
Handelskonflikt mit den USA: Ottawa wehrt sich gegen Trumps 'Eintrittsgebühr' für CUSMA-Verhandlungen
Ein diplomatischer Konflikt zeichnet sich anlässlich der anstehenden Überprüfung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens CUSMA ab. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump fordert von Kanada offenbar substantielle Zugeständnisse als Vorleistung, bevor sie überhaupt zu Verhandlungen über eine Anpassung des Pakts bereit ist. Aus Washingtoner Sicht handelt es sich dabei um eine notwendige „Eintrittsgebühr“, wie kanadische Medien unter Berufung auf informierte Kreise berichten.
Die kanadische Regierung unter Premierminister Mark Carney reagiert mit entschiedener Gegenwehr. „Es ist nicht der Fall, dass die Vereinigten Staaten die Bedingungen diktieren“, betonte Carney und wies Forderungen nach weiteren einseitigen Konzessionen zurück. In Ottawa verweist man vielmehr auf bereits erbrachte Leistungen, etwa den Abbau einer Digitalsteuer für US-Techkonzerne und Investitionen in die Grenzsicherheit. Kanadas Chefunterhändlerin, Janice Charette, pocht nun auf Gegenseitigkeit und erwartet von Washington Anerkennung für diese „sehr bedeutenden“ Zugeständnisse.
Aus der Perspektive der US-Handelsdiplomatie zeigt sich hingegen ein grundsätzlicher Dissens. Handelsvertreter Jamieson Greer warf Kanada vor, auf Globalisierung zu setzen, während die USA versuchten, deren Probleme zu korrigieren. Sein Fokus liege darauf, Ursprungsregeln zu verschärfen, um den Zugang subventionierter Waren aus Drittländern wie China zum nordamerikanischen Markt zu verhindern. Diese unterschiedlichen philosophischen Ansätze deuten auf schwierige Gespräche hin.
Für die deutschsprachigen Wirtschaftsräume in Europa, die stets ein Auge auf die Stabilität des transatlantischen Handelsumfelds haben, ist dieser Streit von beunruhigender Signalwirkung. Er erinnert an die protektionistischen Tendenzen der ersten Trump-Amtszeit und wirft Fragen zur Verlässlichkeit der USA als Vertragspartner auf. Die Entwicklung könnte auch die Verhandlungsdynamik zwischen der EU und den USA beeinflussen.
Die Analyse lässt nur einen Schluss zu: Eine Einigung wird, wenn überhaupt, nur langsam und mühsam erreichbar sein. Carney selbst räumte ein, der Prozess „wird Zeit brauchen“. Mit der Frist zur Entscheidung über die Verlängerung des CUSMA am 1. Juli im Nacken, steht nicht nur die Zukunft des Abkommens auf dem Spiel, sondern auch das Modell der kooperativen Handelsbeziehungen in Nordamerika. Der Ausgang wird zeigen, ob sich Kanadas Strategie der Standhaftigkeit gegenüber der US-amerikanischen Drucktaktik bewähren kann.
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