
Wembanyama stiehlt MVP-Gala: Spurs bezwingen Thunder in doppelter Verlängerung
Victor Wembanyama überragt mit 41 Punkten und 24 Rebounds und führt die Spurs zum Auftaktsieg in den West-Finals – eine historische Nacht in Oklahoma City.
Die Finals der Western Conference der NBA begannen mit einem Kracher, der Erwartungen und Hysterie gleichermaßen übertraf: Die San Antonio Spurs bezwangen den Titelverteidiger Oklahoma City Thunder in der Nacht auf Dienstag mit 122:115 nach zwei Verlängerungen. Im Mittelpunkt stand Victor Wembanyama, der 7-Fuß-4-Franzose, der die Bühne nutzte, um seinem persönlichen Ritterschlag die Krone aufzusetzen. Mit 41 Punkten und 24 Rebounds lieferte der einstimmig zum Verteidiger des Jahres gewählte Rookie eine der geschichtsträchtigsten Vorstellungen in der Geschichte der Conference-Endspiele ab – und das ausgerechnet vor den Augen von Shai Gilgeous-Alexander, der vor dem Spiel zum zweiten Mal in Folge den MVP-Pokal in Empfang nehmen durfte.
Aus amerikanischer Perspektive markiert diese Serie den Höhepunkt einer neu erwachten Rivalität, die an die großen Duelle der Liga erinnert – und laut italienischen Beobachtern die beste seit den Bulls-Jazz der 1990er Jahre. Beide Teams hatten in der regulären Saison jeweils mindestens 60 Siege eingefahren, ein Novum seit 1998. Die Partie selbst lebte von atemberaubenden Einlagen: Wembanyama traf einen Drei-Punkte-Wurf von der Mittellinie zum Ausgleich, stopfte den Ball über Chet Holmgren und versetzte den Thunder mit einem entscheidenden Block in der zweiten Verlängerung den Todesstoß. Dabei mussten die Spurs auf De'Aaron Fox verzichten, der wegen einer Knöchelverletzung kurzfristig ausfiel – ein Ausfall, der die Leistung des Teams aus texanischer Sicht noch bemerkenswerter macht.
Doch nicht nur Wembanyama glänzte. Rookie Dylan Harper, der zweite Pick des Drafts 2025, unterstrich sein Talent mit 24 Punkten, elf Rebounds, sechs Assists und sieben Steals. Damit reihte er sich in einen elitären Kreis ein: Nur Magic Johnson hatte als Rookie zuvor eine Playoff-Partie mit mindestens 20 Punkten, zehn Rebounds, fünf Assists und fünf Steals abgeliefert – vor fast 50 Jahren. In der Thunder-Lager zeigte sich derweil die Kehrseite der Medaille: Nach einer ungeschlagenen ersten Playoff-Runde hatte man dem Druck der Spurs nicht standgehalten, auch weil Gilgeous-Alexander – so schien es – gegen Wembanyamas alles überragende Präsenz kein Rezept fand.
Die Serie, die nun nach San Antonio wechselt, verspricht dramatische Fortsetzung. Aus europäischer Perspektive, insbesondere mit Blick auf die französische Basketball-Community, ist Wembanyamas Aufstieg zum Gesicht der Liga kaum noch zu bremsen. Die Spurs haben gezeigt, dass sie auch ohne einen ihrer Leitwolf bestehen können, und die Thunder müssen sich neu erfinden. Die Frage nach dem weiteren Verlauf ist völlig offen – aber eines steht schon jetzt fest: Diese Western-Conference-Finals haben die Messlatte für Unterhaltung und Intensität höher gelegt als jede Serie der vergangenen Jahre.
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