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Ausgabe von 20:00 CETSonntag, 9. August 2026
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Sonntag, 10. Mai 2026

Siedler zwingen Palästinenser zur Exhumierung eines Toten – Eskalation im Westjordanland

Israelische Siedler gruben im Westjordanland ein frisches Grab aus und zwangen die Familie, den Leichnam eines 80-Jährigen zu überführen. Die Gewaltwellen nehmen zu.

Am Freitag ereignete sich im besetzten Westjordanland ein Vorgang, der selbst in einer Region, die an tägliche Erniedrigungen gewöhnt ist, als schwerwiegende Eskalation gilt. Israelische Siedler trieben palästinensische Dorfbewohner dazu, den Leichnam des 80-jährigen Husseins Assasa aus seinem kaum zwei Stunden alten Grab zu heben. Die sterblichen Überreste waren zuvor mit Genehmigung der israelischen Armee auf einem Friedhof nahe der Siedlung Schah-Nur beigesetzt worden – in unmittelbarer Nähe zu einem Außenposten, der von der Regierung Benjamin Netanjahus vor wenigen Monaten wieder legalisiert wurde. Die Siedler argumentierten, die Grabstätte liege zu nahe an der Siedlungsgrenze. Die Familie gab dem Druck nach, weil die Eindringlinge mit einem Bulldozer drohten. Die Armee kündigte eine Untersuchung an, doch solche Vorfälle sind in einem Klima systematischer Straflosigkeit für Siedlergewalt eher die Regel als die Ausnahme.

Der Vorfall in Assasa steht nicht allein. In derselben Nacht brannten Siedler in mehreren Dörfern Häuser und Fahrzeuge nieder, ritzten rassistische Parolen in Mauern und verletzten einen Mann und sein Kind mit scharfen Gegenständen. In Chirbet Schuwaika südlich von Hebron wurden die beiden mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht. In Abu Falah östlich von Ramallah setzten Siedler einen Wagen in Brand. Die Wellen solcher Attacken haben in den vergangenen Monaten – parallel zum Krieg im Gazastreifen – im Westjordanland drastisch zugenommen. Internationale Beobachter, darunter die Europäische Union und die Vereinten Nationen, verurteilen die Gewalt regelmäßig, doch die amerikanische Regierung zeigt sich in der Sache gespalten: Während das Außenministerium besorgt reagiert, unterlässt Washington konkrete Sanktionen gegen israelische Siedler, um das bilaterale Verhältnis nicht zu belasten.

Aus israelischer Sicherheitsperspektive steht die Armee vor einem Dilemma: Sie soll einerseits die Besatzung aufrechterhalten und Siedlungen schützen, andererseits Recht und Ordnung gegen radikale Siedler durchsetzen. Offiziell heißt es aus Militärkreisen, man habe den Siedlern klargemacht, es gebe keinen Grund für die Exhumierung. Doch die Praxis zeigt, dass die Siedlerbewegung politisch derart gestärkt ist, dass lokale Kommandeure kaum eingreifen. In Jerusalem sitzen Minister, die selbst zu den Siedlungsaktivisten zählen. Für Berlin, Wien und Bern stellt sich die Frage, wie die eigene Nahost-Politik dieser Entwicklung begegnen kann. Die deutsche Bundesregierung hat nach dem 7. Oktober ihre Waffenexporte an Israel gedrosselt und mahnt immer wieder die Einhaltung des humanitären Völkerrechts an – doch die Mechanismen der EU, etwa Sanktionen gegen gewalttätige Siedler, bleiben stumpf.

Die Entwicklung des Westjordanlandes unter Netanjahu ist nicht nur ein palästinensisches Trauerspiel, sondern auch ein Lackmustest für die internationale Rechtsordnung. Wenn ein Toter nicht einmal in seiner Erde ruhen darf, wenn Siedler über Leben und Tod – im wörtlichen Sinne – bestimmen können, dann ist die Besatzung längst in eine Phase der völligen Entrechtung übergegangen. Beobachter in Peking und Moskau nutzen derartige Vorfälle, um die Doppelmoral des Westens anzuprangern. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die neue US-Regierung nach den Wahlen ihre Haltung verschärft oder ob die Siedlerbewegung noch freiere Hand bekommt. Für die Palästinenser indes bedeutet der Vorfall in Assasa eine neue Dimension der Demütigung – und ein Menetekel für eine Zukunft, in der selbst die letzte Ehre des Begräbnisses nicht mehr sicher ist.

