
Trump lässt Iran-Gespräche platzen: Kein 18-Stunden-Flug ins Ungewisse
Die zarte diplomatische Pflanze, die zwischen Washington und Teheran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad zu sprießen begann, ist am Samstag ebenso abrupt wieder eingegangen, wie die Reisepläne der amerikanischen Unterhändler annulliert wurden. Präsident Donald Trump zog seinen Sondergesandten Steve Witkoff und seinen Schwiegersohn Jared Kushner zurück, kaum dass der iranische Außenminister Abbas Araghchi nach Gesprächen mit der pakistanischen Führung wieder aus Islamabad abgereist war. „Ich habe meinen Leuten gesagt: Nein, ihr werdet keinen 18-Stunden-Flug machen, um dort zu sitzen und über nichts zu reden“, zitierte der Fernsehsender Fox News den Präsidenten aus einem Telefonat. Die Begründung des Weißen Hauses fiel in den darauffolgenden Stunden ebenso knapp wie selbstbewusst aus: Man halte alle Karten in der Hand, die Iraner könnten jederzeit anrufen.
Damit hatte sich innerhalb weniger Tage ein diplomatisches Schauspiel vollzogen, das die Fragilität des seit acht Wochen währenden Waffenstillstands im Nahen Osten offenlegte. Noch am Freitag hatte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, den bevorstehenden Abflug der Delegation bestätigt und von „produktiven Gesprächen“ gesprochen, die man sich von dem direkten Austausch erhoffe. Aus Washingtoner Sicht war der Besuch als zweite Verhandlungsrunde eines mühsam eingefädelten Friedensprozesses gedacht, bei dem Pakistan als Vermittler auftrat. Beobachter in Islamabad sprachen von einer heiklen Pendeldiplomatie, bei der die pakistanische Armeeführung um General Asim Munir eine nicht zu unterschätzende Rolle spielte. Dass Vizepräsident J.D. Vance, der die erste Gesprächsrunde geleitet hatte, diesmal in Washington in Bereitschaft blieb, werteten Beobachter in Washington zunächst als Zeichen einer abgestuften Ernsthaftigkeit – nicht als Vorboten eines Scheiterns.
Doch aus Teheran kamen von Beginn an widersprüchliche Signale. Der iranische Außenminister Araghchi, der am Freitag in der pakistanischen Hauptstadt eintraf, betonte mehrfach, dass kein direktes Treffen mit amerikanischen Vertretern geplant sei. Stattdessen übermittelte er die iranische Position an die pakistanischen Gastgeber, die als Vermittler fungieren sollten. In Teheraner Regierungskreisen hieß es, man habe einen schriftlichen Gegenvorschlag zum amerikanischen Friedensplan nach Islamabad gebracht, bestehe jedoch weiterhin auf der Aufhebung der Seeblockade, bevor man in substanzielle Verhandlungen eintrete. Diese indirekte Verfahrensweise, so die Lesart in westlichen Hauptstädten, sei ein taktisches Manöver, um innenpolitische Rücksichten zu wahren und sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, dem amerikanischen Druck nachzugeben. Trump selbst goss zusätzlich Öl ins Feuer, als er auf seiner Plattform Truth Social von „ungeheuerlichen Machtkämpfen und Verwirrung“ in der iranischen Führung sprach – eine Einschätzung, die Iran-Experten in Brüssel und Berlin als grobe Vereinfachung der komplexen Machtarchitektur in Teheran zurückwiesen.
Für Europa, insbesondere für Deutschland, Österreich und die Schweiz, ist das Scheitern des Islamabad-Treffens eine wirtschaftspolitische Mahnung. Die Straße von Hormus, über die ein Fünftel des globalen Öl- und Flüssiggashandels läuft, bleibt weitgehend blockiert. Während in Berlin das Wirtschaftsministerium die Lage mit wachsender Sorge beobachtet und sich auf weitere Energiepreisschocks vorbereitet, dringt der Europäische Rat unter António Costa auf eine sofortige und bedingungslose Wiedereröffnung der wichtigen Wasserstraße. In Wien und Bern wachsen derweil die Befürchtungen vor einer längeren Phase der Instabilität, die Fluchtbewegungen und humanitäre Krisen verschärfen könnte. Die Internationale Atomenergiebehörde, deren Sitz in Wien ist, sieht zudem die Kontrolle des iranischen Atomprogramms durch die stockende Diplomatie zusätzlich gefährdet.
Trump ließ nach der Absage zunächst offen, ob der militärische Druck auf Iran wieder erhöht würde. Auf die Frage des Portals Axios, ob die Streichung der Reise eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen bedeute, antwortete er: „Nein, das bedeutet es nicht. Darüber haben wir noch nicht nachgedacht.“ Diese Bemerkung lässt einen schmalen diplomatischen Korridor offen – einen Gesprächsfaden, der vielleicht per Telefon oder über pakistanische Kanäle weitergesponnen werden könnte. Dass Jared Kushner und Steve Witkoff vorerst in Miami bleiben, ist indes kein Grund zur Entspannung. Es ist vielmehr das Eingeständnis, dass die Skepsis in Washington gegenüber der Verhandlungsbereitschaft Teherans einen neuen Höhepunkt erreicht hat – und dass die nächsten Wochen darüber entscheiden dürften, ob der Nahe Osten in eine neue Spirale der Gewalt abrutscht oder sich die Logik der Diplomatie doch noch durchsetzt.
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