
Russische Lenkbomben treffen Wohnhaus in Charkiw – Opferzahl steigt
Bei einem russischen Luftangriff auf ein Wohngebäude in Charkiw wurden mehrere Menschen getötet; während Kiew mit Drohnen Moskaus Ölinfrastruktur attackiert, stocken die US-geführten Verhandlungen.
Am frühen Samstagmorgen schlugen russische Lenkbomben im Kholodnohirskyj-Viertel der ostukrainischen Stadt Charkiw in ein niedriges Mehrfamilienhaus ein und verursachten schwere Zerstörungen. Nach Angaben des Bürgermeisters Ihor Terechow wurde zunächst eine Leiche aus den Trümmern geborgen; regionale Behörden korrigierten die Zahl der Todesopfer im Tagesverlauf auf mindestens fünf, darunter ein Kind. Neun Personen erlitten Verletzungen, fünf von ihnen mussten stationär behandelt werden. Bereits am Freitagabend hatte ein russischer Drohnenangriff auf ein Zivilfahrzeug in derselben Stadt einen Mann getötet und die Fahrerin verletzt. Moskau äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen.
Neben dem Angriff auf Charkiw wurden auch aus anderen Landesteilen schwere russische Luftschläge gemeldet. In den Außenbezirken von Sumy im Norden trafen Lenkbomben Wohnhäuser und töteten einen Zivilisten; im südöstlichen Saporischschja starben mindestens vier Menschen, sechs wurden verletzt. Die ukrainische Luftwaffe gab an, in der Nacht 92 von 99 anfliegenden russischen Drohnen abgefangen zu haben, doch sieben erreichten Ziele in drei Ortschaften. Das regionale Militärkommando sprach von insgesamt 887 russischen Artillerie- und Luftangriffen auf 47 Orte im Gebiet Saporischschja binnen 24 Stunden. Aus westlicher Sicht belegen diese Attacken eine unvermindert gegen die zivile Infrastruktur gerichtete Kriegsführung des Kreml.
Im Gegenzug intensivierte die Ukraine ihre Drohnenoffensive gegen russische Energieanlagen. Am Donnerstag traf ein Großangriff eine bedeutende Moskauer Ölraffinerie – bereits zum zweiten Mal innerhalb einer Woche –, was zu kilometerhohen Rauchsäulen und massiven Flugausfällen führte. Ein Drohnenangriff auf eine Raffinerie in Tjumen in Westsibirien wurde dagegen nach offiziellen russischen Angaben abgewehrt; Gouverneur Alexander Moor meldete keine Schäden. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, in der Nacht 177 ukrainische Drohnen abgeschossen zu haben, präzisierte jedoch nicht die Zahl der Einschläge. Zudem verübten ukrainische FPV-Drohnen einen Angriff auf den Ort Suzemka in der Region Brjansk, bei dem ein Zivilist starb und eine Frau verletzt wurde. Kiew verweist auf das legitime Ziel, Russlands Kriegsfinanzierung durch Schläge gegen die Ölwirtschaft zu unterminieren, und nimmt dabei Versorgungsengpässe im russischen Hinterland in Kauf.
Die jüngste Eskalationswelle vollzieht sich vor dem Hintergrund festgefahrener diplomatischer Bemühungen. Die von Washington vermittelten Gespräche über eine Waffenruhe liegen seit Wochen auf Eis, konkrete nächste Schritte sind nicht in Sicht. Während humanitäre Organisationen eine dramatisch verschlechterte Sicherheitslage für Zivilisten beiderseits der Frontlinien beklagen, deuten die militärischen Aktionen darauf hin, dass beide Seiten auf eine Fortsetzung des Abnutzungskriegs setzen. Die nächste Sitzung des UN-Sicherheitsrats zu humanitären Aspekten des Konflikts ist für die kommende Woche geplant, substanzielle Durchbrüche erwarten Beobachter nicht.
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