
Drei Flugzeugträger vor Iran – Amerikas historische Machtdemonstration am Indischen Ozean
Mit der Ankunft des atomgetriebenen Flugzeugträgers USS George H. W. Bush im Indischen Ozean hat das United States Central Command am Donnerstag eine maritime Streitmacht versammelt, wie sie die Region seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. Erstmals seit Langem operieren damit drei US-Flugzeugträger gleichzeitig in den Gewässern rund um die Arabische Halbinsel. Der Nimitz-Klasse-Träger, begleitet von den Zerstörern Mason, Donald Cook und Ross mit ihren weitreichenden Tomahawk-Marschflugkörpern, reiht sich ein in eine Kulisse, die bereits von der USS Gerald R. Ford im Roten Meer und der USS Abraham Lincoln im Arabischen Meer beherrscht wird. An Bord der drei Verbände befinden sich zusammengenommen über zweihundert Kampfflugzeuge und mehr als fünfzehntausend Soldaten – ein Arsenal, das nach den Worten amerikanischer Militärs jederzeit für Schläge bereitsteht, sollte das Weiße Haus den Befehl dazu geben.
Aus Washingtoner Sicht untermauert die Präsenz die Glaubwürdigkeit der von Präsident Donald Trump verkündeten Seeblockade, die er als „hundertprozentig wirksam“ bezeichnet. Die Botschaft an Teheran ist unmissverständlich: Die militärische Option bleibt auf dem Tisch, während die stockenden Verhandlungen über eine Wiederbelebung der Waffenruhe mit Drohungen gegen strategische Ziele hinterlegt werden. Das Pentagon arbeitet dem Vernehmen nach bereits an aktualisierten Operationsplänen. Moskauer Beobachter, etwa die Agentur Interfax, verweisen auf die beachtliche Schlagkraft der drei Trägerkampfgruppen, die es Washington erlaube, Iran gleichzeitig von mehreren Achsen aus unter Druck zu setzen und zugleich die für den Welthandel zentrale Passage durch die Straße von Hormus abzusichern.
In arabischen Hauptstädten registriert man die Verstärkung mit gemischten Gefühlen. Die libanesische Zeitung An-Nahar spricht von einer Verschärfung der maritimen Blockade und einer Zuführung Dutzender zusätzlicher Kampfflugzeuge in den Krieg gegen Iran, während Analysten in der Golfregion darauf verweisen, dass eine solche Konzentration auch das Eskalationsrisiko in den ohnehin fragilen Küstengewässern erhöht. Dass die USS George H. W. Bush nicht den direkten Weg durch das Bab el-Mandeb nahm, sondern Afrika weiträumig umrundete, illustriert dabei eine zweite Gefahrenlinie: Die Meerenge am Horn von Afrika gilt seit den Angriffen der Huthi-Milizen als zu riskant für amerikanische Großkampfschiffe.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz rücken damit gleich mehrere sicherheits- und wirtschaftspolitische Fragezeichen ins Blickfeld. Sollte die Konfrontation zwischen den USA und Iran eskalieren, wären Lieferketten durch den Suezkanal und den Persischen Golf unmittelbar bedroht, mit entsprechenden Folgen für Energiepreise und Exportindustrien. Die Europäer, die traditionell auf Diplomatie setzen, sehen sich in der Rolle des Zaungasts einer zunehmend militarisierten Krisenarchitektur. Die Bundesregierung dürfte den Aufmarsch mit Sorge verfolgen, birgt er doch die Gefahr, dass selbst ein lokaler Zwischenfall eine Kettenreaktion auslösen kann – und dass die diplomatischen Kanäle nach Teheran, die Berlin und Wien stets offenhalten wollten, unter dem Druck der neuen Kräfteverhältnisse weiter schrumpfen. So wird die größte amerikanische Marineoperation in der Region seit dem Irakkrieg nicht nur zur Machtdemonstration, sondern zu einem Prüfstein dafür, ob Abschreckung und Verhandlungsbereitschaft im Schatten von mehr als zweihundert Jagdbombern noch in ein Gleichgewicht zu bringen sind.
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