
Erste Weltkonferenz zur Abkehr von fossilen Brennstoffen beginnt in Kolumbien
In der kolumbianischen Karibikstadt Santa Marta hat am Freitag die erste internationale Konferenz zur Abkehr von fossilen Brennstoffen begonnen. Rund 50 Länder, darunter die Niederlande als Mitausrichter, sowie subnationale Regierungen und zivilgesellschaftliche Akteure wollen bis zum 29. April einen Fahrplan für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas erarbeiten. Die Zusammenkunft ist Ausdruck einer wachsenden Frustration über die blockierten UN-Klimaverhandlungen, die es bislang nicht vermocht haben, die Produktion fossiler Energieträger direkt anzugehen. Ursprünglich als mutiges, aber randständiges Vorhaben konzipiert, hat die Konferenz durch die jüngste Eskalation im Nahen Osten und die Schließung der Straße von Hormus eine unerwartete Dringlichkeit erhalten. Die schwerste Energiekrise seit Jahrzehnten verleiht dem multilateralen Vorstoß eine pragmatische Note – die Frage ist nicht mehr, ob die Transition gelingen muss, sondern wie.
Aus Washingtoner Sicht bleibt die Haltung der USA ambivalent, zumal die Trump-Administration sich aus dem Pariser Abkommen zurückgezogen hat und fossilen Produzenten weitgehend freie Hand lässt. In Peking beobachtet man den Prozess mit Skepsis: China, der größte Emittent, ist nicht unter den Teilnehmern; ebenso fehlt Indien, dessen Regierung nach Angaben der niederländischen Klimadiplomatie nicht einmal eine Einladung erhielt. Die so genannte Koalition der Willigen setzt sich vornehmlich aus kleineren und mittleren Staaten sowie europäischen Ländern zusammen. Aus Berliner und Wiener Sicht ist die Konferenz dennoch bedeutsam: Sie könnte Impulse für die nationale Energiewende liefern, die in Deutschland und Österreich zuletzt an Tempo verloren hat. Die Schweiz, die ebenfalls auf erneuerbare Energien setzt, verfolgt die Gespräche mit Interesse, zumal die Alpenrepublik stark von Importen fossiler Rohstoffe abhängig ist.
Der Erfolg des Gipfels wird sich daran messen lassen müssen, ob er über Absichtserklärungen hinaus konkrete Maßnahmen hervorbringt. Die Organisatoren setzen auf den Austausch erfolgreicher Beispiele für den Umbau der Energiesysteme, etwa aus Ländern wie Costa Rica oder Dänemark, die bereits einen hohen Anteil erneuerbarer Energien vorweisen können. Experten warnen jedoch, dass ohne die Mitwirkung der großen Produzenten und Konsumenten fossiler Brennstoffe – von Saudi-Arabien bis Indien – jede Roadmap Stückwerk bleibe. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der kolumbianische Vorstoß den globalen Klimadiskurs wiederbeleben oder als weiterer Beleg für die Fragmentierung der internationalen Umweltpolitik in die Geschichte eingehen wird. Was aus deutschsprachiger Perspektive besonders zählt: Die Konferenz bietet die Gelegenheit, die Versäumnisse der vergangenen Klimakonferenzen zu korrigieren und einen realistischen, aber ambitionierten Pfad für die Post-Öl-Ära zu skizzieren.
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