
Miranda Priestlys zweiter Akt: Meryl Streep sucht Schönheit in Italien, Anne Hathaway findet sie in sich selbst
Rund zwanzig Jahre nachdem Miranda Priestly mit einem vernichtenden Blick über die Laufstege der Modewelt fegte, kehrt die Figur auf die Leinwand zurück – und vieles ist anders. In der globalen Pressekonferenz zu „Der Teufel trägt Prada 2“, der am 29. April in die Kinos kommt, beschrieb Meryl Streep ihre Titelheldin nicht mehr nur als brillante, schneidende Diva, sondern als eine Frau, die inmitten des digitalen Umbruchs plötzlich fragil wirkt. „Heute fühlt sie sich in Gefahr“, gab die dreifache Oscarpreisträgerin zu Protokoll – ein Satz, der aus dem Mund von Miranda Priestly fast subversiv klingt und doch den Kern des Sequels trifft. Die Unangreifbarkeit von einst ist einer tastenden Suche nach dem Schönen gewichen, das sich nicht länger in der Perfektion einer Hochglanzseite erschöpft.
Diese Suche verlegt das filmische Geschehen tief nach Italien. War der erste Teil noch zwischen den Wolkenkratzern New Yorks und den Boulevards von Paris angesiedelt, rücken nun die Mailänder Modewoche und das Comer Seeufer ins Zentrum. Aus italienischer Perspektive, wie sie etwa ein römischer Chronist einnimmt, wird das Land damit zur eigentlichen Kulisse einer Neuerfindung. Villa Arconati, die „kleine Versailles“ vor den Toren Mailands, dient als verschwenderische Traumwelt; eine Suite, die achttausend Euro die Nacht kosten soll, beherbergt Miranda Priestly im Angesicht des Sees. Für das deutschsprachige Publikum in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das kein bloßes Dekor. Der Comer See zählt seit Generationen zu den Sehnsuchtsorten einer bildungsbürgerlichen Italienreise, und die Verquickung von Mode, Landschaft und Historie dürfte den touristischen Sog noch einmal verstärken – schon jetzt planen Veranstalter thematische Touren auf den Spuren des Filmteams.
Zeitgleich zu dieser geografischen Verschiebung wird eine andere Protagonistin auf neue Weise sichtbar. Anne Hathaway, die als Andrea Sachs einst liebenswert-tollpatschig in Priestlys Orbit stolperte, wurde vom US-Magazin „People“ zur „schönsten Frau der Welt“ gekürt. Aus amerikanischer Sicht ist das eine Auszeichnung, die weit über das Cover hinausweist. Hathaway selbst brach in den begleitenden Interviews mit einer erfrischend unglamourösen Definition von Schönheit: Ein Filmemacher habe ihr einmal gesagt, Schönheit könne Hässlichkeit enthalten, solange sie Wahrheit enthalte. In diesem Diktum klingt an, was auch die reifere Miranda Priestly umtreibt – ein Authentizitätsideal, das in der Ära der Künstlichen Intelligenz und der perfekt gefilterten Feeds eine kaum zu überschätzende Anziehungskraft entfaltet.
So nüchtern sich die Branche auch gewandelt hat, der Glamour bleibt intakt. Dass die Fortsetzung nicht leichtfertig in ein reines Nostalgiestück abgleitet, liegt an dieser doppelten Aufmerksamkeitsverschiebung: nach Italien als Seismograf einer kulturellen Sehnsucht nach dem Analogen und Handfesten, und hin zu einem neuen Schönheitsbegriff, der die Kerben des Lebens nicht mehr kaschiert. Aus Pariser und Mailänder Modehäusern ist zu vernehmen, dass man mit Spannung auf die Wirkung der Bilder wartet; die Luxusindustrie am Comer See hat bereits leise Anfragen für die Drehorte registriert. Der Film startet in einer Zeit, in der gedruckte Modemagazine längst selbst unter existenziellem Druck stehen – und in der eine verwundbare Miranda Priestly vielleicht mehr über den Zustand der Branche erzählt als jede geflüsterte Bosheit, mit der sie einst ihre Redaktion erzittern ließ. Wenn das Kino also Ende April seine Pforten öffnet, dann nicht nur für eine Stilstudie, sondern für eine Momentaufnahme einer ganzen Branche, die sich zwischen Krise und Wiedergeburt neu vermessen muss.
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