
Putin geißelt frühere IOC-Führung als schändlich und feige – Kreml zeichnet Boxer aus
In einer mit ungewöhnlicher Schärfe vorgetragenen Rede hat Russlands Präsident Wladimir Putin das frühere Führungspersonal des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) scharf attackiert. Bei einer Zeremonie im Kreml, in der er Spitzensportler und Funktionäre des heimischen Boxverbandes mit Staatsorden auszeichnete, nannte Putin das Verhalten der vormaligen IOC-Spitze „schändlich, ja feige“ und warf ihr vor, dem olympischen Gedanken durch politisch motivierte Entscheidungen schweren Schaden zugefügt zu haben. Aus Moskauer Sicht handelt es sich um eine gezielte Abrechnung mit der Ära von IOC-Präsident Thomas Bach, dessen Amtszeit von Sanktionen gegen russische Athleten wegen des Ukraine-Krieges geprägt war.
Putin beklagte insbesondere die „selektiven Strafmaßnahmen“ gegen russische Sportler, die unter dem Vorwand verhängt worden seien, dass Moskau Menschen und Interessen im Rahmen des Konflikts schütze. Dabei, so der Präsident weiter, ignoriere das IOC bewusst „ähnlich tragische“ bewaffnete Auseinandersetzungen in anderen Teilen der Welt. Diese Argumentation, die auf eine grundsätzliche Infragestellung der westlich dominierten Sportpolitik hinausläuft, findet in Peking und anderen Hauptstädten des Globalen Südens durchaus Resonanz – ein Umstand, der die ohnehin angespannte Debatte über die politische Neutralität des Sports weiter anheizt.
Die Ehrung von Boxern im feierlichen Rahmen des Ekatrineninensaals ist indes mehr als eine Geste: Unter den Ausgezeichneten befand sich Umar Kremlew, der sowohl den russischen Boxverband führt als auch die International Boxing Association (IBA) leitet – ein Verband, der vom IOC wegen anhaltender Governance-Probleme nicht anerkannt wird. Für Beobachter in Brüssel, Berlin und Bern ist der Auftritt ein weiteres Indiz dafür, dass der Kreml den Sport als Bühne für innenpolitische Mobilisierung und außenpolitische Symbolik nutzt. Die eigentliche Frage aber lautet, ob das neue IOC-Führungsteam, das sich im nächsten Jahr konstituieren wird, den von Putin geforderten Kurswechsel vollziehen kann.
Die Aussichten sind gering. Die westlichen Sportnationen, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz als Sitz von Olympia und zahlreichen Verbänden, beharren auf der Einhaltung von Sanktionen und ethischen Standards. Eine rasche Versöhnung zwischen Moskau und Lausanne erscheint daher unwahrscheinlich.
Stattdessen droht eine weitere Vertiefung des Grabens – ein Ergebnis, das dem olympischen Geist, den Putin zu verteidigen vorgibt, am Ende mehr schaden dürfte als die von ihm beklagte Politik seiner Vorgänger.
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