
Irans Präsident trifft verletzten Obersten Führer – Trump droht mit neuen Angriffen
Nach wochenlanger Abwesenheit meldet sich der neue iranische Führer Khamenei zurück. Teheran dementiert schwere Verletzungen, Washington verschärft den Druck.
Der iranische Präsident Massud Peseschkian hat erstmals seit dem israelisch-amerikanischen Angriff Ende Februar ein Treffen mit dem Obersten Führer Modschtaba Chameini bestätigt. Die Unterredung sei in einer Atmosphäre der Offenheit und des Vertrauens verlaufen, sagte Peseschkian vor Handwerkern im Industrieministerium. Chameini habe einen demütigen und herzlichen Eindruck hinterlassen – eine Schilderung, die in scharfem Kontrast zu den Spekulationen westlicher Geheimdienste über seinen Gesundheitszustand steht. Drei mit der Sache vertraute Quellen hatten Reuters zuvor berichtet, der Führer leide noch immer unter schweren Gesichts- und Beinverletzungen, die er bei dem Luftangriff erlitt, der seinen Vater tötete. Aus Washingtoner Sicht gelten die jüngsten Angaben Teherans als Versuch, die Handlungsfähigkeit des Regimes zu demonstrieren. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte von einer „Entstellung“ Chameinis gesprochen.
Präsident Donald Trump drohte unterdessen mit einer Wiederaufnahme der Bombardierungen, sollte Teheran ein von Pakistan vermitteltes Abkommen ausschlagen. Zugleich räumte Trump ein, in den letzten 24 Stunden „sehr gute Gespräche“ mit dem Iran geführt zu haben, ohne eine Frist für die Antwort der Islamischen Republik zu nennen. Die widersprüchlichen Signale aus Washington lassen Beobachter in Teheran rätseln, ob es Trump um eine militärische Eskalation oder doch um eine diplomatische Lösung geht. Aus Teheraner Sicht steht die Regierung unter Druck, die eigene Bevölkerung zu beruhigen und zugleich die neue amerikanische Friedensinitiative zu prüfen, deren Inhalt noch nicht öffentlich bekannt ist.
In Peking, das als wichtigster Abnehmer iranischen Öls ein Schlüsselinteresse an Stabilität hat, verfolgt man die Entwicklung mit wachsender Sorge. Eine weitere Zuspitzung des Konflikts könnte die Energieversorgung Chinas gefährden und die globalen Märkte erschüttern. Für den deutschsprachigen Raum – allen voran Deutschland, Österreich und die Schweiz – stellt sich die Frage, ob eine offene Kriegskonfrontation noch abwendbar ist. Die Europäische Union, die sich in den vergangenen Wochen um Vermittlung bemühte, dürfte angesichts des neuerlichen Säbelrasselns aus Washington und der brüchigen Signale aus Teheran vor einer ihrer größten diplomatischen Prüfungen seit Jahren stehen.
Die Begegnung zwischen Peseschkian und Chameini könnte ein erster Schritt zur Rückkehr an die Verhandlungstische sein – oder lediglich der Versuch, die eigene Machtfülle nach innen zu demonstrieren. Dass der Oberste Führer überhaupt in der Lage war, ein fast zweieinhalbstündiges Gespräch zu führen, mag ein Indiz für eine gewisse Stabilität sein. Doch die nächsten Tage werden zeigen, ob Teheran das amerikanische Angebot annimmt oder ob Trumps Drohungen die Region in eine weitere Eskalationsspirale treiben.
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