
Dreißig internationale Medien verlangen von Israel Zugang zum Gazastreifen
In einem beispiellosen Schritt haben die Chefredakteure und Direktoren von dreißig der weltweit bedeutendsten Nachrichtenorganisationen eine gemeinsame offene Rede an die israelische Regierung gerichtet. Sie fordern die sofortige Aufhebung der seit über 930 Tagen geltenden Sperre für ausländische Journalisten im Gazastreifen. Die Unterzeichnerliste liest sich wie ein Who’s who des globalen Journalismus – von der BBC über CNN, die New York Times und die Washington Post bis hin zu Le Monde, El País, der Guardian und den Nachrichtenagenturen Associated Press, Reuters und AFP.
In ihrem Schreiben, das am Donnerstag veröffentlicht wurde, argumentieren sie, dass die Beschränkungen weit über das in Konflikten übliche Maß hinausgingen: „In jedem Krieg gibt es Einschränkungen für die Berichterstattung. Aber die Lage in Gaza ist anders – es ist das erste Mal seit Jahrzehnten, dass ein ganzes Kriegsgebiet für unabhängige Journalisten komplett abgeriegelt wird.“ Die Blockade besteht fort, obwohl seit mehr als sechs Monaten eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas herrscht. Aus Jerusalemer Sicht rechtfertigt man die Maßnahme mit Sicherheitsbedenken; die Armee verweist auf ein Gesetz, das den Aufenthalt von Ausländern in feindlichen Gebieten regelt.
Doch für die internationalen Medienhäuser ist die Begründung nicht mehr tragfähig. Sie betonen, dass die Präsenz eigener Reporter vor Ort unabdingbar sei, um die offiziellen Darstellungen aller Seiten zu überprüfen, mit Zivilisten zu sprechen und aus eigener Anschauung zu berichten. Die Dringlichkeit dieser Forderung unterstreicht ein tragischer Vorfall im benachbarten Libanon.
Dort wurde die Journalistin Amal Khalil, die für das libanesische Blatt Al-Akhbar arbeitete, bei einem israelischen Luftangriff getötet. Die Libanesische Gesundheitsbehörde berichtet, dass Rettungskräfte durch Blendgranaten und Schüsse daran gehindert wurden, sie zu erreichen; die Kollegin Zeinab Faraj erlitt eine Kopfverletzung. Israel bestreitet, die beiden Frauen gezielt angegriffen zu haben, und prüft den Vorfall.
Für Beobachter in Washington und Paris ist Khalils Tod ein weiteres Zeichen für die Gefahr, der Medienschaffende in der Region ausgesetzt sind – sie war bereits die neunte im Libanon in diesem Jahr getötete Journalistin. Aus Sicht deutscher und österreichischer Medienvertreter, die sich bislang verhalten äußern, stellt sich die Frage, ob die Geschlossenheit der internationalen Presse den nötigen Druck auf die israelische Regierung ausüben kann. Die Allianz aus dreißig einflussreichen Häusern ist in ihrer Breite historisch.
Zwar hängt eine mögliche Öffnung des Gazastreifens auch von politischen Vereinbarungen und Sicherheitsgarantien ab, doch der Appell sendet ein starkes Signal: Die Berichterstattung aus dem Kriegsgebiet darf nicht länger allein von örtlichen Helfern und palästinensischen Reportern abhängig sein, die selbst unter unvorstellbarem Druck stehen. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Israel dem wachsenden internationalen Druck nachgibt oder ob der Zugang weiter verwehrt bleibt – mit unabsehbaren Folgen für die Glaubwürdigkeit der Kriegsberichterstattung.
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