
Trump lädt Putin zum G20-Gipfel nach Miami: Ende der Isolation?
Die Ankündigung kam aus Washington und hallte bis nach Moskau und in die europäischen Hauptstädte: Die Regierung von Präsident Donald Trump beabsichtigt, den russischen Präsidenten Wladimir Putin zum G20-Gipfel im Dezember 2026 nach Miami einzuladen. Der Gipfel soll auf Trumps eigenem Golfresort Doral stattfinden. Offizielle Einladungen sind noch nicht verschickt, doch ein hochrangiger Vertreter der US-Administration bestätigte, dass Russland als Mitglied der Gruppe der Zwanzig selbstverständlich zu den Ministertreffen und zum Treffen der Staats- und Regierungschefs eingeladen werde. Trump selbst äußerte sich vorsichtig: Er wisse nicht, ob Putin kommen werde, aber falls ja, wäre es „sehr nützlich“. Damit unternimmt Washington den bislang deutlichsten Schritt, die internationale Isolation Russlands – die es sich mit dem Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 selbst zugefügt hat – weiter aufzuweichen.
Aus Moskauer Perspektive ist die Nachricht eine Bestätigung dessen, was die Diplomatie in den vergangenen Monaten bereits signalisiert hatte. Der stellvertretende Außenminister Alexander Pankin bestätigte, dass Russland auf höchster Ebene eingeladen sei, fügte jedoch einschränkend hinzu: „Wir werden uns kurz vor dem Termin entscheiden. Gott weiß, was bis dahin passiert.“ Die russische Seite hält sich alle Optionen offen – ein Zeichen dafür, dass sie den Gipfel als Bühne für eine Wiederannäherung betrachtet, ohne sich bereits festlegen zu wollen. Putins letzte Teilnahme an einem G20-Gipfel liegt sechs Jahre zurück; die Pandemie und dann der Ukraine-Krieg verhinderten seither seine Präsenz. Nun eröffnet sich für den Kreml die Chance, die diplomatische Bühne zurückzuerobern.
Für die Staaten Europas, insbesondere für Deutschland, Österreich und die Schweiz, stellt die Entwicklung eine Zäsur dar. Die Bundesregierung und ihre Nachbarn haben sich bislang hinter die gemeinsame EU-Linie gestellt, die darauf abzielt, Russland so lange zu isolieren, bis es seine Aggression gegen die Ukraine beendet. Dass nun der amerikanische Präsident – noch dazu auf dem eigenen Golfplatz – dem russischen Amtskollegen die Hand reicht, untergräbt diese Strategie. Aus Berliner und Wiener Sicht dürfte die Sorge wachsen, dass der Gipfel zu einem Schaulaufen der Grossmächte wird, bei dem die Ukraine-Frage in den Hintergrund gerät. Allerdings ist auch die Rolle der G20 als informelles Forum zu bedenken: Sie dient nicht der Verhandlung von Friedensschlüssen, sondern dem Austausch über globale Wirtschafts- und Finanzfragen. Dennoch wäre Putins Anwesenheit eine symbolische Aufwertung, die in Kiew und Osteuropa mit Argwohn betrachtet würde.
Blickt man voraus, so scheint das Treffen in Miami weniger den Abschluss eines Friedensprozesses zu markieren als vielmehr den Beginn einer neuen Phase der transatlantisch-russischen Beziehungen. Die Trump-Administration hat mehrfach signalisiert, dass sie einen pragmatischen Umgang mit Moskau sucht – notfalls auch auf Kosten der bisherigen Einheit des Westens. Ob Putin die Einladung annimmt, wird nicht zuletzt davon abhängen, wie die militärische Lage in der Ukraine bis Dezember 2026 aussieht. Sollte er kommen, stünde eine Begegnung der beiden Präsidenten im Raum, die weit über das Protokoll hinausginge. Die G20 wäre dann nicht nur ein Gipfel der zwanzig größten Volkswirtschaften, sondern auch ein Prüfstein für die neue Weltordnung.
Erweitere deinen Horizont
Washington erwartet baldige Hormus-Einigung, Teheran dementiert direkte Verhandlungen
6 Sprachen · 52 Quellen
Aus Economy & MarketsÖlkonzerne melden sprudelnde Gewinne im zweiten Quartal – Trump rügt „zu viel Geld“
2 Sprachen · 21 Quellen
Aus TechnologyWeißes Haus schließt offene KI-Modelle von Sicherheitstests aus
3 Sprachen · 11 Quellen