Divergenz — wer erzählt sie wie
42%Mittel
3 Blöcke · Positionen von −1.00 bis 0.00
KritischWohlwollend
IRNISRATL
Abweichung zwischen Presseblöcken
Iranische & verwandte Presse−1.00critical
Israelische Presse−0.30critical
Atlantische / angloamerikanische Presse0.00neutral
Iranische & verwandte Presse−1.00

Israelische Siedler verübten gewaltsame Übergriffe im Westjordanland, brannten Häuser und Fahrzeuge nieder und zwangen im Dorf al-Asa'asa eine palästinensische Familie, den Leichnam ihres gerade beerdigten Vaters auszugraben, indem sie mit einem Bulldozer drohten. Die verängstigte Familie musste den Leichnam an einem anderen Ort erneut bestatten. Dies ist Teil der anhaltenden Siedleraggression unter dem Schutz der israelischen Regierung.

EmpörungOpferrolleAlarm
Israelische Presse−0.30

Ein ungewöhnlicher Vorfall ereignete sich nahe der Siedlung Sha-Nur, als israelische Siedler eine palästinensische Familie zwangen, einen Leichnam kurz nach der Beerdigung auszugraben, mit der Begründung, das Grab liege zu nahe an der Siedlungsgrenze. Sicherheitsbeamte erklärten, es habe keinen Grund für diese Maßnahme gegeben, und die IDF beschlagnahmte Grabwerkzeuge und leitete eine Untersuchung ein. Die Familie gab an, aus Angst vor Drohungen gehandelt zu haben.

PragmatismusDistanz
Atlantische / angloamerikanische Presse0.00

Eine palästinensische Familie berichtete, dass israelische Siedler sie gezwungen hätten, den Leichnam ihres 80-jährigen Vaters aus seinem Grab im westjordanischen Dorf Asasa zu exhumieren, nahe einer von der Netanjahu-Regierung wiedererrichteten Siedlung. Die Beerdigung war von israelischen Behörden genehmigt worden, doch Siedler kamen mit einem Bulldozer und drohten, das Grab auszuheben, woraufhin die Familie den Leichnam selbst entfernte und an einem anderen Ort erneut bestattete. Die israelische Armee kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an.

DistanzPragmatismus
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Sonntag, 10. Mai 2026

Siedler zwingen Palästinenser zur Exhumierung eines Toten – Eskalation im Westjordanland

Israelische Siedler gruben im Westjordanland ein frisches Grab aus und zwangen die Familie, den Leichnam eines 80-Jährigen zu überführen. Die Gewaltwellen nehmen zu.

Am Freitag ereignete sich im besetzten Westjordanland ein Vorgang, der selbst in einer Region, die an tägliche Erniedrigungen gewöhnt ist, als schwerwiegende Eskalation gilt. Israelische Siedler trieben palästinensische Dorfbewohner dazu, den Leichnam des 80-jährigen Husseins Assasa aus seinem kaum zwei Stunden alten Grab zu heben. Die sterblichen Überreste waren zuvor mit Genehmigung der israelischen Armee auf einem Friedhof nahe der Siedlung Schah-Nur beigesetzt worden – in unmittelbarer Nähe zu einem Außenposten, der von der Regierung Benjamin Netanjahus vor wenigen Monaten wieder legalisiert wurde. Die Siedler argumentierten, die Grabstätte liege zu nahe an der Siedlungsgrenze. Die Familie gab dem Druck nach, weil die Eindringlinge mit einem Bulldozer drohten. Die Armee kündigte eine Untersuchung an, doch solche Vorfälle sind in einem Klima systematischer Straflosigkeit für Siedlergewalt eher die Regel als die Ausnahme.

