
Ronaldo beflügelt Al-Nassr im Meisterrennen – und liefert sich einen Schlagabtausch mit Demiral
Cristiano Ronaldo hat Al-Nassr mit seinem 1:0-Führungstreffer im Spitzenspiel gegen Al-Ahli einen entscheidenden Schritt in Richtung erster saudischer Meisterschaft beschert. Der 41-jährige Portugiese traf per Kopf in der 76. Minute und legte damit den Grundstein für den 2:0-Erfolg, den Kingsley Coman in der Schlussminute besiegelte. Aus saudischer Perspektive rückt der Titel für den Tabellenführer damit in greifbare Nähe: Vier Spieltage vor Saisonende beträgt der Vorsprung auf Verfolger Al-Hilal acht Punkte, bei einem Spiel mehr der Konkurrenz. Al-Nassr benötigt nur noch acht der verbleibenden zwölf Punkte, um die Meisterschaft vorzeitig unter Dach und Fach zu bringen – ein Triumph, der Ronaldo nach seinem Wechsel im Januar 2023 den ersten großen Titel in der Wüste bescheren würde.
Doch das Spiel war nicht nur sportlich brisant. Nach dem Abpfiff eskalierte die Stimmung zwischen den Kontrahenten. Al-Ahli-Verteidiger Merih Demiral, der in dieser Saison mit seinem Klub die asiatische Champions League gewann, zeigte den Al-Nassr-Anhängern seine goldene Medaille und rief: „Zum ersten Mal liegt eine Champions-League-Medaille in ihrem Stadion.“ Aus deutscher Sicht berichtete Bild von verbalen Sticheleien, bei denen Demiral mehrfach zwei Finger in Richtung Ronaldo und der Al-Nassr-Bank reckte. Der Portugiese konterte, indem er den gegnerischen Fans fünf Finger entgegenhielt und an seine fünf Champions-League-Titel erinnerte – vier mit Real Madrid, einen mit Manchester United. Diese Geste, die in den sozialen Medien und von CNN Arabic aufgegriffen wurde, unterstrich den rivalisierenden Geist, der die saudische Liga zunehmend prägt.
Ronaldo selbst nutzte die Pressekonferenz nach der Partie, um grundsätzliche Kritik an Spielern zu üben, die sich über Schiedsrichter und die Organisation der Liga beschwerten. „Sie beklagen sich und übertreiben“, sagte er dem Sender Thmanyah. Solche Äußerungen schadeten dem Ruf des Wettbewerbs. Diese Haltung findet in der DACH-Region durchaus Gehör: Während die saudi-arabische Professional League mit Weltstars wie Ronaldo, Neymar oder Karim Benzema immer mehr internationale Aufmerksamkeit erhält, bleibt die Frage nach der sportlichen Integrität und dem Umgang mit Emotionen ein wiederkehrendes Thema. Aus Wiener Sicht ließe sich anmerken, dass die österreichische Bundesliga ähnliche Debatten um Schiedsrichterentscheidungen kennt, wenngleich auf einem anderen finanziellen Niveau.
Parallel zu diesen Ereignissen in Riad richtet sich der Blick in Nordafrika auf das tunesische Klassiker-Spiel zwischen Espérance Tunis und CS Sfaxien. In der tunesischen Profiliga geht es ebenfalls um die Meisterschaft: Espérance liegt als Zweiter drei Punkte hinter dem Spitzenreiter Club Africain, während Sfaxien als Dritter die letzte Chance auf den Titel wahren will. Obwohl der saudische Fussball mit seinen Milliardeninvestitionen medial dominiert, zeigt die tunesische Partie, dass auch traditionelle Ligen mit knappen Titelrennen und lokalen Rivalitäten bestehen. Für ein deutschsprachiges Publikum, das in der Schweiz oder in Österreich an enge Entscheidungen gewöhnt ist, bietet dieses Nebeneinander unterschiedlicher Fussballkulturen einen interessanten Kontrast.
Nach vorne blickend steht Al-Nassr vor einer entscheidenden Phase. Neben der Meisterschaft winkt am 16. Mai das Finale der AFC Champions League II gegen Gamba Osaka aus Japan, das im eigenen Stadion ausgetragen wird. Sollte Ronaldo beide Titel gewinnen, wäre dies nicht nur ein persönlicher Triumph, sondern auch ein Signal für die sportliche Etablierung der saudi-arabischen Liga als Machtfaktor im asiatischen Fußball. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Mannschaft unter dem Druck der doppelten Belastung bestehen kann – oder ob die hitzigen Wortgefechte mit Demiral & Co. die Konzentration stören.
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