
Trump kündigt drastische Reduzierung der US-Truppen in Deutschland an – Bündnis unter Druck
Präsident Donald Trump hat die ohnehin angespannte Lage im transatlantischen Verhältnis am Wochenende noch einmal verschärft, als er erklärte, der Truppenabzug aus Deutschland werde weit über die zunächst vom Pentagon genannten 5.000 Soldaten hinausgehen. „Wir werden drastisch reduzieren, und zwar weit mehr als 5.000“, sagte Trump vor Journalisten in Florida, ohne die genauen Zahlen oder den Zeitplan zu präzisieren. Die Ankündigung folgt auf einen öffentlichen Schlagabtausch mit Bundeskanzler Friedrich Merz, der zuvor die amerikanische Kriegsführung im Iran kritisiert hatte. Aus Berliner Sicht ist der Zusammenhang jedoch bestritten: Merz betonte in einem Interview, die Entscheidung sei schon länger erwartet worden und nicht als Reaktion auf seine Äußerungen zu werten. Verteidigungsminister Boris Pistorius zeigte sich ebenfalls gelassen und erklärte, Europa müsse ohnehin mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit übernehmen. Deutschland sei auf dem richtigen Weg, die Streitkräfte zu stärken, und der schrittweise Abzug sei eine logische Konsequenz der veränderten strategischen Lage seit dem Ende des Kalten Krieges.
In Washington stößt der Vorstoß des Präsidenten jedoch auf unerwarteten Widerstand aus den eigenen Reihen. Die beiden Vorsitzenden der Streitkräfteausschüsse des Senats und des Repräsentantenhauses, die Republikaner Roger Wicker und Mike Rogers, kritisierten die Entscheidung scharf. Sie werteten den Abzug als „falsches Signal an Russland“ und forderten, die Soldaten nicht nach Hause zu holen, sondern weiter nach Osten zu verlegen, um die NATO-Ostflanke zu stärken. Auch innerhalb des Bündnisses herrscht Unruhe: Ein NATO-Sprecher verwies darauf, dass die Allianz nun genaue Einzelheiten der US-Pläne prüfen müsse. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hob dagegen hervor, das transatlantische Bündnis stehe unerschütterlich, doch die Entwicklung unterstreiche, wie dringend die europäischen Staaten ihre Verteidigungsausgaben erhöhen müssten.
Strategisch betrachtet geht es bei den Basen in Deutschland wie Ramstein um weit mehr als nur um eine militärische Präsenz: Sie dienen als Drehkreuz für Einsätze in Afrika und im Nahen Osten und sind ein Symbol der amerikanischen Sicherheitsgarantie für Europa. Beobachter in Moskau dürften den Schritt als Bestätigung ihrer These werten, dass die transatlantische Einheit Risse zeigt. Zugleich zeichnet sich ab, dass sich die europäische Sicherheitsarchitektur in den kommenden Jahren grundlegend wandeln wird. Merz bekräftigte zwar, er gebe die Zusammenarbeit mit Trump nicht auf, doch die Szenerie in Florida und die klaren Worte aus dem Kongress zeigen, dass der Druck auf Berlin wächst, militärisch eigenständiger zu handeln. Die nächsten Monate werden erweisen, ob die verbalen Bekenntnisse zu einer stärkeren europäischen Verteidigung auch in konkrete Haushaltsentscheidungen münden.
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