
Finnland geht als Favorit ins ESC-Finale – Australien und Grossbritannien hoffen auf Überraschung
Der 70. Eurovision Song Contest in Wien steht vor der Entscheidung. Finnland führt die Wettquoten an, doch Australien und Grossbritannien mischen mit.
In der Wiener Stadthalle steigt an diesem Samstagabend das Finale des 70. Eurovision Song Contest, und alle Blicke richten sich auf Helsinki. Das finnische Duo Pete Parkkonen und Linda Lampenius gilt mit seinem von Geigenklängen durchzogenen Popsong „Liekinheitin“ – deutsch „Flammenwerfer“ – als klarer Favorit der Wettbüros. Dass Lampenius ihre Geige dank einer Sondergenehmigung live und in vollem Lauf spielen darf, verleiht dem Auftritt eine spektakuläre Note, die das Publikum bereits in den Halbfinalen elektrisierte. Aus finnischer Sicht wäre ein Sieg die Krönung einer langen Durststrecke, denn der letzte Erfolg des Landes liegt fast zwei Jahrzehnte zurück.
Doch die Konkurrenz schläft nicht. Aus Canberra blickt man voller Hoffnung auf Delta Goodrem, die mit ihrem Titel „Eclipse“ für Australien antritt. Die Pop-Ikone, in ihrer Heimat längst ein Superstar, könnte dem Kontinent den ersten ESC-Sieg bescheren – ein Prestigeerfolg, der die Rolle Ozeaniens im Wettbewerb endgültig zementieren würde. Gleichzeitig fiebert London mit einem ungewöhnlichen Kandidaten: Sam Battle, bekannt als Look Mum No Computer, tritt mit dem elektronischen Stück „Eins, Zwei, Drei“ an und will das Vereinigte Königreich nach Jahren des Misserfolgs aus dem Tabellenkeller führen. Beobachter in der britischen Hauptstadt fragen sich, ob sein skurriler Stil die Jury überzeugen kann oder ob er wie so viele Vorgänger mit einer Nullpunkt-Blamage endet.
Aus römischer Perspektive ruhen die Hoffnungen auf Sal Da Vinci, der mit der romantischen Ballade „Per sempre sì“ an 22. Stelle der Startreihenfolge singt. Die italienische Delegation hofft, nach dem zweiten Platz im Vorjahr wieder ganz vorne mitzumischen. Der Gastgeber Österreich, vertreten durch Cosmo mit „Tanzschein“, schliesst den Abend als letzter Act. Dass die Schweiz die Finalteilnahme verpasste – zum ersten Mal seit acht Jahren –, wird in Bern als Weckruf gewertet, während die Ukraine ihre beeindruckende Serie von stets gelungenen Halbfinal-Auftritten fortsetzte. Insgesamt kämpfen 25 Nationen um die Trophäe, darunter Überraschungskandidaten wie Rumänien, das in den Wettquoten aufsteigt.
Blickt man über den Abend hinaus, so zeigt sich, dass der ESC längst mehr ist als ein Musikwettbewerb: Er ist ein Spiegel geopolitischer Stimmungen und kultureller Selbstvergewisserung. Ein Sieg Finnlands würde die nordische Pop-Ästhetik weiter stärken, während ein Triumph Australiens die globale Reichweite des Contests symbolisieren würde. Für Deutschland, das als Teil der „Big Five“ automatisch qualifiziert ist, bleibt die Frage, ob die eigene Teilnahme künftig wieder an frühere Erfolge anknüpfen kann – oder ob der Abend in Wien erneut nur eine Randnotiz im Schatten der Favoriten liefert.
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