
US-Marine hält Seeblockade gegen Iran aufrecht – Teheran erwägt neue Strategie für die Straße von Hormus
Trotz iranischer Drohungen bleibt die US-Seeblockade in Kraft. 58 Handelsschiffe wurden umgeleitet. Teheran prüft ein Gesetzesvorhaben zur Kontrolle der strategischen Meerenge.
Washingtoner Militärkreise haben bestätigt, dass die von den Vereinigten Staaten verhängte Seeblockade gegen Iran unvermindert fortgesetzt wird. Das Zentralkommando der US-Streitkräfte, CENTCOM, teilte mit, dass seit dem 13. April insgesamt 58 Handelsschiffe umgeleitet und vier Schiffe an der Ein- oder Ausfahrt aus iranischen Häfen gehindert wurden. Die Blockade, die bereits im Vormonat verhängt worden war, zielt darauf ab, die iranischen Ölexporte zu unterbinden und den Druck auf die Führung in Teheran zu erhöhen.
Aus Teheraner Sicht handelt es sich um einen unverhohlenen Akt der Aggression. Iranische Nachrichtenagenturen berichteten von vereinzelten Zusammenstößen zwischen iranischen Kräften und US-Schiffen in der Straße von Hormus, die sich jedoch wieder beruhigt hätten. Ein militärischer Vertreter Irans warnte zugleich vor einer möglichen erneuten Eskalation. Vor diesem Hintergrund prüft der iranische Madschles ein Gesetzesvorhaben, das eine nationale Strategie zur Verwaltung der Straße von Hormus vorsieht. Mohammad Reza Rezai Kuchi, Leiter der Forschungsabteilung des Parlaments, deutete die Einrichtung einer Quasi-Behörde an, die den Schiffsverkehr in der strategischen Meerenge kontrollieren soll. Dies wäre eine unmittelbare Herausforderung für die maritime Ordnung in der Region.
Aus amerikanischer Perspektive hat Präsident Donald Trump die sogenannte Operation „Project Freedom“ vorübergehend ausgesetzt, aber nicht aufgegeben. Gegenüber Journalisten am Weißen Haus erklärte er, man werde nötigenfalls zu einem erweiterten Einsatz zurückkehren – „Project Freedom Plus“. Die Operation hatte zum Ziel, Handelsschiffe sicher durch die Meerenge zu geleiten. Die Fortsetzung der Blockade und die angekündigte Möglichkeit einer verschärften Marinemission unterstreichen die anhaltende Spannung zwischen Washington und Teheran.
Für Europa, insbesondere für Deutschland, Österreich und die Schweiz, sind die Entwicklungen von unmittelbarer Bedeutung. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Handelsrouten für Rohöl und Flüssiggas; eine länger anhaltende Blockade oder militärische Auseinandersetzungen könnten die Energiepreise in die Höhe treiben und die ohnehin fragile globale Konjunktur weiter belasten. Beobachter in Peking verfolgen die Lage mit Sorge, da China als größter Abnehmer iranischen Öls direkt betroffen wäre.
In den kommenden Wochen wird sich entscheiden, ob die Blockade den gewünschten Druck auf Iran ausübt oder ob es zu einer militärischen Konfrontation kommt, die den gesamten Nahen Osten destabilisieren könnte. Teheran sucht derweil nach Wegen, die Blockade zu umgehen, während Washington seine Optionen offenhält. Die nächsten Schritte beider Seiten werden die Richtung des Konflikts bestimmen.
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