
US-Sonderzoll von 25 Prozent auf brasilianische Produkte tritt in Kraft
Die neue Abgabe belastet 18 Prozent der brasilianischen Exporte in die Vereinigten Staaten; Brasília setzt auf Verhandlungen statt Vergeltung.
Die am Mittwoch in Kraft getretene zusätzliche US-Einfuhrsteuer von 25 Prozent auf brasilianische Waren betrifft nach Angaben des brasilianischen Ministeriums für Entwicklung, Industrie, Außenhandel und Dienstleistungen (MDIC) rund 18 Prozent der brasilianischen Exporte in die Vereinigten Staaten. Das Volumen der betroffenen Lieferungen bezifferte das Ministerium auf 7,4 Milliarden US-Dollar auf Basis des Jahres 2024. Die Abgabe, die auf eine Untersuchung des US-Handelsbeauftragten (USTR) nach Section 301 des Handelsgesetzes von 1974 zurückgeht, erfasst etwa 3000 Produkte. Mehr als 2000 weitere Güter, darunter Rindfleisch, Kaffee, Rohöl und Flugzeugteile, bleiben von der Sonderabgabe ausgenommen.
Die brasilianische Regierung lehnt eine unmittelbare Vergeltung ab. Vizepräsident Geraldo Alckmin erklärte am Dienstag, die Idee sei nicht Vergeltung: „Auge um Auge – das könnte dazu führen, dass beide blind werden.“ Er verwies auf das im vergangenen Jahr vom Kongress verabschiedete Gesetz über wirtschaftliche Reziprozität, das der Regierung Instrumente an die Hand gebe, um eine als ungerecht empfundene Situation zu korrigieren. Die Anwendung solle jedoch „im geeigneten Moment und in angemessener Form“ erfolgen. Vertreter der betroffenen Industriezweige – darunter Maschinenbau, Schuhe, Reifen und Kunststoff – sprachen sich in ersten Gesprächen mit der Regierung gegen eine Aktivierung des Reziprozitätsgesetzes aus und plädierten für diplomatische und unternehmerische Lösungen.
Die Regierung in Brasília bereitet ein Hilfspaket für die betroffenen Unternehmen vor. Dazu gehören Kreditlinien aus dem Programm „Brasil Soberano“ sowie eine vorübergehende Lockerung des Zollrückvergütungssystems Drawback. Parallel dazu forciert die staatliche Exportförderungsagentur ApexBrasil die Erschließung neuer Absatzmärkte, vor allem in Indien, Mexiko, Singapur, Japan und Südostasien. Auch die Handelsabkommen des Mercosur mit der Europäischen Union, der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) und Singapur sollen vorangetrieben werden.
Die neue US-Abgabe ist das Ergebnis einer einjährigen Untersuchung des USTR, die brasilianische Praktiken unter anderem im Bereich des digitalen Handels, des Zahlungssystems Pix, des geistigen Eigentums, der Korruptionsbekämpfung und der Entwaldung als unfair bewertete. Die US-Regierung wirft Brasilien vor, durch diese Maßnahmen US-Unternehmen zu benachteiligen. Brasília bestreitet die Vorwürfe und bezeichnet die Entscheidung als politisch motiviert. Der Zoll wird zu einem innenpolitischen Thema vor den für Oktober angesetzten Präsidentschaftswahlen; Beobachter sehen darin auch eine gezielte Maßnahme gegen Präsident Luiz Inácio Lula da Silva.
Washington erwägt zudem eine weitere Abgabe von 12,5 Prozent auf brasilianische Produkte im Rahmen einer Untersuchung zu angeblicher Zwangsarbeit. Der brasilianische Minister Márcio Elias Rosa rechnet mit einer Entscheidung am Freitag. Unklar ist, ob die neue Abgabe kumulativ zu den 25 Prozent erhoben wird. Am Montag ordnete Präsident Trump einen Zoll von 50 Prozent auf zahlreiche kanadische Waren an; am Dienstag kündigte er einen Zoll von 100 Prozent auf Generika ab August 2028 an. Die brasilianische Regierung will nach eigenen Angaben zunächst die Entscheidung über die Zwangsarbeitsabgabe abwarten, bevor sie weitere Maßnahmen ergreift.
| Lateinamerikanische Presse | −0.40 | critical |
|---|---|---|
| Russische & GUS-Presse | −0.70 | critical |
Brazil views the tariff as an unfortunate but manageable challenge. The refusal to retaliate signals a preference for diplomatic resolution.
The US tariff on Brazil is another example of Washington's aggressive trade policy, destabilizing global markets. Moscow sees it as evidence of US disregard for international norms.
Erweitere deinen Horizont
Washington erwartet baldige Hormus-Einigung, Teheran dementiert direkte Verhandlungen
6 Sprachen · 52 Quellen
Aus Economy & MarketsWeltweite Automärkte im Juli 2026: Elektroantrieb und chinesische Marken gewinnen an Boden
2 Sprachen · 11 Quellen
Aus TechnologyWeißes Haus schließt offene KI-Modelle von Sicherheitstests aus
3 Sprachen · 11 Quellen