
Offenes Rennen um die Goldene Palme: Cannes-Festival endet mit ersten Preisen
Zwei Nachwuchsdarsteller teilen sich den Schauspielpreis, Barbra Streisand erhält die Ehrenpalme. Der Hauptpreis könnte ein politisches Signal senden – das Feld ist ungewöhnlich breit.
Die 79. Ausgabe der Filmfestspiele von Cannes neigt sich an diesem Samstagabend ihrem Höhepunkt zu. Im Grand Théâtre Lumière kehrte Eye Haïdara als Gastgeberin zurück, um die Preisträger zu verkünden. Noch bevor die Goldene Palme verliehen wurde, standen zwei Entscheidungen fest: Die Jury unter Vorsitz des südkoreanischen Regisseurs Park Chan-wook zeichnete die Schauspieler Emmanuel Macchia und Valentin Campagne für ihre Rollen in Lukas Dhonts „Coward“ gemeinsam mit dem Darstellerpreis aus. Zudem erhielt Barbra Streisand, die wegen einer Verletzung nicht anreisen konnte, die Ehrenpalme; Isabelle Huppert würdigte das Lebenswerk der Amerikanerin, die per Videobotschaft zugeschaltet war.
Der Wettbewerb um die Goldene Palme gilt unterdessen als so offen wie selten zuvor. Hollywood glänzte in diesem Jahr weitgehend durch Abwesenheit, und viele der 22 Wettbewerbsbeiträge vermochten die Kritik international nicht durchweg zu überzeugen. Die üblicherweise von Cannes ausgehende weltweite Aufmerksamkeit blieb verhalten. So hat die neunköpfige Jury, der neben Präsident Park Chan-wook auch Demi Moore, Chloé Zhao und Stellan Skarsgård angehören, breiten Spielraum für Überraschungen.
Aus Pariser Sicht legte sich die Filmkritik von Le Figaro auf einen eigenen Favoriten fest: James Grays Mafia-Drama „Paper Tiger“, ein Werk über zwei zerstrittene Brüder im New York der achtziger Jahre, das zu Grays besten Filmen gezählt wird. Doch selbst die Zeitung räumt ein, der Regisseur werde bei seiner sechsten Teilnahme wohl erneut leer ausgehen. Besondere Beachtung findet Andrej Zwiagintsew, dessen Antikriegsfilm „Minotaurus“ die Kritiker begeisterte. Den russischen Exilregisseur könnte die Jury mit einer Auszeichnung ins Zentrum einer politischen Botschaft rücken – aus Moskauer Perspektive käme dies einem gezielten Affront gleich.
Die Vergabe in Cannes ist weit mehr als eine cineastische Rangliste; sie katapultiert den Gewinner auf die internationale Bühne und prägt die kulturelle Agenda. Unabhängig vom Ausgang zeigt der diesjährige Jahrgang, dass das Festival ohne die Strahlkraft großer Hollywood-Produktionen auskommen musste. Für die Zukunft stellt sich die Frage, ob sich die amerikanische Filmindustrie dauerhaft von der Croisette abwendet oder ob Cannes mit einer mutigen Selektion neue Anziehungskraft gewinnt. Die Antwort wird auch in den deutschsprachigen Metropolen mit Interesse verfolgt, denn das europäische Arthousekino profitiert von Impulsen, die ein lebendiges Cannes weltweit zu setzen vermag.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Arabische Golfpresse | −0.50 | critical |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.40 | critical |
The 2026 Cannes edition ends with an unusually subdued atmosphere and an uncertain verdict. The French press highlights the lack of a clear frontrunner and does not spare sharp critiques, mixing praise with cutting judgments on the competing films. The mood is one of anticipation mixed with skepticism, feeling that this year lacks the usual excitement.
The Cannes festival wraps up with an open race for the Palme d'Or, but the edition has been disappointing according to Gulf media. Hollywood was largely absent and many films failed to impress critics, generating a lack of global buzz. The event is portrayed as lacking a clear frontrunner and having few memorable moments.
The Atlantic press describes Cannes 2026 as a year of disappointments, with film quality generally below expectations. Critics, while acknowledging a few noteworthy titles, emphasize a prevalence of mediocre works and a lack of excitement. The edition is seen as a lackluster pause, with few films likely to make a mark in the awards season.
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