
FSB vereitelt Anschlag auf Russlands Medienaufsicht – Drahtzieher in Kiew vermutet
Die russischen Sicherheitsbehörden haben nach eigenen Angaben einen geplanten Terroranschlag auf die Führungsspitze der Medienaufsicht Roskomnadzor vereitelt. Wie der Inlandsgeheimdienst FSB am Freitag mitteilte, wurde die Tat bereits am 18. April durch die Festnahme von sieben Verdächtigen in Moskau, Ufa, Nowosibirsk und Jaroslawl verhindert. Der mutmaßliche Anführer der Gruppe, ein 21-jähriger Moskauer, sei bei seiner Festnahme getötet worden, nachdem er bewaffneten Widerstand geleistet habe. Die Gruppe habe vorgehabt, das Dienstfahrzeug der Behördenleitung mit einer selbstgebauten Bombe zu sprengen. In ihren Wohnungen fanden die Ermittler Sprengsätze, eine Handgranate, eine entschärfte Pistole sowie neofaschistische Symbole.
Aus Moskauer Sicht steht der Anschlag im direkten Zusammenhang mit der seit Monaten verschärften Blockade des Messengerdienstes Telegram in Russland. Die FSB-Behörde erklärte, die ukrainischen Geheimdienste hätten die Gruppe über Telegram angeworben, um die Maßnahmen zur Sicherung des russischen Informationsraums zu sabotieren. Die Festgenommenen, darunter zwei junge Frauen, hätten auf Videoaufnahmen gestanden, dass sie in einem Chat die Ermordung eines Vizedirektors von Roskomknadzor diskutiert hätten. Ein Teil der Gruppe gab an, für die Herstellung von Flugblättern angeworben worden zu sein, ehe man sie zur Administratorin des Planungschats machte.
Beobachter in Kiew wiesen die Vorwürfe umgehend zurück. Die ukrainische Regierung bestreitet systematisch jede Beteiligung an Anschlägen auf dem Territorium der Russischen Föderation. In westlichen Hauptstädten, insbesondere in Washington, wird das Vorgehen des FSB als weiterer Beleg für eine gezielte Verschärfung der Internetzensur in Russland gewertet. Der Fall zeigt, wie die russische Führung reale oder inszenierte Bedrohungen nutzt, um die Kontrolle über digitale Kommunikationswege auszubauen – ein Vorgehen, das in Berlin, Wien und Bern mit Sorge beobachtet wird.
Die Frage nach der Glaubwürdigkeit der russischen Darstellung bleibt offen. Während die Sicherheitsbehörden in Moskau das Eingeständnis der Festgenommenen als Beweis präsentieren, zweifeln unabhängige russische Medien an der Version, der zufolge die Verdächtigen ohne Wissen ihrer Umgebung operierten. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz ergibt sich daraus eine doppelte Herausforderung: Zum einen müssen sie die Radikalisierung junger Menschen in geschlossenen Chatgruppen im Auge behalten, zum anderen besteht die Gefahr, dass Moskau den Vorfall nutzt, um von eigenen innenpolitischen Problemen abzulenken und den Druck auf die Ukraine weiter zu erhöhen. Der Vorfall könnte das ohnehin fragile Verhältnis zwischen Russland und dem Westen weiter belasten.
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