
Drogenkartelle unter Druck: Rekordmengen Kokain beschlagnahmt – und Kolumbien sendet Hilfe nach Kuba
Während kolumbianische Fregatten in der Karibik 5,4 Tonnen Kokain abfingen und brasilianische Zöllner eine Chemikalienlieferung für 40 Tonnen des Rauschgifts entdeckten, erreichte ein kolumbianisches Marineschiff mit humanitärer Fracht das krisengeschüttelte Kuba.
Die kolumbianische Marine und die Fuerza Aeroespacial haben bei zwei Operationen in der Karibik 5.439 Kilogramm Kokainhydrochlorid sichergestellt. Zwei Schnellboote vom Typ „Go Fast“ wurden auf der Route nach Mittelamerika gestoppt, die als Sprungbrett für Märkte in Nordamerika und Europa dient. An Bord der ersten, von der Fregatte ARC Almirante Padilla und Aufklärern der JIATFS gestoppten Embarcation, befanden sich vier Kolumbianer und ein Honduraner mit 161 Ballen von 4.049 Kilogramm Reinstoff. Eine zweite Abfangaktion erbrachte weitere 1.390 Kilogramm. Aus südamerikanischer Sicht ist dies einer der größten Schläge gegen die maritime Logistik der Kartelle in diesem Jahr.
Zeitgleich führte Brasilien einen Schlag gegen die vorgelagerte Chemieversorgung: In Corumbá an der bolivianischen Grenze entdeckten Steuer- und Straßenkontrollbehörden einen Sattelzug mit 20 Tonnen Ethylacetat – genug, um bis zu 40 Tonnen Kokain zu synthetisieren. Die Ladung war weder dokumentiert noch bewilligt. In São Paulo-Guarulhos verhaftete die Polícia Federal einen Flughafenmitarbeiter, der 70 Kilo mit dem Brandstempel „Blessed“ versehene Kokainziegel in einem Überseekoffer verstecken wollte. Im Hinterland von Caçapava wiederum nahm die Militärpolizei einen 27-Jährigen fest, der in seinem Wagen hunderte verkaufsfertige Portionen Kokain, Crack und Marihuana mitführte – seine Partnerin und das Kind auf den Rücksitzen. Diese Fälle belegen Brasiliens Doppelrolle als Transitdrehkreuz für Vorprodukte und als wachsender Binnenkonsummarkt.
Mit einem völlig anderen Auftrag lief am selben Tag das kolumbianische Marineschiff ARC Caribe in den Hafen von Havanna ein. An Bord befanden sich Hilfsgüter für die unter schwerer Wirtschafts- und Energiekrise leidende Insel. Seit Ende Januar lasten verschärfte US-Sanktionen auf Kuba; nur ein russischer Tanker war seither eingelaufen. In der lateinamerikanischen Öffentlichkeit signalisiert Bogotá damit eine doppelte Agenda: intensive Sicherheitskooperation mit Washington einerseits und solidarische Regionalpolitik andererseits.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz sind die auf See und zu Lande beschlagnahmten Mengen ein Warnsignal. Die Lieferketten führen von den Kokafeldern der Anden über brasilianische Häfen und westafrikanische Umschlagplätze mitten in die deutschen Großstädte. Rekordsicheraktionen können zwar kurzzeitig Engpässe schaffen, vermögen die hohen Gewinnmargen jedoch kaum nachhaltig zu drücken. Die Gleichzeitigkeit von repressiven Fahndungserfolgen und humanitärer Diplomatie verweist darauf, dass eine wirksame Gegenstrategie zwingend entwicklungspolitische Zusammenarbeit und regionale Stabilitätsprojekte einschließen muss.
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