
Ebola im Kongo: WHO-Chef zeigt sich zuversichtlich – trotz Hürden und Reiseverboten
Trotz steigender Opferzahlen und instabiler Lage sieht WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus Chancen, die Epidemie zu stoppen. Er warnt vor Reisebeschränkungen.
In der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa landete am Donnerstag WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus mit einer klaren Botschaft: Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo könne gestoppt werden. Sein Besuch erfolgt inmitten einer sich verschärfenden Krise, die nach offiziellen Angaben bereits über 1000 Verdachtsfälle und mehr als 200 Todesopfer gefordert hat. Tedros wandte sich dabei ausdrücklich gegen Reisebeschränkungen, wie sie die USA und Kanada verhängt haben – solche Maßnahmen "helfen nicht viel" und könnten die Epidemie allenfalls um wenige Tage verzögern. Der WHO-Chef reiste noch am Freitag in die Provinz Ituri, das Epizentrum des Ausbruchs, wo die Lage besonders dramatisch ist.
Es ist bereits der siebzehnte Ebola-Ausbruch in dem zentralafrikanischen Riesenstaat, und das Virus hat mittlerweile drei Provinzen sowie das benachbarte Uganda erfasst. Die WHO hat gemeinsam mit der nationalen medizinischen Forschungsbehörde die diagnostischen Kapazitäten ausgeweitet, um Verdachtsfälle schneller zu identifizieren und die Laborvernetzung in Echtzeit zu verbessern. Doch parallel dazu warnen WHO-Vertreter vor Ort, dass Unsicherheit und Vertreibungen die Kontaktnachverfolgung stark behindern. Kongos Gesundheitsminister Roger Kamba wies in Bunia Darstellungen zurück, die Epidemie sei "außer Kontrolle"; revidierte Daten zeigten 906 Verdachtsfälle – weniger als zuvor gemeldet, nachdem Fehlzuweisungen bereinigt wurden.
Die internationale Dimension des Ausbruchs wird durch die gegensätzlichen Strategien deutlich: Während Washington und Ottawa auf Einreisesperren setzen, plädiert die WHO für eine Stärkung der Maßnahmen direkt im Epizentrum. Tedros warnte, solch einseitige Schritte brächten kaum Nutzen, könnten aber die betroffenen Länder stigmatisieren und Hilfslieferungen erschweren. In einem ungewöhnlichen Schritt veröffentlichte er zudem einen offenen Brief an die Bevölkerung des Kongo und an die kämpfenden Milizen in der Region. "Keine Sache, kein Konflikt, kein Groll ist es wert, unschuldige Menschen zum Tod durch eine vermeidbare Krankheit zu verurteilen", schrieb er und rief zu einer – und sei es zeitlich begrenzten – Waffenruhe auf.
Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Das Misstrauen in Teilen der Bevölkerung gegenüber den Gesundheitsbehörden, verschärft durch strikte Quarantäneauflagen, könnte die Eindämmung unterminieren. Ohne ein Mindestmaß an Sicherheit und lokaler Kooperation droht das Virus weiter um sich zu greifen. Die Weltgesundheitsorganisation steht vor einem Balanceakt: Sie muss auf Dringlichkeit pochen, zugleich aber Panikreaktionen vermeiden, die den Zugang zu den betroffenen Gemeinden eher erschweren als erleichtern.
| Indische & südasiatische Presse | −0.40 | critical |
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Der kongolesische Gesundheitsminister wies Behauptungen zurück, der Ebola-Ausbruch gerate außer Kontrolle, doch WHO-Vertreter warnen, dass Unsicherheit und Vertreibungen die Nachverfolgung der meisten Verdachtskontakte verhindern und die Bekämpfung stark behindern.
Die WHO hat sich gegen die von den USA und Kanada verhängten Reiseverbote ausgesprochen und erklärt, sie brächten keinen echten Nutzen und könnten die Ausbreitung nur um wenige Tage verzögern. Die Organisation betont, dass solche Beschränkungen nicht empfohlen werden und die Anstrengungen auf wirksame Eindämmungsmaßnahmen gerichtet sein sollten.
Der WHO-Chef richtete einen dringenden offenen Brief mit der Bitte um Waffenruhe und Zusammenarbeit der Gemeinschaften und warnte, dass der Ebola-Ausbruch äußerst ernst sei und die Feindseligkeit gegenüber Gesundheitsmaßnahmen die Bekämpfung gefährde. Er rief alle Parteien dazu auf, Konflikte beiseite zu legen, um Leben zu retten.
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