
Gold auf Rekordhoch, Öl stürzt ab: Hoffnung auf Frieden zwischen USA und Iran bewegt die Märkte
Spekulationen auf ein Abkommen zwischen Washington und Teheran lassen den Ölpreis einbrechen und treiben Gold auf neue Höhen. Die Risikoprämie schmilzt.
Die Rohstoffmärkte erleben dieser Tage eine dramatische Neubewertung. Ausgelöst durch vorsichtige Signale aus Washington und Teheran, dass ein umfassendes Friedensabkommen in greifbare Nähe rücken könnte, ist der Preis für Rohöl der Sorte Brent am Mittwoch zeitweise unter die psychologisch wichtige Marke von hundert Dollar gefallen – ein Rückgang von mehr als zehn Prozent innerhalb weniger Tage. Gleichzeitig schoss der Goldpreis auf ein Mehrwochenhoch von über 4700 Dollar je Feinunze, getragen von einem schwächeren Dollar und sinkenden Renditen bei Staatsanleihen. Die Märkte wetten auf eine grundlegende Entspannung im Nahen Osten.
Den unmittelbaren Anstoß gab eine überraschende Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die als „Project Freedom“ bekannte militärische Begleitmission für Handelsschiffe durch die Straße von Hormus vorläufig auszusetzen. Aus Washingtoner Sicht ist dies ein Vertrauensvorschuss an die iranische Führung: Man habe bei den Verhandlungen substanzielle Fortschritte erzielt, so Trump. Nach Berichten des Portals Axios liegt ein kurzer Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) zur Prüfung in Teheran vor, das den Krieg formell beenden und den Rahmen für spätere Gespräche über das iranische Atomprogramm abstecken soll. Beobachter in Peking und Moskau verfolgen die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit, da eine Wiederaufnahme der vollen Öllieferungen aus der Golfregion die weltweite Energieversorgung grundlegend verändern würde.
Die Reaktion der Anleger fiel zunächst euphorisch aus, doch Analysten mahnen zur Vorsicht. Die Risikoprämie, die wochenlang auf den Ölpreisen lastete, ist zwar rapide geschmolzen, doch das Abkommen ist noch nicht unterzeichnet. „Der Markt hat überreagiert“, warnt ein Rohstoffexperte der Bank Awanada. „Alles kann noch scheitern.“ Der iranische Außenminister bestätigte, dass man das amerikanische Angebot prüfe, ohne konkrete Zusagen zu machen. Zugleich bleiben die Ölreserven in den USA knapp: Die Rohöllagerbestände sanken die dritte Woche in Folge um mehr als acht Millionen Barrel, was den Preisdruck auf längere Sicht erhöhen könnte.
Für die deutschsprachige Volkswirtschaften sind die jüngsten Entwicklungen ein zweischneidiges Schwert. Ein niedrigerer Ölpreis entlastet die Energieimporteure in Deutschland, Österreich und der Schweiz und mildert den Inflationsdruck, was wiederum der Europäischen Zentralbank Spielraum für eine lockerere Geldpolitik geben könnte. Gleichzeitig bleibt der Goldpreis auf hohem Niveau, getrieben von der anhaltenden Unsicherheit über die endgültige Ausgestaltung eines Abkommens und die nuklearen Ambitionen Teherans. In den kommenden Tagen wird sich entscheiden, ob die vorsichtige Annäherung tatsächlich in einen dauerhaften Frieden mündet – oder ob die geopolitische Risikoprämie ebenso schnell zurückkehrt, wie sie verschwunden ist.
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