
Sonny Rollins, der letzte Koloss des Saxofons, ist tot
Mit dem 95-jährigen Jazz-Legende verstummt eine der letzten Stimmen des Bebop, deren Einfluss von New York bis Tokio und in den Musikhochschulen Europas nachhallt.
Am Montag, dem 25. Mai, starb Sonny Rollins im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in Woodstock, New York. Seine Sprecherin Terri Hinte bestätigte den Tod, nannte jedoch keine unmittelbare Ursache; der Musiker litt seit Jahren an einer Lungenfibrose, die ihn 2014 zum Rückzug von der Bühne gezwungen hatte. Mit ihm verliert die Musikwelt den vielleicht letzten Giganten jener goldenen Ära des Jazz, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Sound der Moderne prägte. Rollins, den man nach seinem epochalen Album von 1956 ehrfürchtig und doch ironisch den „Saxophone Colossus“ nannte, war ein Suchender, dessen Ton zwischen unbändiger Kraft und zarter Meditation oszillierte.
Der in Harlem geborene Sohn karibischer Einwanderer überwand in den 1950er Jahren eine Heroinabhängigkeit und trat danach in die produktivste Phase seiner Laufbahn ein. Er spielte mit Miles Davis, Thelonious Monk und Charlie Parker, formte den Hard Bop und wagte sich später an den Free Jazz. Legendär sind seine einsamen Übungsstunden auf der windumtosten Williamsburg Bridge – ein Rückzugsort, an dem er sein Spiel neu erfand und sich gegen jede Selbstgefälligkeit stemmte. „Viele wollten Jazzmusiker werden, aber es war eine Gabe“, sagte er einmal, und diese Demut spiegelte sich in seiner steten Weigerung, sich als vollendet zu betrachten.
Die internationale Presse würdigte ihn als eine der einflussreichsten Figuren der amerikanischen Musik. Während man in Washington seine Rolle als Bindeglied zwischen den Generationen hervorhob, erinnerte die französische Kritik an seine existenzielle Suche, die ihn zeitlebens fragen ließ: „Pourquoi suis-je encore là?“ Aus russischer Perspektive betonte man seine drei Grammy-Awards und die Zusammenarbeit mit den Rolling Stones, in China seine exzessiven Improvisationsmarathons. In Deutschland, Österreich und der Schweiz war Rollins regelmäßig Gast bei Festivals von Montreux bis Berlin, und noch heute gehören seine Aufnahmen zum Pflichtprogramm in den Jazzklassen der Konservatorien.
Mit seinem Tod schließt sich ein Kapitel des 20. Jahrhunderts, das musikalische Emanzipation und spirituelle Tiefe verband. Rollins selbst gab 2009 einen Ausblick, der über das Leben hinausweist: „Ich glaube, dass das kreative Wesen weiterbesteht – dieses Leben ist nicht das Ende von allem.“ In einer Zeit, in der der Jazz zunehmend museal wirkt, bleibt sein Vermächtnis als lebendiger Widerspruch: eine Einladung, die Improvisation als Haltung gegen Erstarrung zu begreifen – und das weit über die Grenzen Amerikas hinaus.
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Der Tod von Sonny Rollins bedeutet den Abschied von einer überragenden Figur, deren Persönlichkeit und rastlose Kreativität ihn über ein halbes Jahrhundert zu einem Giganten des Saxofons machten. Die Würdigungen heben seine essenziellen Aufnahmen und seine ständige Neuerfindung hervor und festigen seinen Platz unter den einflussreichsten Musikern des goldenen Jazzzeitalters der Nachkriegszeit.
Die europäische Kommentierung sieht Rollins als letzten Koloss des goldenen Jazzzeitalters, einen Improvisator, dessen überschäumende, zugängliche Kunst untrennbar mit einer Philosophie der Freiheit verbunden war. Die Kritik reflektiert seinen monumentalen und doch bescheidenen Ansatz und betrachtet sein Leben als Modell kreativer Integrität weit über die Musik hinaus.
Die israelische Berichterstattung verwebt Rollins' eigene Worte über das Jenseits mit der Nachricht und präsentiert seinen Tod nicht als Ende, sondern als Übergang in die nächste Existenz. Das Porträt betont seine spirituelle Seite und zeigt ihn als kreative Seele, deren Lebensreise über das Physische hinausgeht – eine ruhige, kontemplative Würdigung.
Russische Medien melden den Tod in einem trockenen, sachlichen Ton und zählen schnell seine drei Grammy-Auszeichnungen, die Arbeit an oscarprämierten Filmmusiken und die Zusammenarbeit mit den Rolling Stones auf. Die Darstellung liest sich wie ein offizieller Lebenslauf, ohne emotionale Würdigung, und beschränkt sich auf eine Auflistung von Erfolgen – ein distanzierter, pragmatischer Zugang.
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