
Nolans „Odyssee“ entzweit Kritiker und beflügelt den Homer-Verkauf
Emily Wilson, deren Übersetzung Christopher Nolan inspirierte, verriss das Drehbuch – während das Epos die Bestsellerlisten stürmt.
Emily Wilson, die amerikanisch-britische Altphilologin, deren 2017er-Übersetzung der „Odyssee“ Christopher Nolan als Inspiration für seinen gleichnamigen Film diente, schrieb in der London Review of Books, sie würde sich schämen, „irgendeinen Teil dieses Drehbuchs geschrieben zu haben“. Das Skript sei „miserabel“, die Figuren ohne „psychologische, emotionale, politische und ethische Tiefe“, und es fehle an „Motivation für ihre Handlungen oder Worte“. Wilson, deren Übersetzung Nolan selbst als Ausgangspunkt für die Figur des Odysseus (gespielt von Matt Damon) genannt hatte, fand auf der Leinwand nicht den „komplizierten Mann“ wieder, den sie übersetzt hatte.
Doch während die Gelehrte urteilte, der Film sei „ein aufwendiges Feuerwerk am 4. Juli – fast mit dem gleichen Maß an Erzählkunst und emotionaler Tiefe“, boomen die Verkäufe von Homers Epos. Die britische Marktforschungsfirma NielsenIQ verzeichnete einen Anstieg der Printverkäufe der „Odyssee“ um 1.400 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Übersetzung von Wilson – die sich ebenfalls stark verkauft – legte bei der Buchhandelskette Waterstones um über 1.000 Prozent zu. Auch verwandte Werke wie „Die Ilias“, Madeline Millers „Circe“ und Margaret Atwoods „Der Penelopiad“ erfuhren „signifikante“ Umsatzsteigerungen. Die Hörbuch-Suchanfragen auf Spotify schnellten um 310 Prozent hoch.
Der Kassenerfolg des Films ist indes unbestritten: Nach nur zwölf Tagen spielte „Die Odyssee“ weltweit 727,9 Millionen Dollar ein und ist damit der viert-erfolgreichste Film des Jahres 2026. Das Budget von 250 Millionen Dollar – Nolans bislang teuerster Film – scheint sich auszuzahlen. Richard Kendall, Dozent für Klassische Philologie an der University of Exeter, nannte den Verkaufsboom „fantastisch“ und warnte davor, das Phänomen nur auf den Film zu reduzieren: „Wenn das ein Gimmick ist, dann hält er seit über 2.000 Jahren an.“
Die Spaltung zwischen akademischer Kritik und populärem Erfolg nährt eine Debatte, die so alt ist wie die Klassiker selbst. In Italien schrieb L’Espresso, Nolan habe die Vorlage „verraten, aber kein Sakrileg begangen“ – und verwies darauf, dass schon Dante den Odysseus neu erfand. Wilson selbst räumte ein, dass der Film ein willkommener Nebeneffekt sei: „Die Odyssee“ locke das Publikum zurück ins Kino und möglicherweise auch zum Lesen. Ihre Teenager-Kinder hätten „eine gute Zeit“ im Kino gehabt. Der Vorhang fällt über einem Bild, das die Altphilologin zeichnete: ein Spektakel, das blendet, aber nicht bewegt – und dennoch eine uralte Geschichte in neue Hände legt.
| Lateinamerikanische Presse | −0.60 | critical |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | +0.10 | neutral |
| Russische & GUS-Presse | +0.90 | aligned |
| Südostasiatische Presse | +0.80 | aligned |
The blockbuster box office is undeniable, but the film fails where it matters most: the script. The very translator Nolan relied on denounces the adaptation as shallow and embarrassing, stripping the epic of its psychological and ethical depth. Critics and audiences may flock to theaters, but the true guardians of Homer's legacy are appalled.
The film sparks debate about the meaning of the Odyssey itself: is it a homecoming story or a commentary on how we treat outsiders? While some critics decry Nolan's liberties, others see them as a necessary betrayal that keeps the myth alive. The controversy ultimately reflects Europe's own struggle with migration and cultural identity.
A triumph of spectacle and global appeal: Nolan's Odyssey crosses the $700 million mark in just 12 days, dominating the box office. The numbers speak for themselves, confirming the director's Midas touch. Any artistic criticism is secondary to this commercial victory.
Beyond the box office, the film is rejuvenating interest in classical literature. Sales of Homer's Odyssey have skyrocketed, and Emily Wilson's translation is flying off shelves. The true legacy may be a new generation of readers discovering the ancient epic.
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