
Fünfzigtausend Dollar für hundertvier Spiele: Fox Sports sucht den „Chief Fan“ der WM 2026
Fox Sports und Indeed suchen einen Zuschauer, der alle 104 WM-Spiele 2026 in New York verfolgt und dafür 50.000 Dollar erhält.
Der amerikanische Fernsehsender Fox Sports hat gemeinsam mit der Jobplattform Indeed eine außergewöhnliche Stellenausschreibung veröffentlicht. Gesucht wird ein „Chief Fan“ – ein leidenschaftlicher Fußballfan, der während der Weltmeisterschaft 2026 alle 104 Partien von einem gläsernen Kubus auf dem New Yorker Times Square aus verfolgt und dafür ein Honorar von 50.000 Dollar erhält. Die Stelle, die als „Traumjob“ beworben wird, soll den Zuschauer in den Mittelpunkt eines medialen Großereignisses rücken, das in seiner Dimension beispiellos ist.
Die Weltmeisterschaft wird erstmals mit 48 Mannschaften und in drei Ländern – den USA, Kanada und Mexiko – ausgetragen, vom 11. Juni bis zum 19. Juli 2026.
Aus amerikanischer Sicht handelt es sich um ein kalkuliertes marketingtechnisches Wagnis: Fox Sports will das Turnier nicht nur übertragen, sondern zum live erlebbaren Spektakel machen. Der ausgewählte Kandidat wird nicht nur passiv zuschauen; er muss jede Minute analysieren, in sozialen Netzwerken kommentieren und die Emotionen des Turniers in kurze Clips und Beiträge verwandeln, die rund um die Uhr auf den Bildschirmen des Times Square erscheinen. Die Bewerbungsfrist endet am 17.
Mai. Wer die Aufgabe erhält, wird von Juni bis Juli im Herzen Manhattans arbeiten – ein Job, der Einsamkeit und Dauerpräsenz in gleichem Maße verlangt, denn 104 Spiele bedeuten, über vierzig Tage hinweg nahezu ununterbrochen Fußball zu schauen. Robert Gottlieb, Marketingchef bei Fox Sports, beschreibt die Mission als „historische Personalentscheidung“ für ein historisches Turnier.
Aus europäischer, insbesondere deutschsprachiger Perspektive, mag diese Position wie eine Übertreibung des Influencer-Zeitalters erscheinen. Doch sie zeigt, wie sehr sich die Vermarktung von Sportgroßereignissen gewandelt hat: Der klassische Kommentator und der passive Zuschauer weichen einem hybriden Content-Produzenten, der die Partien in Echtzeit für digitale Plattformen aufbereitet. In Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo öffentlich-rechtliche Sender die WM traditionell nüchterner begleiten, stößt dieses Modell auf Skepsis, aber auch auf Neugier.
Es ist denkbar, dass ähnliche Konzepte künftig auch hierzulande erprobt werden, sobald die Rechte für die WM 2030 oder 2034 vergeben sind. Der Vorstoß von Fox Sports ist mehr als eine PR-Aktion. Er deutet auf eine Zukunft hin, in der die Grenze zwischen Publikum und Darsteller verschwimmt, in der das Erlebnis des Spiels vor allem durch seine Vermittlung im Sozialen definiert wird.
Die 50.000 Dollar sind dabei nicht allein Lohn, sondern auch Teil eines Versprechens: dass Fußball in der globalen Aufmerksamkeitsökonomie immer noch die stärkste Währung ist.
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