Anmelden
Ausgabe von 10:00 CETFreitag, 7. August 2026
320 Quellen · 17 Sprachen643 Briefings heute
Montag, 27. April 2026

Rocchis selbstauferlegter Rückzug und das neue Beben im italienischen Schiedsrichterwesen

Die Nachricht, dass Gianluca Rocchi, der oberste Schiedsrichter-Designator der Serie A und B, mit sofortiger Wirkung sein Amt ruhen lässt, hat am Wochenende eine Schockwelle durch den italienischen Fußball geschickt. Der Schritt erfolgte, nachdem die Mailänder Staatsanwaltschaft Rocchi eine Vorladung wegen des Verdachts der Beteiligung an Sportbetrug zugestellt hatte. In einer internen Nachricht an seine Schiedsrichter sprach Rocchi von einer „schmerzhaften und schwierigen Entscheidung“, die er gemeinsam mit seiner Familie und im Einvernehmen mit dem Verband getroffen habe, um der Gruppe der Unparteiischen „maximale Gelassenheit“ zu ermöglichen.

Auch der VAR-Aufseher Andrea Gervasoni suspendierte sich unmittelbar selbst. Aus Mailänder Ermittlerkreisen verlautet, die Vorwürfe konzentrierten sich auf mutmaßlich gesteuerte Ansetzungen zugunsten von Inter Mailand in der Saison 2024/25. Konkret soll Rocchi während des Pokal-Halbfinals zwischen Inter und Mailand im April im San Siro die Designation des Schiedsrichters Andrea Colombo für die Partie Bologna–Inter eingefädelt haben, um einen dem Klub als genehm geltenden Unparteiischen bei einem entscheidenden Duell im Titelkampf zu platzieren.

Auch die VAR-Kabine in Lissone rückt ins Zentrum: Ein ominöses Klopfen an der Scheibe während der Begegnung Udinese–Parma, das als Druckmittel auf die Videoassistenten gedeutet wird, gehört zu den am meisten diskutierten Beweisstücken der Ermittler. Beobachter in Rom und Turin verfolgen das Verfahren mit gespannter Aufmerksamkeit. Inter-Präsident Giuseppe Marotta trat vor der Partie beim FC Turin vor die Kameras und betonte, der Klub habe alles aus der Presse erfahren und sei „verwundert“ über die Mutmaßungen.

Es gebe keine bevorzugten oder abgelehnten Schiedsrichter, man habe stets mit größter Korrektheit gehandelt. Tatsächlich ist gegenwärtig kein Funktionär der Nerazzurri beschuldigt. Der FIGC-Staatsanwalt Giuseppe Chinè wies indes Teile der Medienberichterstattung als „unwahre und bisweilen fantasievolle Rekonstruktionen“ zurück und verwies darauf, dass die Sportjustiz eine erste Eingabe des ehemaligen Linienrichters Domenico Rocca, die das Verfahren ins Rollen gebracht hatte, mangels Beweisen archiviert habe.

Dessen ungeachtet untersucht die ordentliche Justiz bereits seit über einem Jahr die Vorgänge, und neben Rocchi und Gervasoni sind mittlerweile auch die Unparteiischen Luigi Nasca und Rodolfo Di Vuolo ins Visier der Finanzpolizei geraten. Internationale Kommentatoren, von Moskau bis Beirut, sehen in der Affäre eine schwere Hypothek für das ohnehin angeschlagene Ansehen des italienischen Fußballs, der sich zum dritten Mal in Folge nicht für eine Weltmeisterschaft qualifiziert hat und dessen Klubs in den europäischen Wettbewerben früh scheiterten. Für die deutschsprachigen Nachbarländer ist die Episode vor allem ein Lehrstück: Sollte der Verdacht der systematischen Manipulation auch nur in Teilen erhärtet werden, droht der Glaubwürdigkeit des gesamten Schiedsrichterwesens ein nachhaltiger Schaden – ein Risiko, das weit über den Apennin hinausstrahlt.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Staatsanwaltschaft ihre Indizienkette zu belastbaren Beweisen verdichten kann. Die für den 30. April angesetzten Vernehmungen Rocchis und Gervasonis gelten als entscheidende Wegmarke.

