
Spirit Airlines stellt Betrieb ein: Ein Billigflieger als erstes Opfer des Iran-Kriegs
Mit einer Tränen stimmlichen Durchsage verabschiedete sich der Pilot einer Spirit-Maschine in Chicago von seinen Passagieren – die Fluggesellschaft, die drei Jahrzehnte lang den amerikanischen Niedrigpreismarkt prägte, hatte soeben den letzten Flug absolviert. Am frühen Samstagmorgen stellte Spirit Airlines den Betrieb mit sofortiger Wirkung ein, nachdem ein letzter Rettungsversuch des Weißen Hauses gescheitert war. 17.000 Beschäftigte verlieren ihre Arbeit, Zehntausende Reisende sitzen an Flughäfen fest, an denen die Schalter verwaist sind und Kundendienst nicht mehr erreichbar ist.
Den unmittelbaren Anlass für das Ende lieferte der Krieg zwischen den USA und dem Iran, der die Kerosinpreise binnen Wochen auf mehr als 4,50 Dollar pro Gallone verdoppelte – ein Niveau, das das Geschäftsmodell des Billigfliegers pulverisierte. Spirit, das bereits im August 2025 zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres Gläubigerschutz beantragt hatte, verfügte über keine Reserven mehr, um die Explosion der Treibstoffkosten aufzufangen. Aus Washingtoner Perspektive wird nun politisch heftig gestritten: Verkehrsminister Sean Duffy machte die Blockade der Fusion mit JetBlue durch die Vorgängerregierung unter Joe Biden für den Zusammenbruch verantwortlich. Präsident Donald Trump hatte noch 500 Millionen Dollar Staatshilfe vorgeschlagen, doch Bondholder und Republikaner im Kongress verweigerten die Zustimmung.
Die Folgen des Kollapses reichen weit über die US-Grenzen hinaus. In Mexiko und Kanada, wo Spirit zahlreiche Verbindungen zu Urlaubszielen unterhielt, sind Reisende ohne Alternative gestrandet. Die großen US-Wettbewerber wie American Airlines, Delta und United haben vorübergehend Sondertarife aufgelegt, um die gestrandeten Passagiere aufzufangen – und signalisieren zugleich Interesse an den freigesetzten Fachkräften. In europäischen Hauptstädten blickt man mit Sorge auf die Entwicklung: Analysten der McGill University und anderer Institute warnen, dass Spirit nur das erste Opfer einer Kettenreaktion sein könnte, falls die Spannungen im Nahen Osten anhalten und der Rohölpreis auf 200 Dollar je Fass steigt. Insbesondere europäische Billigflieger wie Ryanair oder Wizz Air, aber auch die deutsche Lufthansa mit ihrem stark von Treibstoffkosten abhängigen Geschäft, stünden dann unter erheblichem Druck.
Bemerkenswert ist eine zivilgesellschaftliche Gegenbewegung: Ein ehemaliger Spirit-Passagier startete unter dem Namen „Spirit 2.0“ eine Crowdfunding-Initiative, um die Fluggesellschaft im Kollektiv zu kaufen – ein Ausdruck der Verbundenheit, die der härtesten Kritik zum Trotz besteht. Doch unabhängig vom Ausgang dieser Aktion zeichnet sich ab, dass die globale Luftfahrt vor einer Phase tiefgreifender Neuordnung steht. Der Fall Spirit ist ein Menetekel für eine Branche, die nun erkennen muss, dass geopolitische Verwerfungen die Grundfesten ihres Geschäftsmodells erschüttern.
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