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Ausgabe von 06:00 CETMontag, 10. August 2026
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Mittwoch, 29. April 2026

Ein Geschäftsmann als Balancekünstler: Ali al-Zaidi soll Iraks neue Regierung führen

Irak hat nach monatelangem Ringen einen neuen Premierminister designiert: Der irakische Präsident Nizar Amedi beauftragte am Montag den Unternehmer Ali al-Zaidi mit der Regierungsbildung. Die Nominierung durch das schiitische Koordinationsbündnis, die größte Fraktion im Parlament, beendet eine über fünfmonatige institutionelle Lähmung nach den Wahlen vom November 2025. Sie ist jedoch mehr als ein verfassungsrechtlicher Formalakt – sie spiegelt die erzwungene Kompromisssuche in einem Land wider, das sich zwischen den Einflusszonen Washingtons und Teherans zerrieben sieht. Dass al-Zaidi als nahezu unbeschriebenes politisches Blatt ins Amt kommt, unterstreicht die defensive Strategie der irakischen Eliten, in einer Phase gefährlicher regionaler Eskalation nicht durch klare Parteinahme aufzufallen.

Der Weg zur Personalie al-Zaidi wurde frei, nachdem der frühere Langzeitpremier Nuri al-Maliki seine Kandidatur zurückgezogen hatte – auf massiven Druck der Vereinigten Staaten. Aus Washingtoner Sicht war al-Maliki als enger Verbündeter Teherans und Architekt einer konfessionell polarisierenden Politik untragbar. Beobachter in Washington verweisen auf deutliche Drohungen der Trump-Administration, die amerikanische Unterstützung für Bagdad – einschließlich Militärhilfe und Sanktionserleichterungen – drastisch zurückzufahren, sollte eine Person des iranischen Vertrauens an die Regierungsspitze treten. Die Demarche zeigte Wirkung: Die schiitische Koalition, die selbst stark von pro-iranischen Kräften durchsetzt ist, suchte eine Figur, die weder amerikanische noch iranische rote Linien überschreitet.

Ali al-Zaidi, ein etwa vierzigjähriger Geschäftsmann aus Nasiriyah im Süden des Landes, verkörpert diese Äquidistanz. Er verfügt über keine exekutive oder legislative Erfahrung, leitet aber ein Konglomerat aus Bank- und Medienunternehmen, darunter das Al-Janoob Islamic Bank und den Fernsehsender Dijlah TV. Gerade die Bank wird von einigen Quellen mit amerikanischen Sanktionen des Jahres 2024 in Verbindung gebracht, die sich gegen Geldwäsche gerichtet haben sollen. Andere, darunter juristische Kreise in Bagdad, die mit der Personalie vertraut sind, widersprechen dem und betonen, weder al-Zaidi noch seine Institute stünden unter Sanktionen. Die Widersprüchlichkeit dieser Angaben deutet darauf hin, dass der neue Premier keineswegs eine konfliktfreie Wahl ist, sondern eine, deren kommerzielles Netzwerk selbst Teil des geopolitischen Balanceakts werden könnte.

Die ersten Reaktionen illustrieren das fragile Gleichgewicht. Die amerikanische Botschaft in Bagdad übermittelte ungewöhnlich schnell öffentliche Glückwünsche und sprach von der Hoffnung auf eine Regierung, die den „Bestrebungen aller Iraker“ diene. In Teheran blieb es dagegen auffallend still; offizielle Stellungnahmen aus iranischen Staatsmedien fehlen bislang. Analysten in der Region werten dies als taktische Zurückhaltung, aber auch als Unbehagen über einen Kandidaten, der nicht aus dem traditionellen Netzwerk der Islamischen Republik stammt. Al-Zaidi unterhält zwar freundschaftliche Beziehungen zu wichtigen Teheran-treuen Politikern, ist jedoch kein Mann der ideologischen Achse. Gleichzeitig haben kurdische und sunnitische Politiker aus Erbil und dem Westirak vorsichtige Bereitschaft signalisiert, seine Kabinettsbildung zu unterstützen, was für die nach dem Muhasasa-Prinzip organisierten Proporzregierungen essenziell ist.

Damit beginnt nun eine dreißigtägige Frist nach der Verfassung, innerhalb derer al-Zaidi ein Kabinett formen und das Vertrauen des Parlaments gewinnen muss. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die sich sicherheits- und entwicklungspolitisch im Irak engagieren und ein vitales Interesse an stabilen Energiemärkten haben, ist der Ausgang von erheblicher Bedeutung. Ein abermaliges Scheitern der Regierungsbildung würde regionale Spannungen verstärken und könnte Migrationsdruck, Extremismus und irreguläre Finanzströme begünstigen. Ein funktionsfähiges Bagdad hingegen, das eine Politik der klugen Mitte ohne schroffe West- oder Iranbindung verfolgt, wäre ein seltenes Stabilitätsmoment im Nahen Osten. Al-Zaidis geschäftsmännischer Pragmatismus mag dabei helfen, doch die tief im Staat und in den Milizen verankerten Partikularinteressen bleiben der eigentliche Prüfstein. Der erste Bewährungstest steht unmittelbar bevor.

