
Wirtschaftliche Talfahrt: Russische Tourismusbranche bricht ein, britische Pubs schließen massenhaft
Im ersten Quartal 2026 melden Russland und Großbritannien drastische Geschäftsschließungen. In Russland steigen Liquidationen von Reisebüros um 34 Prozent, während in Großbritannien täglich zwei Pubs schließen.
Die wirtschaftlichen Verwerfungen des Jahres 2026 hinterlassen tiefe Spuren in zwei ganz unterschiedlichen Branchen: dem russischen Tourismussektor und der britischen Pub-Kultur. In den ersten drei Monaten des Jahres wurden in Russland 1200 Reiseveranstalter liquidiert – ein Anstieg um 34,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie der Dienst „Kontur.Fokus“ ermittelte. Der Rückgang im Vorjahr, der noch eine leichte Erholung signalisiert hatte, ist damit vollständig zunichte gemacht. Aus Moskauer Sicht sind die Ursachen vielschichtig: Die russische Zentralbank verzeichnet zugleich einen sprunghaften Anstieg unseriöser Finanzgeschäfte. 1400 Unternehmen mit Anzeichen illegaler Tätigkeit wurden entdeckt, darunter 656 Scheininvestitionsprojekte und Finanzpyramiden, neun Prozent mehr als im vierten Quartal 2025. Die Behörden sperrten über 7400 Internetseiten solcher Anbieter, ein Zeichen für die zunehmende Verunsicherung der Bevölkerung, die nach alternativen Geldanlagen sucht, während die offizielle Wirtschaft schwächelt.
Die Ursachen für den Tourismus-Einbruch sind indes nicht rein hausgemacht. Die Eskalation im Nahen Osten hat die Zahl der internationalen Flüge aus Russland drastisch reduziert, und viele Reiseziele in der Region sind für russische Touristen gesperrt. Gleichzeitig ging die Nachfrage nach Inlandsreisen zurück. Die nominellen Ausgaben für Tourismus fielen im April laut „SberIndex“ um bis zu neun Prozent. Dass der russische Staat zusätzlich die Hürden für Ausländer erhöht, verschärft die Lage: Mehr als 8300 Aufenthaltstitel wurden im ersten Quartal annulliert, ein Plus von 90 Prozent. Die Zahl ausländischer Personen mit gültiger Aufenthaltserlaubnis sank um ein Drittel auf 72.600. Beobachter in Brüssel werten dies als Teil einer Abkapselungspolitik, die den Wirtschaftsstandort Russland weiter schwächt.
Ganz anders, aber nicht weniger bedrohlich, ist die Entwicklung im Vereinigten Königreich. Dort schlossen in den ersten drei Monaten des Jahres 161 Pubs – durchschnittlich zwei pro Tag, ein Anstieg von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Etwa 2400 Arbeitsplätze gingen verloren, besonders betroffen sind junge Beschäftigte. Aus Londoner Perspektive sind die gestiegenen Steuern und regulatorischen Auflagen die Haupttreiber. Schon 2025 waren 336 Pubs aufgegeben worden, und in den letzten Jahren verschwanden über 2000 traditionsreiche Lokale. Während in Russland die staatlichen Kontrollen zunehmen, setzt die britische Regierung auf eine Mischung aus Entlastungsversprechen und strukturellen Anpassungen – mit bisher mäßigem Erfolg.
Für den deutschsprachigen Raum ergeben sich aus beiden Entwicklungen Lehren. Die deutschen und österreichischen Tourismusbranchen, die stark vom russischen Geschäft profitieren, spüren bereits die Nachfrageflaute. Schweizer Finanzaufsichtsbehörden beobachten mit Sorge, dass sich die in Russland florierenden Pyramidensysteme auch auf europäische Märkte ausweiten könnten. Und das britische Pub-Sterben mahnt zur Wachsamkeit: In Deutschland und Österreich kämpfen ebenfalls viele Gaststätten mit steigenden Kosten. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Regierungen in Moskau und London gegensteuern können – oder ob weitere Wirtschaftszweige in den Sog der Krise geraten.
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