
Chinas Vier-Punkte-Plan für den Nahen Osten: Irans Außenminister wirbt in Peking um Vermittlung
Teheran vertraut auf Peking als Vermittler im Konflikt mit Washington. China drängt auf Öffnung der Straße von Hormus – nur Tage vor Trumps Besuch.
Nur eine Woche vor dem geplanten Besuch von US-Präsident Donald Trump in Peking hat der iranische Außenminister Abbas Araghtschi die chinesische Hauptstadt besucht und damit einmal mehr die strategische Achse zwischen Teheran und Peking in den Mittelpunkt gerückt. Das Treffen mit seinem Amtskollegen Wang Yi war das erste hochrangige Gespräch beider Länder seit dem Ausbruch des Krieges zwischen den USA und Israel auf der einen und Iran auf der anderen Seite. Araghtschi bedankte sich für einen von China vorgelegten Vier-Punkte-Plan zur Wahrung des regionalen Friedens und bekräftigte das Vertrauen Irans in die Rolle Pekings als ehrlichen Makler. Zugleich betonte er, Teheran sei bereit, einen neuen regionalen Rahmen für die Nachkriegszeit zu unterstützen, der Entwicklung und Sicherheit in Einklang bringe.
Aus Teheraner Sicht ist die Reise Teil einer diplomatischen Offensive, die zeigen soll, dass Iran trotz massiven militärischen Drucks verhandlungsbereit bleibt – solange die eigene Souveränität nicht angetastet wird. Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA zitierte Araghtschi mit den Worten, die Zusammenarbeit mit China werde „stärker denn je“ sein. Zugleich telefonierte er mit seinem saudischen Kollegen Prinz Faisal bin Farhan, ein Signal, dass Teheran auch den arabischen Nachbarn nicht aus dem Blick verliert. Aus Pekinger Perspektive hingegen steht nicht allein die Iran-Politik im Vordergrund. Wang Yi forderte unmissverständlich die baldige Wiederöffnung der Straße von Hormus – jener Meerenge, deren Blockade durch Iran die globalen Energieflüsse empfindlich stört. China, das selbst der größte Abnehmer iranischen Öls ist, hat ein vitales Interesse an stabilen Lieferketten.
In Washington verfolgt man die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Zwar hatte Trump selbst angedeutet, dass Peking helfen könne, Iran an den Verhandlungstisch zu bringen, doch Analysten warnen davor, dass China seine Position nutzen könnte, um eigene geopolitische Vorteile zu sichern, ohne wirklich Druck auf Teheran auszuüben. Die Blockade der Straße von Hormus trifft nicht nur die USA, sondern auch Europa: Für Deutschland, Österreich und die Schweiz bleibt der Seeweg durch den Persischen Golf die Lebensader für Rohölimporte. Sollte sich die Krise weiter zuspitzen, drohen nicht nur höhere Energiepreise, sondern auch neue Belastungen für die industrielle Basis im deutschsprachigen Raum.
Beobachter in Peking sehen die Gespräche als Teil eines größeren Kalküls. Xi Jinping wird Trump in wenigen Tagen empfangen, und der Iran-Konflikt dürfte dabei auf der Tagesordnung stehen. China mag sich als Brückenbauer präsentieren, doch es balanciert auf einem schmalen Grat: Zu viel Druck auf Iran könnte den eigenen Ölzugang gefährden, zu viel Nachgiebigkeit würde Washington provozieren. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Vier-Punkte-Plan mehr ist als eine diplomatische Geste – und ob Peking tatsächlich eine neue Ordnung im Nahen Osten mitgestalten kann, die nicht nur den Großmächten, sondern auch den direkten Nachbarn und den von Energieabhängigkeit geprägten Volkswirtschaften Europas zugutekommt.
Erweitere deinen Horizont
Washington entzieht brasilianischer Botschafterin das Visum
3 Sprachen · 43 Quellen
Aus Economy & MarketsSteigende Kreditvorsorgen belasten Bankbilanzen in Schwellenländern
2 Sprachen · 6 Quellen
Aus TechnologyWeißes Haus schließt offene KI-Modelle von Sicherheitstests aus
3 Sprachen · 11 Quellen