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Ein Geschäftsmann als Balancekünstler: Ali al-Zaidi soll Iraks neue Regierung führen

Irak hat nach monatelangem Ringen einen neuen Premierminister designiert: Der irakische Präsident Nizar Amedi beauftragte am Montag den Unternehmer Ali al-Zaidi mit der Regierungsbildung. Die Nominierung durch das schiitische Koordinationsbündnis, die größte Fraktion im Parlament, beendet eine über fünfmonatige institutionelle Lähmung nach den Wahlen vom November 2025. Sie ist jedoch mehr als ein verfassungsrechtlicher Formalakt – sie spiegelt die erzwungene Kompromisssuche in einem Land wider, das sich zwischen den Einflusszonen Washingtons und Teherans zerrieben sieht. Dass al-Zaidi als nahezu unbeschriebenes politisches Blatt ins Amt kommt, unterstreicht die defensive Strategie der irakischen Eliten, in einer Phase gefährlicher regionaler Eskalation nicht durch klare Parteinahme aufzufallen.

Der Weg zur Personalie al-Zaidi wurde frei, nachdem der frühere Langzeitpremier Nuri al-Maliki seine Kandidatur zurückgezogen hatte – auf massiven Druck der Vereinigten Staaten. Aus Washingtoner Sicht war al-Maliki als enger Verbündeter Teherans und Architekt einer konfessionell polarisierenden Politik untragbar. Beobachter in Washington verweisen auf deutliche Drohungen der Trump-Administration, die amerikanische Unterstützung für Bagdad – einschließlich Militärhilfe und Sanktionserleichterungen – drastisch zurückzufahren, sollte eine Person des iranischen Vertrauens an die Regierungsspitze treten. Die Demarche zeigte Wirkung: Die schiitische Koalition, die selbst stark von pro-iranischen Kräften durchsetzt ist, suchte eine Figur, die weder amerikanische noch iranische rote Linien überschreitet.

Ali al-Zaidi, ein etwa vierzigjähriger Geschäftsmann aus Nasiriyah im Süden des Landes, verkörpert diese Äquidistanz. Er verfügt über keine exekutive oder legislative Erfahrung, leitet aber ein Konglomerat aus Bank- und Medienunternehmen, darunter das Al-Janoob Islamic Bank und den Fernsehsender Dijlah TV. Gerade die Bank wird von einigen Quellen mit amerikanischen Sanktionen des Jahres 2024 in Verbindung gebracht, die sich gegen Geldwäsche gerichtet haben sollen. Andere, darunter juristische Kreise in Bagdad, die mit der Personalie vertraut sind, widersprechen dem und betonen, weder al-Zaidi noch seine Institute stünden unter Sanktionen. Die Widersprüchlichkeit dieser Angaben deutet darauf hin, dass der neue Premier keineswegs eine konfliktfreie Wahl ist, sondern eine, deren kommerzielles Netzwerk selbst Teil des geopolitischen Balanceakts werden könnte.

Die ersten Reaktionen illustrieren das fragile Gleichgewicht. Die amerikanische Botschaft in Bagdad übermittelte ungewöhnlich schnell öffentliche Glückwünsche und sprach von der Hoffnung auf eine Regierung, die den „Bestrebungen aller Iraker“ diene. In Teheran blieb es dagegen auffallend still; offizielle Stellungnahmen aus iranischen Staatsmedien fehlen bislang. Analysten in der Region werten dies als taktische Zurückhaltung, aber auch als Unbehagen über einen Kandidaten, der nicht aus dem traditionellen Netzwerk der Islamischen Republik stammt. Al-Zaidi unterhält zwar freundschaftliche Beziehungen zu wichtigen Teheran-treuen Politikern, ist jedoch kein Mann der ideologischen Achse. Gleichzeitig haben kurdische und sunnitische Politiker aus Erbil und dem Westirak vorsichtige Bereitschaft signalisiert, seine Kabinettsbildung zu unterstützen, was für die nach dem Muhasasa-Prinzip organisierten Proporzregierungen essenziell ist.

Damit beginnt nun eine dreißigtägige Frist nach der Verfassung, innerhalb derer al-Zaidi ein Kabinett formen und das Vertrauen des Parlaments gewinnen muss. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die sich sicherheits- und entwicklungspolitisch im Irak engagieren und ein vitales Interesse an stabilen Energiemärkten haben, ist der Ausgang von erheblicher Bedeutung. Ein abermaliges Scheitern der Regierungsbildung würde regionale Spannungen verstärken und könnte Migrationsdruck, Extremismus und irreguläre Finanzströme begünstigen. Ein funktionsfähiges Bagdad hingegen, das eine Politik der klugen Mitte ohne schroffe West- oder Iranbindung verfolgt, wäre ein seltenes Stabilitätsmoment im Nahen Osten. Al-Zaidis geschäftsmännischer Pragmatismus mag dabei helfen, doch die tief im Staat und in den Milizen verankerten Partikularinteressen bleiben der eigentliche Prüfstein. Der erste Bewährungstest steht unmittelbar bevor.

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