
Delhi Gymkhana Club zieht gegen Räumungsbefehl vor Gericht
Der elitäre Klub wehrt sich juristisch gegen die Anordnung der indischen Regierung, das 11 Hektar große Grundstück bis zum 5. Juni zu räumen. Der Streit berührt Fragen von Privileg, öffentlichem Raum und politischer Einflussnahme.
In der indischen Hauptstadt entfaltet sich ein Konflikt, der weit über einen simplen Grundstücksstreit hinausweist. Der Delhi Gymkhana Club, seit 113 Jahren Inbegriff einer exklusiven, von kolonialen Strukturen geprägten Elitegesellschaft, hat am Montag beim Obersten Gericht Delhis eine einstweilige Verfügung gegen die Räumungsaufforderung der Zentralregierung beantragt. Die Anhörung wurde noch für den darauffolgenden Dienstag anberaumt, nachdem der prominente Anwalt Abhishek Manu Singhvi die Dringlichkeit der Sache vorgetragen hatte. Das Ministerium für Wohnungsbau und Stadtentwicklung verlangt die Übergabe des 11 Hektar großen Areals an der Safdarjung Road, unweit des Amtssitzes des Premierministers, mit der Begründung, das Gelände werde für die „Stärkung und Sicherung der Verteidigungsinfrastruktur“ benötigt.
Aus Washingtoner Sicht mag der Streit an altbekannte Debatten über die Nutzung öffentlicher Flächen durch private Vereine erinnern, doch die indische Dimension ist ungleich brisanter. Der Delhi Gymkhana Club ist kein gewöhnlicher Sport- oder Gesellschaftsverein. Hinter seinen gepflegten Rasenflächen und der kolonialen Architektur verdichtete sich über Jahrzehnte ein Netzwerk aus hohen Beamten, Generälen, Diplomaten, Politikern und Industriellen. Kritiker, darunter auch Gerichte, haben das Mitgliedersystem als „Apartheid“ bezeichnet und moniert, dass der Klub faktisch wie ein privates Kartell auf öffentlichem Grund agiere. Die indische Regierung beruft sich nun auf eine Klausel des Pachtvertrags, die eine Rücknahme des Landes für öffentliche Zwecke erlaubt. Doch die Opposition wittert politische Motive. Der Kongresspolitiker Rashid Alvi unterstellte, der Schritt hänge mit der Mitgliedschaft Rahul Gandhis im Klub zusammen und richte sich gezielt gegen eine Institution, die nicht hinreichend regierungsnahe Persönlichkeiten aufgenommen habe.
Beobachter in Peking, wo die staatliche Kontrolle über Vereinigungen selbstverständlich ist, werden in dem Vorgehen eine konsequente Durchsetzung öffentlicher Interessen erkennen. In europäischen Hauptstädten hingegen – man denke an Berlin, Wien oder Zürich – steht der Fall sinnbildlich für den schwierigen Umgang mit historischen Privilegien und elitären Räumen, die sich der demokratischen Legitimation entziehen. In Deutschland etwa wird die Verteilung öffentlichen Raums, sei es für Clubs, Stiftungen oder Sportflächen, stets sensibel und unter Transparenzansprüchen verhandelt. Dass auf einem staatsnahen Gelände eine erbliche Zugangsordnung herrschte, die selbst verdienstvollste Außenseiter ausschloss, wäre hier kaum vorstellbar.
Für die kommenden Tage ist eine grundsätzliche gerichtliche Auseinandersetzung zu erwarten. Der Klub argumentiert, eine Räumung treffe Tausende von Mitgliedern und Angestellten und verlangt ersatzweise Zuteilung eines alternativen Grundstücks. Die Regierung hingegen betont die strategische Lage in einem hochsensiblen Sicherheitsbereich. Die Entscheidung des High Court wird nicht nur über die Zukunft eines der ältesten Klubs des Subkontinents bestimmen. Sie wird auch ein Signal senden, ob das moderne Indien bereit ist, das Erbe kolonialer Exklusivität zugunsten einer gerechteren Nutzung öffentlicher Ressourcen abzustreifen – oder ob der rechtliche Hebel lediglich für politische Ziele instrumentalisiert wird.
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