
Mexiko fällt im US-Handelsdefizit hinter Vietnam und Taiwan zurück
Die Einfuhren aus sechs asiatischen Volkswirtschaften stiegen im ersten Halbjahr um 47 Prozent, während Mexikos Exporte zwar Rekordhöhe erreichten, aber an relativem Gewicht verloren.
Das Handelsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten im Waren- und Dienstleistungsverkehr verringerte sich im Juni um 5,6 Prozent auf 73,3 Milliarden Dollar, da die Importe erstmals in diesem Jahr zurückgingen. Hinter dem aggregierten Rückgang verbirgt sich jedoch eine markante Verschiebung: Mexiko, das lange Zeit nach China das zweitgrößte bilaterale Defizit der USA aufwies, fiel im ersten Halbjahr 2026 auf den dritten Platz zurück. Mit 102,6 Milliarden Dollar lag das Defizit nun hinter Vietnam (114 Milliarden) und Taiwan (107,2 Milliarden). Mexikos Ausfuhren in die USA erreichten zwar mit 298,2 Milliarden Dollar ein Rekordhoch und wuchsen um 13 Prozent, doch die Importe aus mehreren asiatischen Ländern expandierten weit schneller.
Die asiatischen Zuwächse sind bemerkenswert: Taiwans Lieferungen stiegen um 67 Prozent, Thailands um 72, die Philippinen um 50, Vietnam um 40, Malaysia um 35 und Südkorea um 21 Prozent – und das in einem US-Markt, dessen Gesamtimporte um 1,1 Prozent schrumpften. Zusammen wuchsen die Einfuhren aus diesen sechs Volkswirtschaften um 47 Prozent. Als Treiber gelten die Unsicherheit über die Zollpolitik und die Nachfrage nach Ausrüstung für künstliche Intelligenz. Unternehmen zogen Importe vor, um sich vor den im Juli angepassten Zöllen einzudecken. Zudem sind laut dem Ökonomen Michael Waugh rund 69 Prozent der KI-bezogenen Importe zollfrei, mit einem effektiven Satz von nur 4,5 Prozent, verglichen mit 12,1 Prozent für andere Güter.
Mexiko profitiert zwar vom zollfreien Zugang unter dem T-MEC, doch die damit verbundenen Ursprungsregeln und Dokumentationspflichten machen die Ausfuhren aufwendiger als die einfache Verzollung asiatischer Lieferungen. Zudem konzentriert sich das mexikanische Exportwachstum stark auf Computerausrüstung, die eine geringere inländische Wertschöpfung und wirtschaftliche Streuung aufweist als etwa die Automobilindustrie. Die Ökonomin Gabriela Siller von Banco Base schätzt, dass ohne diese Kategorie das Wachstum der mexikanischen Ausfuhren nur bei etwa 5 Prozent läge. Die Abhängigkeit von asiatischen Vorprodukten macht Mexiko zudem anfällig für strengere Ursprungsregeln im Rahmen der T-MEC-Überprüfung.
Die US-Regierung hat das Handelsabkommen mit Mexiko und Kanada nicht verlängert und strebt stattdessen jährliche Überprüfungen an, was die Unsicherheit für Unternehmen erhöht. Gleichzeitig laufen Untersuchungen zu Überkapazitäten in 16 weiteren Ländern, die zu neuen Zöllen führen könnten. Die nächste Wegmarke ist daher die anstehende jährliche Überprüfung des T-MEC sowie mögliche weitere Zollentscheidungen, die die Handelsströme erneut verschieben könnten.
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