Der Vorfall in Assasa steht nicht allein. In derselben Nacht brannten Siedler in mehreren Dörfern Häuser und Fahrzeuge nieder, ritzten rassistische Parolen in Mauern und verletzten einen Mann und sein Kind mit scharfen Gegenständen. In Chirbet Schuwaika südlich von Hebron wurden die beiden mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht. In Abu Falah östlich von Ramallah setzten Siedler einen Wagen in Brand. Die Wellen solcher Attacken haben in den vergangenen Monaten – parallel zum Krieg im Gazastreifen – im Westjordanland drastisch zugenommen. Internationale Beobachter, darunter die Europäische Union und die Vereinten Nationen, verurteilen die Gewalt regelmäßig, doch die amerikanische Regierung zeigt sich in der Sache gespalten: Während das Außenministerium besorgt reagiert, unterlässt Washington konkrete Sanktionen gegen israelische Siedler, um das bilaterale Verhältnis nicht zu belasten.

Aus israelischer Sicherheitsperspektive steht die Armee vor einem Dilemma: Sie soll einerseits die Besatzung aufrechterhalten und Siedlungen schützen, andererseits Recht und Ordnung gegen radikale Siedler durchsetzen. Offiziell heißt es aus Militärkreisen, man habe den Siedlern klargemacht, es gebe keinen Grund für die Exhumierung. Doch die Praxis zeigt, dass die Siedlerbewegung politisch derart gestärkt ist, dass lokale Kommandeure kaum eingreifen. In Jerusalem sitzen Minister, die selbst zu den Siedlungsaktivisten zählen. Für Berlin, Wien und Bern stellt sich die Frage, wie die eigene Nahost-Politik dieser Entwicklung begegnen kann. Die deutsche Bundesregierung hat nach dem 7. Oktober ihre Waffenexporte an Israel gedrosselt und mahnt immer wieder die Einhaltung des humanitären Völkerrechts an – doch die Mechanismen der EU, etwa Sanktionen gegen gewalttätige Siedler, bleiben stumpf.

Die Entwicklung des Westjordanlandes unter Netanjahu ist nicht nur ein palästinensisches Trauerspiel, sondern auch ein Lackmustest für die internationale Rechtsordnung. Wenn ein Toter nicht einmal in seiner Erde ruhen darf, wenn Siedler über Leben und Tod – im wörtlichen Sinne – bestimmen können, dann ist die Besatzung längst in eine Phase der völligen Entrechtung übergegangen. Beobachter in Peking und Moskau nutzen derartige Vorfälle, um die Doppelmoral des Westens anzuprangern. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die neue US-Regierung nach den Wahlen ihre Haltung verschärft oder ob die Siedlerbewegung noch freiere Hand bekommt. Für die Palästinenser indes bedeutet der Vorfall in Assasa eine neue Dimension der Demütigung – und ein Menetekel für eine Zukunft, in der selbst die letzte Ehre des Begräbnisses nicht mehr sicher ist.

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Ein ungewöhnlicher Vorfall ereignete sich nahe der Siedlung Sha-Nur, als israelische Siedler eine palästinensische Familie zwangen, einen Leichnam kurz nach der Beerdigung auszugraben, mit der Begründung, das Grab liege zu nahe an der Siedlungsgrenze. Sicherheitsbeamte erklärten, es habe keinen Grund für diese Maßnahme gegeben, und die IDF beschlagnahmte Grabwerkzeuge und leitete eine Untersuchung ein. Die Familie gab an, aus Angst vor Drohungen gehandelt zu haben.

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Eine palästinensische Familie berichtete, dass israelische Siedler sie gezwungen hätten, den Leichnam ihres 80-jährigen Vaters aus seinem Grab im westjordanischen Dorf Asasa zu exhumieren, nahe einer von der Netanjahu-Regierung wiedererrichteten Siedlung. Die Beerdigung war von israelischen Behörden genehmigt worden, doch Siedler kamen mit einem Bulldozer und drohten, das Grab auszuheben, woraufhin die Familie den Leichnam selbst entfernte und an einem anderen Ort erneut bestattete. Die israelische Armee kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an.

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