
Himmelskörper aus der Frühzeit: Interstellarer Komet und Jupiter-Analog überraschen Astronomen
Der Komet 3I/Atlas, der im vergangenen Jahr aus den Tiefen des interstellaren Raums an der Erde vorbeizog, entpuppt sich als einer der ältesten je beobachteten Himmelskörper. Einem internationalen Forscherteam unter Leitung der University of Michigan gelang es mit dem ALMA-Observatorium in der chilenischen Atacama-Wüste, das Alter des Kometen auf bis zu elf Milliarden Jahre zu bestimmen – mehr als doppelt so alt wie die Sonne. Damit stammt das Objekt aus einer Zeit, lange bevor sich unser eigenes Planetensystem formte. Aus Sicht der Forscher in Michigan handelt es sich um einen eisigen Boten aus einer kalten, isolierten Ecke der Milchstraße, die noch nicht zu einem eigenen Sonnensystem kondensiert war. Der Komet ist erst der dritte bestätigte interstellare Besucher und könnte tiefe Einblicke in die frühe Entwicklungsphase der Galaxie geben.
Während der Komet 3I/Atlas die Astronomie mit seiner Herkunft aus der Frühzeit der Galaxie beschäftigt, hat das James-Webb-Weltraumteleskop eine ganz andere Sensation geliefert: die Entdeckung eines Jupiter-ähnlichen Planeten, dessen Nachweis zuvor als unmöglich galt. Der Exoplanet Epsilon Indi Ab, mehrere Lichtjahre entfernt, besitzt etwa das 7,6-Fache der Jupitermasse bei ähnlicher Größe. Was ihn besonders macht, ist seine ungewöhnlich kühle Atmosphäre mit Temperaturen zwischen minus 70 und plus 20 Grad Celsius. Die internationale Forschergruppe, an der auch Wissenschaftler aus Europa beteiligt sind, stieß bei ihren Beobachtungen auf eine ammoniakreiche Atmosphäre, die an Urin erinnert, sowie auf Wolken aus Wasserdampf. Solche Wasserwolken in der Atmosphäre eines relativ kühlen Gasriesen waren bislang nicht erwartet worden. Der Fund unterstreicht, wie leistungsfähig das James-Webb-Teleskop ist, selbst bei Objekten, die nach bisherigen Theorien dem Blick verborgen bleiben sollten.
Aus europäischer Perspektive sind beide Entdeckungen von großer Bedeutung. Das ALMA-Observatorium, an dem die Europäische Südsternwarte mit Sitz in Garching bei München maßgeblich beteiligt ist, hat mit der Altersbestimmung des Kometen gezeigt, wie präzise die Radioteleskope selbst schwache Signale aus fernen Regionen analysieren können. Gleichzeitig demonstriert der Erfolg des James-Webb-Teleskops – einer Kooperation der NASA mit der ESA und der kanadischen Raumfahrtagentur –, dass die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Europa in der Astronomie Früchte trägt. Für Forschungsinstitute in der Schweiz und Österreich eröffnen sich neue Felder für die Planetenforschung, da die Daten dieser Missionen weit über die ursprünglichen Erwartungen hinausgehen.
Beobachter in den Vereinigten Staaten werten den Nachweis des Jupiter-ähnlichen Exoplaneten als beispielhaft dafür, wie die nächste Generation von Teleskopen die Grenzen des Sichtbaren verschiebt. Die Entdeckung zeige, dass auch jenseits der habitablen Zone noch Überraschungen auf die Astronomen warten. Die Zukunft der Himmelsforschung dürfte damit noch stärker von der Kombination verschiedener Wellenlängenbereiche und Observatorien geprägt sein. Der Komet 3I/Atlas und der Planet Epsilon Indi Ab sind erst der Anfang einer neuen Ära, in der immer mehr Objekte aus der Frühzeit des Universums und aus fernen Sonnensystemen in den Fokus rücken.
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