
Hani Shaker, der „Prinz des arabischen Gesangs“, ist tot – eine Ära endet
Der ägyptische Sänger Hani Shaker starb mit 73 Jahren in Paris. Seine Beisetzung in Kairo wurde zur Massentrauer. Umstritten als Zensurchef, hinterlässt er ein zwiespältiges Erbe.
Der Tod des ägyptischen Sängers Hani Shaker am vergangenen Sonntag in einem Pariser Krankenhaus hat in der arabischen Welt eine Welle der Trauer ausgelöst, die weit über den Kreis seiner Fans hinausreicht. Die Beisetzung am Mittwoch in Kairo glich einem Staatsakt: Der mit der ägyptischen Flagge bedeckte Sarg wurde von Hunderten durch die Straßen getragen, auf ihm lag ein Koran – ein stiller Verweis auf Shakers unerfüllten Wunsch, das heilige Buch mit seiner Stimme zu rezitieren. Aus Kairoer Sicht markiert der Tod des 73-Jährigen nicht allein das Ende einer fünf Jahrzehnte währenden Karriere, sondern auch den Abschluss eines Kapitels, in dem die ägyptische Musikszene von einer Handvoll Protagonisten geprägt wurde.
Shaker, der in den 1970er Jahren mit romantischen Balladen berühmt wurde und sich den Titel „Prinz des arabischen Gesangs“ erwarb, war mehr als ein Interpret. Von 2015 bis zu seinem Tod führte er die mächtige Gewerkschaft der Berufsmusiker und nutzte dieses Amt, um nach eigenem Bekunden Ordnung in das „wilde“ Musikgeschäft zu bringen. Aus Beobachtersicht in Kairo war er jedoch auch eine verlängerte Hand des Regimes: Er verhängte Auftrittsverbote gegen Künstler, die politisch oder moralisch anstößig erschienen, und zensierte Lieder mit religiösen oder sexuellen Inhalten. In der israelischen Presse wird er daher als „Zensor“ bezeichnet. Sein Wirken polarisierte – die Trauerbekundungen aus offiziellen Kreisen, darunter Präsident al-Sisi, waren entsprechend deutlich.
Die Trauerfeier in der Stadt asch-Schaich Zaid vor den Toren Kairos zeigte dennoch die schiere Größe seiner Anhängerschaft. Hunderte Künstler, Journalisten und einfache Menschen erwiesen ihm die letzte Ehre, während im Internet die Erinnerungen an seine größten Hits die sozialen Netzwerke fluteten. Besonders bewegend war der Auftritt seines langjährigen Freundes, des Schauspielers Chalid Zaki, der noch am Vortag live im Fernsehen von der Nachricht überrascht worden war und stumm zusammenbrach. In Paris hatte Shaker die letzten Monate seines Lebens verbracht, nachdem bei ihm Krebs diagnostiziert worden war; den Tod fand er schließlich durch eine akute Atemwegskrise, die ins Koma führte.
Was bleibt, ist ein zwiespältiges Vermächtnis. Shaker hinterließ 29 Alben und über 600 Songs, die den Soundtrack für Generationen bildeten. Doch sein letzter Wunsch blieb unerfüllt: Er träumte von einer Rückkehr zur Schauspielerei, von einem dramatischen Fernsehwerk, das er nie verwirklichen konnte. Für die deutschsprachigen Länder, in denen eine beträchtliche arabische Diaspora lebt, ist sein Tod ein ferner, aber spürbarer Einschnitt: Die Stimme, die über Jahrzehnte die Sehnsucht einer ganzen Region besang, ist verstummt. Die Frage, wer in Ägypten künftig die kulturelle Ordnung wahren soll, bleibt offen – und mit ihr die Spannung zwischen künstlerischer Freiheit und staatlicher Kontrolle.
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