
HSBC enttäuscht mit Quartalszahlen: Betrugsfall in London und Nahost-Krise belasten
Die Grossbank verbuchte im ersten Quartal 2026 einen Gewinnrückgang. Hohe Kreditausfälle, ein Betrugsfall und die Lage im Nahen Osten drückten das Ergebnis.
HSBC hat im ersten Quartal des laufenden Jahres die Erwartungen der Analysten verfehlt. Der auf London und Hongkong gestützte Konzern wies einen Vorsteuergewinn von 9,4 Milliarden Dollar aus, ein Rückgang um rund ein Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Markterwartungen hatten bei knapp 9,6 Milliarden Dollar gelegen. Ausschlaggebend waren ein sprunghafter Anstieg der Risikovorsorge für faule Kredite sowie operative Belastungen, die den Effekt eines stabilen Zins- und Provisionsgeschäfts weitgehend zunichtemachten.
Aus Londoner Sicht fällt vor allem ein unerwarteter Betrugsfall ins Gewicht. HSBC musste eine Abschreibung von 400 Millionen Dollar auf Kredite an eine britische Beteiligungsgesellschaft vornehmen, die ihrerseits in ein mutmassliches Schwindelgeschäft mit Verbriefungen verwickelt war. Die gesamten Kreditausfallrückstellungen stiegen im Jahresvergleich um 44 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. Dazu trugen auch die anhaltenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten bei, die zu zusätzlichen Wertberichtigungen führten. Die operative Kostenbasis erhöhte sich ebenfalls, was die Ertragsdynamik dämpfte.
In Hongkong, dem zweitwichtigsten Standort der Bank, zeigte sich ein differenzierteres Bild. Die Wealth-Management-Sparte legte kräftig zu, und das Geschäft in der chinesischen Sonderverwaltungszone trug massgeblich zu einem Umsatzplus von sechs Prozent auf 18,6 Milliarden Dollar bei. Niedrigere Zinsen in den westlichen Kernmärkten belasteten jedoch das Zinsergebnis. Aus asiatischer Perspektive bleibt HSBC stark von der wirtschaftlichen Erholung auf dem Festland abhängig, die bislang hinter den Erwartungen zurückbleibt. Der Nettogewinn stieg nur marginal um 0,14 Prozent auf 6,94 Milliarden Dollar und verfehlte damit die Konsensschätzung von 17 von der Bank befragten Analysten.
Beobachter im Nahen Osten verweisen auf die unmittelbaren Folgen der militärischen Auseinandersetzungen in der Region, die nicht nur bei HSBC, sondern branchenweit zu höheren Risikoprämien führen. Die Bank hält ein bedeutendes Engagement in den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen Golfstaaten; der Konflikt hat die Kreditqualität in einigen Portfolios spürbar verschlechtert. Der Vorstandsvorsitzende betonte, man begegne den Herausforderungen mit einer vorsichtigen Risikopolitik, schloss aber weitere Belastungen nicht aus.
Für den deutschsprachigen Finanzplatz sind die Entwicklungen von mittelbarer Bedeutung. HSBC unterhält in der Schweiz ein bedeutendes Wealth-Management-Geschäft, das von den globalen Unsicherheiten profitieren könnte, falls Anleger in sichere Häfen streben. Gleichzeitig mahnen Analysten, dass die anhaltenden geopolitischen Risiken und ein möglicherweise länger niedriges Zinsumfeld auch andere europäische Grossbanken treffen könnten. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob HSBC die Kreditqualität stabilisieren und das operative Wachstum in Asien gegen die Gegenwinde aus dem Nahen Osten und dem britischen Heimatmarkt verteidigen kann.
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