Sollte sich der Verdacht bestätigen, stünde nicht nur eine tiefgreifende sportrechtliche Sanktionsdebatte bevor – die Lega Serie A forderte bereits eine „radikale Erneuerung“ –, sondern auch eine existenzielle Vertrauenskrise, die den italienischen Fußball in eine ähnliche Schockstarre versetzen könnte wie einst der Calciopoli-Skandal.

Aktuell
USA setzen 25 Millionen Dollar Kopfgeld auf neuen CJNG-Anführer aus·Zwischen Volksglaube und Labor: Die Konjunktur der Haushaltstipps mit Essig, Natron und Alufolie·Trump lehnt zusätzliche Patriot-Raketen für die Ukraine ab: „Wir brauchen sie selbst“·FC Barcelona sagt Testspiel in Tanger ab – Politische Forderungen nach Ausschluss Marokkos von der WM 2030·Spider-Man bricht Rekorde und ebnet den X-Men den Weg·Datenschutzalarm: Behörden und Unternehmen reagieren auf smarte Brillen mit verdeckter Aufnahmefunktion·Mexiko nimmt Ex-Gouverneur Aguirre im Fall der verschwundenen Studenten von Ayotzinapa fest·Pazifik-Forum blockiert gemeinsame Erklärung zu Chinas Raketentest·USA setzen 25 Millionen Dollar Kopfgeld auf neuen CJNG-Anführer aus·Zwischen Volksglaube und Labor: Die Konjunktur der Haushaltstipps mit Essig, Natron und Alufolie·Trump lehnt zusätzliche Patriot-Raketen für die Ukraine ab: „Wir brauchen sie selbst“·FC Barcelona sagt Testspiel in Tanger ab – Politische Forderungen nach Ausschluss Marokkos von der WM 2030·Spider-Man bricht Rekorde und ebnet den X-Men den Weg·Datenschutzalarm: Behörden und Unternehmen reagieren auf smarte Brillen mit verdeckter Aufnahmefunktion·Mexiko nimmt Ex-Gouverneur Aguirre im Fall der verschwundenen Studenten von Ayotzinapa fest·Pazifik-Forum blockiert gemeinsame Erklärung zu Chinas Raketentest·
Akt. 05:214 Sprachen · 9 Quellen
9 Quellen|4 Sprachen|3 Min. Lesezeit
Montag, 27. April 2026

Rocchis selbstauferlegter Rückzug und das neue Beben im italienischen Schiedsrichterwesen

Die Nachricht, dass Gianluca Rocchi, der oberste Schiedsrichter-Designator der Serie A und B, mit sofortiger Wirkung sein Amt ruhen lässt, hat am Wochenende eine Schockwelle durch den italienischen Fußball geschickt. Der Schritt erfolgte, nachdem die Mailänder Staatsanwaltschaft Rocchi eine Vorladung wegen des Verdachts der Beteiligung an Sportbetrug zugestellt hatte. In einer internen Nachricht an seine Schiedsrichter sprach Rocchi von einer „schmerzhaften und schwierigen Entscheidung“, die er gemeinsam mit seiner Familie und im Einvernehmen mit dem Verband getroffen habe, um der Gruppe der Unparteiischen „maximale Gelassenheit“ zu ermöglichen.

Auch der VAR-Aufseher Andrea Gervasoni suspendierte sich unmittelbar selbst. Aus Mailänder Ermittlerkreisen verlautet, die Vorwürfe konzentrierten sich auf mutmaßlich gesteuerte Ansetzungen zugunsten von Inter Mailand in der Saison 2024/25. Konkret soll Rocchi während des Pokal-Halbfinals zwischen Inter und Mailand im April im San Siro die Designation des Schiedsrichters Andrea Colombo für die Partie Bologna–Inter eingefädelt haben, um einen dem Klub als genehm geltenden Unparteiischen bei einem entscheidenden Duell im Titelkampf zu platzieren.

