
Pekings KI-Offensive: DeepSeek lockt Milliarden – und signalisiert Dialog mit Washington
Chinesisches KI-Startup DeepSeek öffnet sich erstmals externen Investoren, Bewertung bis zu 50 Milliarden Dollar. Parallel loten Peking und Washington formelle Gespräche aus.
Der chinesische KI-Entwickler DeepSeek, bekannt für seine leistungsstarken Sprachmodelle, stellt seine jahrelange Strategie der Finanzierungsunabhängigkeit auf den Kopf. Wie mit der Sache vertraute Personen berichten, bereitet das Start-up seine erste externe Kapitalrunde vor, bei der eine Bewertung von bis zu 50 Milliarden Dollar im Raum steht. Drei bis vier Milliarden Dollar sollen eingesammelt werden, um die Rechenkapazitäten auszubauen und die Mitarbeitervergütung zu verbessern. Als möglicher Lead-Investor verhandelt der im Januar gegründete chinesische Nationale KI-Fonds mit einem Kapital von umgerechnet 8,8 Milliarden Dollar. Auch der Technologiekonzern Tencent führt Gespräche, die vom DeepSeek-Gründer Liang Wenfeng persönlich geleitet werden. Der Schritt signalisiert eine strategische Neuausrichtung: Statt sich wie bisher selbst zu finanzieren, setzt das Unternehmen nun auf die Schlagkraft staatlicher und privater Partner, um im globalen Wettlauf um künstliche Intelligenz nicht den Anschluss zu verlieren.
Aus Pekinger Sicht ist dies mehr als ein Unternehmensdeal. Die Aufnahme externer Mittel unter Beteiligung des Staatsfonds fügt sich in ein größeres Muster: Die Führung in Peking strebt danach, die heimische KI-Industrie zu konsolidieren und gleichzeitig technologische Autarkie zu demonstrieren. Vor diesem Hintergrund gewinnt eine zweite Entwicklung an Bedeutung, die parallel aus Washington und Peking gemeldet wird. Nach Informationen des Wall Street Journal prüfen beide Regierungen, formelle Gespräche über künstliche Intelligenz aufzunehmen. Ein mögliches Forum dafür wäre das bevorstehende Treffen der Präsidenten Trump und Xi in Peking. Auf amerikanischer Seite soll Finanzminister Scott Bessent die Leitung übernehmen; China hat seinen Verhandlungsführer noch nicht benannt. Die Initiative kommt, obwohl das Weiße Haus Peking zuvor vorgeworfen hatte, in industriellem Ausmaß geistiges Eigentum amerikanischer KI-Labore zu stehlen.
Für Beobachter in Berlin, Wien und Bern ergibt sich ein ambivalentes Bild. Einerseits bestätigt der Milliardenzufluss für DeepSeek, dass China massiv in die eigene KI-Infrastruktur investiert – ein Umstand, der den Druck auf die europäische Technologiepolitik erhöht, eigene Kapazitäten aufzubauen und regulatorische Rahmenbedingungen zu schaffen, die Innovation nicht abwürgen. Andererseits deuten die Sondierungsgespräche zwischen den USA und China auf ein vorsichtiges Tasten nach kooperativen Spielregeln hin, was auch für die deutschsprachigen Länder als Exportnationen und Technologiepartner von Bedeutung wäre. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich die Signale aus Peking und Washington zu einer ernsthaften Dialogstruktur verdichten oder ob die Rivalität weiter eskaliert. Klar ist: DeepSeek hat mit seiner Kehrtwende nicht nur einen Meilenstein in der chinesischen KI-Finanzierung gesetzt, sondern auch ein geopolitischen Signal ausgesandt, das weit über den Kapitalmarkt hinausreicht.
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