
Trump-Arzt bescheinigt volle Einsatzfähigkeit – rät aber zu Diät und Bewegung
Der 79-jährige US-Präsident ist laut medizinischem Bericht körperlich und kognitiv voll leistungsfähig. Gleichzeitig wird ihm zu Gewichtsverlust und mehr Bewegung geraten. International stoßen die Ergebnisse auf Skepsis.
Am späten Freitagabend Washingtoner Zeit hat das Weiße Haus ein dreiseitiges Memorandum des Leibarztes von Präsident Donald Trump veröffentlicht. Nach einer mehrstündigen Untersuchung am Militärkrankenhaus Walter Reed erklärt Marinestabsarzt Sean Barbabella, der Präsident befinde sich in „exzellenter Gesundheit“ und sei „vollumfänglich fähig, alle Pflichten als Oberbefehlshaber und Staatsoberhaupt wahrzunehmen“. Das Protokoll listet eine Computertomographie, kardiologische Bildgebung und Krebsvorsorgetests auf, durchgeführt von 22 Spezialisten verschiedener akademischer Einrichtungen.
Die physiologischen Messwerte nähren indes auch kritische Nachfragen: Trump wiegt demnach 108 Kilogramm, sechs mehr als bei der letzten Erhebung im April 2025. Bei einer Körpergröße von 191 Zentimetern ergibt sich ein Body-Mass-Index von 29,7, der die Schwelle zur Adipositas nur knapp unterschreitet. Barbabella notiert präventive Empfehlungen: eine Ernährungsumstellung, gesteigerte körperliche Aktivität sowie die Einnahme niedrig dosierten Aspirins. Eine KI-gestützte Elektrokardiogramm-Analyse errechnete ein „Herzalter“ von 65 Jahren – 14 Jahre unter dem biologischen Alter. In einem standardisierten kognitiven Test (Montreal Cognitive Assessment) erzielte Trump die Maximalpunktzahl von 30.
Dennoch bleiben Zweifel. Auffällige blaue Flecken an Trumps Händen hatte das Weiße Haus zuletzt mit häufigem Händeschütteln und der blutverdünnenden Wirkung von Aspirin erklärt. Amerikanische Mediziner wie Dr. Jonathan Reiner von der George Washington University widersprechen: Derartige Hämatome seien auch an der linken Hand sichtbar und die Dosierung werfe Fragen auf. Zudem dokumentiert das Schreiben eine leichte Schwellung der Unterschenkel. Diese Details befeuern Spekulationen über einen möglichen kognitiven Abbau, die Trump seit Wochen begleiten.
International variiert die Rezeption. Während US-Medien wie Fox News die uneingeschränkte Einsatzfähigkeit betonen, heben europäische Blätter – von der deutschen Bild-Zeitung bis zum französischen Figaro – vor allem das Übergewicht und die Diätanordnung hervor. In deutschsprachigen Ländern weckt die Debatte Erinnerungen an die Diskussion um das Alter von Spitzenpolitikern. Nahöstliche Portale wie Hamshahri Online und Khabar Online stellen die plausible Erklärung der Hämatome in den Mittelpunkt und verknüpfen Trumps Gesundheitszustand mit seinen außenpolitischen Entscheidungen etwa zum Iran-Abkommen.
Mit der Veröffentlichung wenige Wochen vor Trumps 80. Geburtstag am 14. Juni versucht das Weiße Haus, Gerüchte über rapiden Verfall zu entkräften. Dass der Bericht erst mit mehrtägiger Verspätung und in stark selektierter Form vorgelegt wurde, schmälert jedoch die Glaubwürdigkeit. Die Transparenz über die Gesundheit des mächtigsten Mannes der Welt bleibt ein globales Anliegen – auch mit Blick auf innerdeutsche Debatten über die gesundheitliche Eignung von Kanzlerkandidaten.
| Iranische & verwandte Presse | −0.80 | critical |
|---|---|---|
| Israelische Presse | +0.70 | aligned |
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.30 | critical |
Die iranische Presse betrachtet Trumps ärztlichen Bericht als politische Vertuschung, fokussiert auf die verdächtigen blauen Flecken an seinen Händen und die unglaubwürdige Erklärung durch häufiges Händeschütteln, während sie gleichzeitig Ängste vor einem schnellen geistigen Verfall schürt. Die offizielle Erklärung zur «ausgezeichneten Gesundheit» wird als Schönfärberei abgetan.
Die israelische Presse rahmt den medizinischen Bericht des Weißen Hauses als schmeichelhafte Bestätigung ein, die betont, dass Trump bei ausgezeichneter Gesundheit und voll einsatzfähig als Oberbefehlshaber ist. Sie geht kaum auf die nebensächlichen Empfehlungen ein, sondern hebt den beruhigenden und schmeichelnden Ton des Schreibens hervor.
Die kontinentaleuropäische Presse begegnet dem Gesundheitszeugnis des Weißen Hauses mit kaum verhohlener Skepsis, stellt die Gewichtszunahme des Präsidenten, die ärztliche Empfehlung zu Diät und Bewegung sowie die merkwürdigen Details der gutartigen blauen Flecken an den Händen und der Schwellung der Beine in den Vordergrund. Obwohl sie das offizielle Urteil der «ausgezeichneten Gesundheit» wiedergibt, deutet sie ein weniger perfektes Bild an und offenbart eine paternalistische Sorge.
Erweitere deinen Horizont
US-Senat verabschiedet Sanktionspaket mit Zolldrohung gegen Russland-Energiekäufer
2 Sprachen · 40 Quellen
Aus Economy & MarketsSteigende Kreditvorsorgen belasten Bankbilanzen in Schwellenländern
2 Sprachen · 6 Quellen
Aus TechnologyMoskau will SMS-Autorisierung für Kinder nur mit elterlicher Zustimmung sperren
1 Sprache · 13 Quellen