
Ermordete libanesische Journalistin: Ein Tod nach gezielter Drohung aus Israel
Der Tod der libanesischen Journalistin Amal Khalil, die am Mittwoch bei einem israelischen Luftangriff auf das Dorf Tayri im Süden des Landes ums Leben kam, war kein unvermeidlicher Kollateralschaden in einem Krieg. Schon im September 2024 hatte sie auf WhatsApp eine Nachricht von einer israelischen Nummer erhalten, in der ihr mit der Enthauptung und der Zerstörung ihres Hauses gedroht wurde, weil sie über den Krieg im Südlibanon berichtete. Aus Beiruter Sicht war dies ein frühes Signal, dass die Journalistin unter gezielter Überwachung stand.
Der damalige libanesische Informationsminister Ziad Makari wandte sich daraufhin an die UNESCO in Beirut. Doch der internationale Schutz blieb aus. Der Angriff, bei dem auch zwei weitere Menschen starben und eine Kollegin schwer verletzt wurde, traf Khalil nicht augenblicklich.
Nach Angaben der Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) blieb sie sieben Stunden unter den Trümmern eingeschlossen, konnte zuvor aber noch ihre Familie und die libanesische Armee um Hilfe rufen. Ihr letzter Anruf erfolgte gegen vier Uhr nachmittags Ortszeit. Dieser Umstand verleiht der Tat eine besondere Grausamkeit und wirft die Frage auf, ob Israel hier nicht nur militärische Ziele, sondern gezielt Medienschaffende ins Visier nahm.
Aus Washingtoner Sicht mag man dies als Teil einer eskalierten Strategie werten, die auf die Unterdrückung von Berichterstattung aus dem Kriegsgebiet abzielt. In der libanesischen Hauptstadt löste der Tod der Reporterin der Zeitung „Al-Akhbar“, die der Hisbollah nahesteht, eine Welle der Empörung aus. Staatspräsident Joseph Aoun sprach von einer „vorsätzlichen Tötung“ und einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das die internationale Gemeinschaft zum Einschreiten zwingen müsse.
Die Hisbollah selbst drohte über ihren Abgeordneten Ibrahim al-Mousawi mit Vergeltung. Die Beisetzung in Khalils Heimatort Bissariyeh am Donnerstag glich einem nationalen Trauertag: Unter Tränen und Zaghared-Rufen trugen Trauernde den Sarg durch die Straßen, gedachten der mutigen Journalistin, die für ihre unerschrockene Berichterstattung bekannt war. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, die sich immer wieder für den Schutz von Journalisten in Konfliktregionen einsetzen, stellt sich die Frage, wie solche gezielten Angriffe auf Medienvertreter völkerrechtlich geahndet werden können.
Die gezielte Drohung gegen Khalil deutet auf eine systematische Praxis hin, die weit über die Unbill des Krieges hinausgeht. Sollte sich der Verdacht erhärten, dass israelische Stellen bewusst Journalisten als Ziele markieren, droht eine diplomatische Eskalation, die auch die Beziehungen zu westlichen Hauptstädten belasten könnte. Der Fall Amal Khalil könnte damit zum Prüfstein für die Durchsetzung internationaler Pressefreiheit in einem Konflikt werden, der längst zum Stellvertreterkrieg geworden ist.
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