
Indiens Energiepreis-Schock: Kommerzielles LPG und Kerosin steigen drastisch – Fluggesellschaften kürzen weltweit
Die indische Regierung hat am Freitag den Preis für kommerzielles Flüssiggas um umgerechnet rund 993 Rupien angehoben, während die Kosten für Flugtreibstoff bei internationalen Verbindungen ebenfalls kräftig stiegen. Damit reagiert Neu-Delhi auf die zunehmenden Versorgungsengpässe infolge des Krieges im Iran, der seit Ende Februar die Öl- und Gasströme durch die Strasse von Hormus lahmlegt. Indien, das etwa sechzig Prozent seines Flüssiggases importiert, schützt zwar die privaten Haushalte vor Preiserhöhungen, überlässt aber Restaurants, Bäckereien und kleinen Herstellern die volle Last der Teuerung. In Mumbai planenStrassenverkäufer bereits, die Preise für Vada Pav um drei Rupien anzuheben; viele haben ihr Angebot drastisch reduziert. Die Opposition wirft der Regierung vor, die Wahlversprechen gebrochen und die Bevölkerung im Stich gelassen zu haben – eine Kritik, die angesichts der kurz nach den Parlamentswahlen erfolgten Erhöhung besonders scharf ausfällt.
Parallel dazu gerät die indische Luftfahrtbranche zunehmend unter Druck. Air India streicht fast hundert internationale Flüge bis Juli, da die Kerosinpreise auf Rekordniveau gestiegen sind und die Schliessung des iranischen Luftraums zu langen, teuren Umwegen zwingt. Die Fluggesellschaft, die im vergangenen Geschäftsjahr Verluste von rund 220 Milliarden Rupien verbuchte, erwägt nun, Mahlzeiten auf Inlandsflügen optional zu machen, um die Ticketpreise zu senken. Aus der Golfregion berichten Airlines von drohenden weiteren Tariferhöhungen für indische Auswanderer, sollten die innerindischen Kapazitäten weiter schrumpfen. Die staatliche Ölgesellschaft IOC hat die Preise für Inlandsturbinentreibstoff bislang stabil gehalten, was international operierende Gesellschaften aber kaum entlastet.
Die globalen Auswirkungen des Konflikts sind weitreichend. In Washington zeigte sich die US-Notenbank tief gespalten: Eine Minderheit der Fed-Mitglieder forderte, die Zinssenkungserwartungen aufzugeben, da die Ölpreisschocks die Inflation wieder anheizen. Der regionale Rohölpreis Tapis in Australien erreichte ein neues Kriegshoch, weshalb die Regierung in Canberra über eine Verlängerung der Steuersenkung auf Treibstoff nachdenkt, die Ende Juni ausläuft. Gleichzeitig bleibt die Lage im Indischen Ozean angespannt: Indiens Marine patrouilliert verstärkt, um die eigenen Energieimporte zu sichern, während die Regierung in Neu-Delhi darüber berät, ob sie die seit vier Jahren eingefrorenen Preise für Benzin und Diesel anheben muss. Die staatlichen Raffinerien verbuchen nach jüngsten Angaben Verluste von umgerechnet zwanzig Rupien pro Liter Benzin und knapp hundert Rupien pro Liter Diesel – eine Subvention, die Haushalte schützt, aber die Staatskasse zunehmend belastet.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Indien seinen sozialen Frieden aufrechterhalten kann, ohne die Energiepreise weiter zu entfesseln. Analysten erwarten, dass der Rohölpreis, der im April durchschnittlich über 114 Dollar pro Barrel lag, bis zum Herbst auf 130 Dollar steigen könnte, sollte die Blockade der Hormus-Strasse anhalten. Für die Luftfahrt bedeutete dies eine Existenzkrise, für die kleinen Gastronomen in Mumbai, Delhi und anderswo eine zweite Welle der Verarmung. Die Regierung steht vor der Wahl, entweder die globale Teuerung an die Bürger weiterzugeben oder die Haushaltsdefizite drastisch auszuweiten. Während die Weltmärkte auf eine diplomatische Lösung hoffen, herrscht in den indischen Küchen und Flughäfen längst der Ausnahmezustand.
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