 500 Millionen Euro. In den ersten sechzig Tagen des Konflikts habe sich die Importrechnung um mehr als 27 Milliarden Euro erhöht. In Berlin registriert man zudem mit Irritation, dass Trump Bundeskanzler Friedrich Merz offen attackierte und ihm vorwarf, eine nukleare Bewaffnung Irans zu billigen – eine Unterstellung, die in Regierungskreisen als unverantwortlich zurückgewiesen wurde.
Die diplomatische Pattsituation bleibt währenddessen zementiert. Aus Washingtoner Sicht ist der jüngste, über Pakistan übermittelte iranische Vorschlag unzureichend. Teheran hatte angeboten, die Blockade der für den Welthandel essenziellen Straße von Hormuz aufzuheben, sofern die USA ihrerseits die Belagerung der iranischen Häfen beendeten – und verlangte zugleich, die Frage des Atomprogramms auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Trump quittierte dies auf seiner Plattform Truth Social mit der Drohung, die Zeit des Entgegenkommens sei vorbei, und setzte ein KI-generiertes Bild dazu, das ihn mit automatischer Waffe vor explodierenden Nuklearanlagen zeigt. Aus Teheraner Perspektive wiederum wird betont, Washington könne keiner souveränen Nation mehr einseitig Bedingungen diktieren; die Armeeführung spricht von einer möglichen „beispiellosen Antwort" auf die amerikanische Piraterie.
Die Märkte stellen sich zunehmend auf ein prolongiertes Patt ein, das Beobachter in Katar bereits als drohenden „eingefrorenen Konflikt" beschreiben. Experten wie Gregory Brew vom Eurasia-Gremium weisen darauf hin, dass das iranische Regime aufgrund seiner hohen Leidensfähigkeit gegenüber wirtschaftlichem Druck die Blockade noch über Monate durchhalten könnte. Die US-Administration wiederum setzt darauf, dass der finanzielle Kollaps Teherans – das Regime soll laut Trump bereits einen Zustand der Auflösung eingeräumt haben – schneller eintritt als die eigene innenpolitische Toleranz gegenüber dauerhaft hohen Energiepreisen. Gerade in den USA, wo die Zustimmungswerte des Präsidenten unter dem Konflikt leiden und die Republikaner mit Sorge auf die Zwischenwahlen blicken, ist dieser Wettlauf gegen die Zeit ein Vabanquespiel mit offenem Ausgang.
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