Auch die VAR-Kabine in Lissone rückt ins Zentrum: Ein ominöses Klopfen an der Scheibe während der Begegnung Udinese–Parma, das als Druckmittel auf die Videoassistenten gedeutet wird, gehört zu den am meisten diskutierten Beweisstücken der Ermittler. Beobachter in Rom und Turin verfolgen das Verfahren mit gespannter Aufmerksamkeit. Inter-Präsident Giuseppe Marotta trat vor der Partie beim FC Turin vor die Kameras und betonte, der Klub habe alles aus der Presse erfahren und sei „verwundert“ über die Mutmaßungen.

Es gebe keine bevorzugten oder abgelehnten Schiedsrichter, man habe stets mit größter Korrektheit gehandelt. Tatsächlich ist gegenwärtig kein Funktionär der Nerazzurri beschuldigt. Der FIGC-Staatsanwalt Giuseppe Chinè wies indes Teile der Medienberichterstattung als „unwahre und bisweilen fantasievolle Rekonstruktionen“ zurück und verwies darauf, dass die Sportjustiz eine erste Eingabe des ehemaligen Linienrichters Domenico Rocca, die das Verfahren ins Rollen gebracht hatte, mangels Beweisen archiviert habe.

Dessen ungeachtet untersucht die ordentliche Justiz bereits seit über einem Jahr die Vorgänge, und neben Rocchi und Gervasoni sind mittlerweile auch die Unparteiischen Luigi Nasca und Rodolfo Di Vuolo ins Visier der Finanzpolizei geraten. Internationale Kommentatoren, von Moskau bis Beirut, sehen in der Affäre eine schwere Hypothek für das ohnehin angeschlagene Ansehen des italienischen Fußballs, der sich zum dritten Mal in Folge nicht für eine Weltmeisterschaft qualifiziert hat und dessen Klubs in den europäischen Wettbewerben früh scheiterten. Für die deutschsprachigen Nachbarländer ist die Episode vor allem ein Lehrstück: Sollte der Verdacht der systematischen Manipulation auch nur in Teilen erhärtet werden, droht der Glaubwürdigkeit des gesamten Schiedsrichterwesens ein nachhaltiger Schaden – ein Risiko, das weit über den Apennin hinausstrahlt.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Staatsanwaltschaft ihre Indizienkette zu belastbaren Beweisen verdichten kann. Die für den 30. April angesetzten Vernehmungen Rocchis und Gervasonis gelten als entscheidende Wegmarke.

Sollte sich der Verdacht bestätigen, stünde nicht nur eine tiefgreifende sportrechtliche Sanktionsdebatte bevor – die Lega Serie A forderte bereits eine „radikale Erneuerung“ –, sondern auch eine existenzielle Vertrauenskrise, die den italienischen Fußball in eine ähnliche Schockstarre versetzen könnte wie einst der Calciopoli-Skandal.

Divergenz der Quellen

— · 9 Quellen · 4 Sprachen

0%Niedrig

Wie stark die Quellen die gleichen Fakten unterschiedlich darstellen.

Diese Nachricht erschien in

9 Quellen · 4 Sprachen

Erweitere deinen Horizont

Aus Geopolitics & Politics

Washington entzieht brasilianischer Botschafterin das Visum

3 Sprachen · 43 Quellen

Aus Economy & Markets

Ölkonzerne melden sprudelnde Gewinne im zweiten Quartal – Trump rügt „zu viel Geld“

2 Sprachen · 21 Quellen

Aus Technology

SpaceX-Raketenstufe schlägt unkontrolliert auf dem Mond ein

6 Sprachen · 29 Quellen

Mehr lesen